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Der Dämon und die Jungfrau

Frankreich | Italien, 1963

  • Originaltitel: La frusta e il corpo
  • Alternativtitel:

    El cuerpo y el látigo (ESP)

    Le corps et le fouet (FRA)

    O Chicote e o Corpo (POR)

    The Whip and the Body (USA)

    What! (USA)

    Der Mörder von Schloß Menliff

    The Whip and the Flesh

    Son of Satan

  • Deutsche Erstaufführung: 09. Juni 1967
  • Regisseur: Mario Bava
  • Kamera: Ubaldo Terzano, Mario Bava
  • Musik: Carlo Rustichelli
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Ugo Guerra, Luciano Martino
  • Inhalt:

    Angesichts der schweren Erkrankung von Baron Menliff (Gustavo de Nardo) kehrt auch dessen verstoßener Sohn Kurt (Christopher Lee) auf das Familienschloss zurück. Doch niemand freut sich über diesen unerwarteten Besuch. Einst verschuldete Kurt den Tod von Giorgias (Harriet Medin) Tochter, und sein Bruder Christian (Tony Kendall) ist inzwischen mit der ursprünglich Kurt versprochener Nevenka (Daliah Lavi) verheiratet. Katias (Ida Galli) Herz hingegen schlägt noch immer für Christian, trotz dessen Heirat mit ihrer Schwester.

     

    Doch Nevenkas Herz ist bestimmt von Zerrissenheit. Kurts Auftauchen ruft nie vergessene aber verdrängte Sehnsüchte an gewalttätige gemeinsame Nächte wach, und schwankend zwischen Hass und Begierde sehnt sie sich nach Kurts in ihr Fleisch schneidende und ihren bloßen Rücken liebkosende Peitsche. Aber Kurt wird ermordet. Jeder kommt als Täter in Frage, denn jeder im Schloss hat Kurt verabscheut, sogar der eigene Vater. Und der vor Lust bebenden Nevenka erscheint Kurts Geist, um sie lustvoll mit seiner Präsenz zu geißeln.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Drei Jahre nach „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ schuf Mario Bava diesen Gothic Horror nach einem Drehbuch von Ernesto Gastaldi. Eine Story im Stil von Roger Cormans „Das Pendel des Todes“ hatte man von Gastaldi verlangt, und das hat er geliefert - das Pendel wurde hier jedoch durch das Sirren und Aufschlagen einer Peitsche ersetzt, Nevankas Geißel und Ausdruck ihrer verborgenen Begierde, die ihr zum Verhängnis wird. Ernesto Gastaldi, der Meister des unverhohlenen Kontexts, ist hier in Bestform. Um nur ein bemerkenswertes Detail zu erwähnen, als Nevenka und Kurt sich „zufällig“ am Strand treffen, achtet mal darauf, wer von beiden die Peitsche mitgebracht hat.

     

    Die herbe Schönheit Daliah Lavi spielt hier gemeinsam (nicht immer, ich glaube sogar beim Drehen eher selten) mit Christopher Lee die sich lustvoll nach Schmerz verzehrende Nevenka in einer sinnlichen Art und Weise, die Zensoren weltweit die Haare zu Berge stehen ließ, was zu einer Vielzahl unterschiedlich geschnittener Fassungen mit ebenso vielfältigen bis kuriosen Titeln führte. In den USA zum Beispiel unter dem Titel „What!“ (hätten sie auch gleich WTF?! nehmen können), der gar nicht mal so unpassend ist, da in dieser verstümmelten Fassung wohl kaum noch jemand mitbekommen hat, worum es in diesem Film eigentlich geht. Zu Premierenzeiten startete „Der Dämon und die Jungfrau“ anscheinend nur in Italien ohne Schnitte, mit einem V.M. 18 Rating. Das änderte sich aber nach der Anzeige eines Einzelbürgers wegen Obszönität, die zu einer vorübergehenden Beschlagnahme des Films führte, der anschließend zwar wieder freigegeben wurde, allerdings gekürzt. Die ursprünglichen Poster sollten vernichtet werden, und der Pressechef von Titanus wurde zu drei Monate auf Bewährung für die vorherige Verbreitung derselben verurteilt.

     

    Die Tatsache, dass „La frusta e il corpo“ ein sehr schnell und sehr preiswert gedrehter Film ist, offenbart letztendlich nur Eines: die Meisterschaft von Regisseur Mario Bava. Ob nun die Dekorationen, das Spiel mit Licht, Schatten und Farbgebung, die Symbolik, oder der Einsatz der Musik von Carlo Rustichelli (mit einem unvergesslichen Titelthema), alles ergibt ein stimmiges Gesamtbild von einmaliger atmosphärischer Dichte. Die Kritiker sahen das damals freilich ein wenig anders, wohl wegen ihrer rotglühenden Ohren.

     

    Wicked Vision hat sich mal wieder große Mühe mit der 3-Disc-Veröffentlichung gegeben, und „Der Dämon und die Jungfrau“ liegt somit nunmehr in HD vor. Rein persönlich bin ich aber nicht so ganz glücklich mit der Farbgebung dieser Fassung. Tränen in die Augen trieb mir allerdings die wundervolle „In Gedenken an Tony Kendall“ Featurette. Und wer mehr über den Film erfahren, lesen und natürlich auch den Film selbst genießen will, sollte sich die Wicked Vision-Veröffentlichung zulegen, denn ich mache jetzt Schluss.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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    Links

    OFDb
    IMDb
    Film Maniax

     

     

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