Don Camillo und das Schlitzohr

Italien, 1983

Originaltitel:

Il diavolo e l'acquasanta

Alternativtitel:

Carcel o victoria (ESP)

Regisseur:

Bruno Corbucci

Inhalt

Früher war Bruno Marangoni der beliebteste Fußballspieler Roms. Heute ist er heruntergekommen und hält sich mit krummen Geschäften über Wasser. Da diese nicht so recht klappen mögen will er sich vom Kolosseum stürzen. Dummerweise kommt der Geistliche und Freizeitbergsteiger Don Gaetano Morelli vorbei, klettert das Kolosseum hoch (“Eine Stimme sprach zu mir ’Klettere rechts rum’“) und rettet Marangoni das Leben. Dieser muss nun gegen seinen Willen weiter im Elend leben, und wer ist schuld? Richtig, Don Gaetano. Also nistet Marangoni sich mitsamt Freundin in des Paters Gemeindehaus in der Provinz ein und bringt dort alles ziemlich durcheinander. Um aus der verfahrenen Situation herauszukommen braucht er Geld, also startet er mit Trickbetrügereien, die ihm zwar tatsächlich Geld einbringen, aber auch eine Menge Ärger mit Don Gaetano. Doch es gäbe eine Möglichkeit mit dem Priester ins Reine zu kommen: Wenn er das Fußballteam der Gemeinde trainieren würde um den Aufstieg in die dritte Liga zu ermöglichen. Aber bei dem Wort Fußball sieht Marangoni rot …

Autor

Maulwurf

Review

Der Teufel und das Weihwasser, so der Originaltitel. Der Teufel, das ist natürlich Tomas Milian, der hier im Wesentlichen nicht anders auftritt denn als Superbulle Toni Maroni. Sogar die Kleidung ist ziemlich ähnlich, nur dass er diesmal auf der anderen Seite des Gesetzes steht. Merkt man da einen Unterschied? Nicht wirklich. Thomas Dannemann auf Tomas Milian schnoddert sich, zugegebenermaßen oft wirklich saukomisch, durch die italienische Provinz und bringt den nicht so braven Priester und seine über alle Ohren verliebte Haushälterin ziemlich auf Trab. Immerhin schläft er unverheiratet mit seiner Freundin in einem Bett (im Pfarrhaus!), die Freundin duscht auch mal nackt, er trinkt, er raucht, er spielt Karten, und er isst Don Gaetanos Abendessen auf …

 

Tomas Milian grimassiert also mit der üblichen Komik dieser Zeit durch den Film. Wenn man beispielsweise mit den Superbullen-Filmen etwas anfangen kann, dann ist dieser Streifen auch knorke. Findet man den Superbullen doof, kann man hier auch nichts dran finden. Milian hat in dieser Zeit, also etwa zwischen 1977 und 1985, einen Haufen Komödien gedreht, in erster Linie mit Regisseur Bruno Corbucci und Drehbuchautor Mario Amendola, und letzten Endes sind die alle irgendwie relativ ähnlich. Mal etwas mehr und mal etwas weniger lustig, die deutsche Synchro setzt meistens noch einen Haufen Kalauer drauf und gut. DON CAMILLO macht da wie gesagt keine Ausnahme, und rangiert somit irgendwie unter dem unschönen Begriff „Dutzendware“. Klingt hässlich, ist aber so.

 

Das Weihwasser, das ist Piero Mazzarella als Don Gaetano, der aber nur dann Höhepunkte setzen kann wenn er sich vor seinem Vorgesetzen rechtfertigen muss, sonst bleibt er eher blass. Wort- und Persönlichkeitsduelle wie bei Don Camillo und Peppone darf man hier nicht erwarten, zu dominant ist der Teufel Marangoni. Leider ist Don Gaetano sehr bieder angelegt, dabei zeigt sich schon bei seiner ersten Szene beim Bischof dass er eigentlich ein ganz Wilder ist, beziehungsweise sein könnte. Aber sobald er den Bischofspalast verlässt wird er gütig und nachsichtig, und hat dadurch so gar keine Reibungspunkte mehr mit dem Teufel. Die Komik und auch die Anarchie entstehen bei den originalen DON CAMILLO-Verfilmungen halt einfach dadurch, dass Don Camillo und Peppone sicherlich unterschiedliche Ansichten haben, dabei aber die gleichen Charakterzüge aufweisen. Im vorliegenden Fall sind die Charakterzüge sehr unterschiedlich, wodurch das Konfliktpotenzial ganz einfach entschärft wird. Schade eigentlich, da wurde Potential verschenkt. Was hätte man alles aus dem Film herausholen können wenn Don Gaetano genauso rustikal angelegt worden wäre wie Marangoni …?

 

Bei den Nebenrollen sticht Margherita Fumero heraus, die etwas ruhiger angelegt ist als sonst, und als rettungslos verliebte Köchin auf jeden Fall ziemlich Spaß macht. Savina Gersak als Marangonis Freundin Silvana schaut sehr nett aus, bietet aber sonst sehr wenig, und Giacomo Rizzo als Mesner Elpidio Esposito hat vor allem gegen Ende hin (nämlich bei der Wunderheilung) einige wirklich gute Szenen und bleibt auch durchaus im Gedächtnis haften. Kunststück, hat er doch auch eine etwas längere Filmografie mit so illustren Höhepunkten wie GRAF DRACULA IN OBERBAYERN oder HERR GENERAL, SIE KÖNN’N UNS MAL.

 

Was nachhaltiger in Erinnerung bleibt als die Darsteller sind einige der Betrügereien Marangonis, die meist so hanebüchen sind dass das Wort „Grotesk“ recht gut passt und die gut lustig sind. Dass die Sache mit der Abwasserleitung dabei ähnlich aus Mario Monicellis EIN IRRES KLASSENTREFFEN bekannt ist macht überhaupt nichts, und dass die Gattin des Bürgermeisters in erster Linie dumm ist auch nicht, witzig sind die Szenen auf jeden Fall. Und da der Film insgesamt recht dynamisch ist und ziemlich flott voranschreitet (mal abgesehen von den etwas rührseligen Rückblenden zu seligen Fußballzeiten. A propos Fußball: Die Szenen rund um Lazio sehen mir verdächtig nach ELFMETER FÜR DEN SUPERBULLEN aus, aber herrje, warum soll der gleiche Regisseur seinen Dreh nicht auch mehrfach verwenden?), da also das bisschen Handlung recht gut rüberkommt langweilt man sich zumindest nicht. Die deutsche Synchro bietet wie schon erwähnt ein paar handfeste Schenkelklopfer („Die Limettendiät haben Sie bestimmt nicht konsequent angewendet! Sie müssen sich mit dem Zeug von Kopf bis Fuß einreiben!!“), und irgendwie geht die Zeit gut rum und man lächelt hinterher ein wenig. Was man auch nicht von allen Filmen behaupten kann …

Autor

Maulwurf

Veröffentlichungen

Was die Verbrecher von Night Elves Entertainment sich auf dieser DVD-R (sic!) erlaubt haben spottet jeder Beschreibung. Ein VHS-Rip übelster Kajüte der den Augen so richtig wehtut. Natürlich nur mit deutschem Ton (der aber zugegebenermaßen erträglich) und ohne Extras. Schlimm schlimm …

Autor

Maulwurf

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