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Don Mariano weiß von nichts

Frankreich | Italien, 1968

  • Originaltitel: Il giorno della civetta
  • Alternativtitel:

    Der Tag der Eule (BRD)

    El día de la lechuza (ESP)

    La mafia fait la loi (FRA)

    Mint a bagoly nappal (HUN)

    El silencio del diablo (MEX)

    Dzien puszczyka (POL)

    O Dia da Vergonha (PRT)

    Baykuslarin Günü (TUR)

  • Deutsche Erstaufführung: 15. Mai 1970
  • Regisseur: Damiano Damiani
  • Kamera: Tonino Delli Colli
  • Musik: Giovanni Fusco
  • Drehbuch: Damiano Damiani, Ugo Pirro
  • Inhalt:

    Mitten auf der Landstrasse einer kleinen sizilianischen Provinz, wird ein Lastwagenfahrer kaltblütig erschossen. Hauptmann Bellodi (Franco Nero), der neue Polizeioffizier aus dem nördlichen Italien, nimmt sich der Sache an und stellt sofort fest, dass die ortsansässige Mafia für diese Bluttat mitverantwortlich sein dürfte, denn bei dem Opfer handelte es sich um einen Bauunternehmer, welcher sich nicht ganz an die vereinbarten Abmachungen hielt und daraufhin wohl mit dem Leben bezahlen musste. Auf bürgerliche Mitarbeit kann Bellodi nicht zählen, denn der Clan um Don Mariano (Lee J. Cobb) wird von der kleinen Gemeinde geachtet und gefürchtet. Eine kleine Spur scheint es dennoch zu geben, denn der Ehegatte von Rosa Nicolosi (Claudia Cardinale) ist seit dem Mord spurlos verschwunden, was verwundert, denn von seinem Haus hätte er das Attentat beobachten können. Allerdings mehren sich die Stimmen, das ausgerechnet der verschollene Nicolosi den Bauunternehmer hingerichtet haben soll und genau hier sieht Bellodi seine große Chance, Rosa auf seine Seite zu ziehen, welche auch von den Bürgern der Kleinstadt abwertend behandelt wird, doch dabei hat der Polizei-Hauptmann nicht die Rechnung ohne Don Mariano gemacht und so geraten beide in's Visier der Mafia...

  • Autor: Tobias Reitmann
  • Review:

    "Don Mariano weiß von nichts" (in der BRD später auch unter dem bekannteren Titel "Der Tag der Eule" erschienen) markierte für Damiano Damiani gleich zwei glanzvolle Startpunkte, denn einerseits zelebrierte dieser Film den Beginn seiner äußerst erfolgreichen Mafia-Thriller-Phase und hatte erstmals den aufstrebenden Franco Nero mit an Bord. Das diese Zusammenarbeit fruchtete, konnte man auch in den darauf folgenden Filmen "Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert" (1971), "Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's!" (1971), sowie vier Jahre später in "Warum mußte Staatsanwalt Traini sterben?" (1975) begutachten. Heute sind alle vier Filme des Duo's anerkannte Genre-Klassiker und auch wenn die Strahlkraft dieses filmischen Quartett's ungebrochen scheint, so hätte man sich doch noch ein paar mehr Kooperationen der Beiden gewünscht, denn was an treffender Sozial-Kritik in diesen Werken aufgefahren wird, dürfte der damaligen (und leider immer noch heutigen) Wirklichkeit (ohne eine bewusst-verfilmten Verschlimmerung) entspringen und haben von ihrer Brisanz eigentlich nichts verloren.

     

    Dabei wird in diesem Film zunächst auf Leonardo Sciascia's Novelle "Il giorno della civetta" aufgebaut, welche Anfang der 60er Jahre in Italien veröffentlicht wurde und damals äußerst erfolgreich über die Missstände im eigenen Lande aufklärte, sowie das Bild der machtlosen Gesetzeshüter gegenüber dem organsierten Verbrechen prägte, welches sowohl Korruption und bürgerliche Einschüchterung praktiziert, wodurch es der Bevölkerung dann oft an Zivilcourage mangelte. So eine Verfilmung war Ende der 60er Jahre sehr gewagt und Damiani inszenierte diesen Thriller keinesfalls mit Schongang oder heldenhaften Klischees, viel mehr legte er Wert auf einen präzisen Realismus, welcher diesen Film zwar etwas entschleunigt, im Gegensatz dafür aber packender zuschlägt.

     

    Mit Franco Nero in der Hauptrolle, wurde auch gleich Damiani's zukünftiges Zugpferd für die drei weiteren Polit-Thriller etabliert. Nero liefert als verbissener Hüter des Gesetzes wieder eine tadellose Leistung ab, da sich sein Charakter nunmal sturr der Verbrechensbekämpfung widmet, bleibt kein Platz für Familie und im Zuge der immer schwieriger werdenden Ermittlungen, wird auch er eher unorthodoxe Mittel zum Zweck anwenden. Ihm zur Seite steht Claudia Cardinale, welche im selben Jahr dann ihren großen Durchbruch mit "Spiel mir das Lied vom Tod" feiern konnte. Hier spielt sie die Rolle der Rosa, die um das Leben ihres verschwundenen Ehemanns bangt und sich zwischen den beiden Fronten wiederfindet, welche ebenfalls von ihr profitieren und sie deshalb für ihre Absichten benutzen wollen. Cardinale spielt ihren Charakter natürlich toll, auch wenn ihr später aus der drohenden Hilflosigkeit nichts weiter übrig bleibt, als sich in den Zynismus zu flüchten, da auch sie eine gewisse Machtlosikeit in ihrem Bestreben erkennt. Der dritte Akteur im Bunde ist der Amerikaner Lee J. Cobb, welchem hier der Part des städtischen Mafia-Oberhaupts zugesprochen wurde und Cobb meistert diesen Part auf eindrucksvolle Weise konsequent. Sofort erkennt er in Bellodi einen gleichwertigen Gegner, auch wenn der Clan immer am längeren Hebel zu sitzen scheint. Seine Sicht über die verschiedenen menschlichen Archetypen ist ebenfalls genial in Szene gesetzt worden und auch sonst präzisiert er mit seinem Auftreten die unantastbare Macht in der kleinen Provinz, zu der jeder Bürger aus Furcht und Respekt aufschauen muss. Während der restliche Cast seine Sache ebenfalls sehr gut macht, sticht indes noch Tano Cimerosa's Nebenrolle des Kleinkriminellen Zecchinetta heraus. Gaetano zieht hier einige Register des mimischen ABC's und verzückt den Zuschauer immer wieder auf's Neue mit seinem umwerfenden Mienenspiel.

     

    Während Tonino Delli Colli erneut die Kamera auf unwiderstehliche Weise schwenkt und die süditalienische Provinz damit zauberhaft einfängt, darf auch Giovanni Fusco eine schöne Klanguntermalung kredenzen. Altmeister Bruno Nicolai dirigierte das Begleitorchester dann persönlich und so werden pompöse Klänge mit Klavier und Streichern perfekt zum wiedergegeben Bild geliefert, womit sich die Intensität der erzählten Geschichte noch um Einges steigert.

     

    So ist und bleibt Damiani's erster Beitrag zur glaubwürdigen Verarbeitung damaliger italienischer Begebenheiten rund um Politik und Mafiaproblematik ein wahrhaftiger Klassiker, welcher bis zur letzten Minute seinen Weg konsequent verfolgt und den Zuschauer dank exzellenter Inszenierung und hervorragenden Schauspielern auf beklemmende Art und Weise mitreissen kann.

  • Autor: Tobias Reitmann
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