Suchen

Das Leichenhaus der lebenden Toten

Italien | Spanien, 1974

  • Originaltitel: Non si deve profanare il sonno dei morti
  • Alternativtitel:

    No profanar el sueño de los muertos (ESP)

    Le massacre des morts-vivants (FRA)

    The Living Dead (GBR)

    Dejen que los muertos duerman (MEX)

    Não Perturbem o Sono dos Mortos (POR)

    Don't Open the Window (USA)

    Let Sleeping Corpses Lie (USA)

    The Living Dead at Manchester Morgue (USA)

    Breakfast at the Manchester Morgue

    Invasion der Zombies

  • Deutsche Erstaufführung: 04. April 1975
  • Regisseur: Jorge Grau
  • Kamera: Francisco Sempere
  • Musik: Giuliano Sorgini
  • Drehbuch: Juan Cobos, Sandro Continenza, Marcello Coscia, Miguel Rubio
  • Inhalt:

    Zwei Menschen sind unabhängig voneinander unterwegs ins scheinbar idyllische Windermere auf dem englischen Land. Der Kunsthändler George (Ray Lovelock), der sich dort ein kleines Haus gekauft hat, und Edna (Cristina Galbó), die nach ihrer drogenabhängigen Schwester sehen will. Als Edna an einer Tankstelle mit ihrem Wagen Georges Motorrad beschädigt, bilden die beiden eine Fahrgemeinschaft. Auf der Suche nach dem Landhaus, in dem Ednas Schwester Katie (Jeannine Mestre) mit ihrem Ehemann lebt, geschehen zwei Dinge. George macht Bekanntschaft mit einem Agrarprojekt das Insekten vernichten soll, in dem man sie so aggressiv macht, dass sie übereinander herfallen. Edna dagegen macht Bekanntschaft mit einem Lebenden Toten. Und das ist erst der Anfang ihres blutigen Wochenendes.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Eine eklige Mischung aus Horrorelementen, Kannibalismus, Kritik an Fortschrittsgläubigkeit und Polizei; inhaltlich wie formal ohne jede Qualität.“
    (Lexikon des Internationalen Films)

     

    Wie immer hat das „Lexikon des Internationalen Films“ scheinbar als Erstes die Qualitäten dieses außergewöhnlichen Films entdeckt, sie nur wie gewöhnlich irgendwie falsch interpretiert. Trotz Auszeichnungen in Sitges fristete Jorge Graus „Non si deve profanare il sonno dei morti“ zunächst ein Nischendasein, dabei hat Jorge Grau von der franco-faschistischen Ära bis in die Gegenwart der Neunziger hinein einiges geleistet, um gesellschaftskritische Inhalte in Genre-Filmen zu verstecken. Zwar gingen Kritiker zur Entstehungszeit von „Das Leichenhaus der lebenden Toten“ weitgehend davon aus, dass jene Gesellschaftskritik nur dazu bestimmt sei, einen Film voller Gewalttätigkeiten zu rechtfertigen, aber tatsächlich ist es – wenigstens von Jorge Graus Seite aus – umgekehrt. Auf die Absichten der Drehbuchautoren hingegen dürfte wohl eher Ersteres zutreffen.

     

    Solide - und in der klaren Absicht einen Ableger von Romeros „Die Nacht der Lebenden Toten“ in Farbe zu schaffen – vom italienischen Produzenten Edmondo Amati produziert, ist mir leider weder bekannt wie man auf Jorge Grau als Regisseur kam noch warum man die Handlung in England ansiedelte. Letzteres ist aber in Amati-Produktionen nicht selten der Fall, und Jorge Grau hatte schon Filme in italienisch-spanischer Co-Produktion realisiert, wenn auch nicht für Amati. Als Beispiel seien hier, die 1973 – also kurz vor „Das Leichenhaus der Lebenden Toten“ – entstandenen „Comtesse des Grauens“ (Ceremonia sangrienta) und „Violent Blood Bath“ (Pena de muerte) genannt. Jorge Grau gelingen in „Das Leichenhaus der Lebenden Toten“ ein paar bemerkenswerte Dinge. Sowohl in Innen- als auch in Außenszenen ist die Kameraarbeit sorgfältig und die Settings und Locations großartig ausgewählt. Im Gegensatz zu Romero kann Grau mit einer halbwegs glaubhaften Backup-Story aufwarten, was die Auferstehung von Toten aus den Gräbern betrifft. Und er bringt ein paar – nicht sehr zahlreiche aber blutige – Fressszenen auf die Leinwand. Oh, und bevor ich es vergesse, es gelang ihm ebenfalls aus dem bubigen Schmachtkerl Ray Lovelock einen mürrischen wirkenden aber engagierten Hauptprotagonisten zu machen.

     

    Lovelocks George gegenüber steht der hippiehassende Inspektor (gespielt von Arthur Kennedy), der – man glaubt es kaum – ein ernsthaftes Problem damit hat. an Tote zu glauben, die sich aus den Gräbern erheben. Städtern traut er sowieso nicht, und wenn sie dann noch lange Haare haben, sind sie schon so gut wie schuldig. Städter, Hippies, Drogenabhängige, Satanisten, in dem aus Manchester stammenden George hat er ein einziges Hassobjekt entdeckt, in dem sich alle seine Vorurteile manifestieren können. Dass George die Lebenden Toten mit Feuer vernichten muss, hilft ihm natürlich nicht gerade dabei, den Inspektor zu überzeugen. Und selbst wenn es ihm gelungen wäre, hätte der Inspektor ihn wohl immer noch für den eigentlichen Urheber des Horrors gehalten. Arthur Kennedy spielt diese innerlich von Frust zerfressen wirkende Figur sehr überzeugend. Im selben Jahr spielte er außerdem in der Amati-Produktion „Schwarze Messe der Dämonen“ (L’Anticristo) von Alberto de Martino.

     

    Bei den männlichen Darstellern sei noch Fernando Hilbeck als Zombie „Guthrie“ erwähnt, ein spanischer Schauspieler mit einer sehr langen Filmographie, der mit Regisseuren wie Paul Naschy, Amando de Ossorio, Eloy de la Iglesia oder Eugenio Martin gearbeitet hat. Weibliche Hauptdarstellerin ist Cristina Galbó, Genrefans wohl am Besten im Gedächtnis durch ihre Rollen in Narzisco Ibanez Serradors „Das Versteck“ (La residencia, 1969) oder Massimo Dallamanos „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ (Cosa avete fatto a Solange?, 1972). Überhaupt fällt auf, dass „Das Leichenhaus der Lebenden Toten“ eine sorgfältige Figurenzeichnung aufweist, und das bis in die kleinsten Rollen.

     

    Ich könnte noch so viel mehr schreiben, gerade auch was den Inhalt betrifft, aber erzählt mir nicht, Ihr hättet diesen großartigen Zombiefilm-Vertreter noch nie gesehen. Also – selber gucken, und sei es – wie bei mir – schon zum x-ten Mal. Lohnt sich immer wieder.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Gesichtet wurde (dieses Mal) der „Bonusfilm“ im „Zeder – Die Toten kehren wieder“ Mediabook von Edition Tonfilm/X-Rated. Die HD-Fassung von „Leichenhaus der lebenden Toten“ bietet hier gegenüber früheren Veröffentlichungen einen deutlich verbesserten Ton.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.