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Zum Abschied noch ein Totenhemd

Italien, 1968

  • Originaltitel: Vendo cara la pelle
  • Alternativtitel:

    Forca para os Assassinos (BRA)

    Voltei para Matar (BRA)

    Vendo cara la piel (ESP)

    Je vends cher ma peau (FRA)

    I'll Sell My Skin Dearly (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 25. September 1970
  • Regisseur: Ettore Maria Fizzarotti
  • Kamera: Stelvio Massi
  • Musik: Enrico Ciacci, Marcello Marrocchi
  • Drehbuch: Giovanni Simonelli
  • Inhalt:

    Shane (Mike Marshall) will die Ermordung seiner Familie rächen, bei der er als einziger Überlebender zurückgeblieben ist. Da Ralph Magdalena (Dane Savours) und seine Komplizen vor Jahren für die Gräueltat verantwortlich waren, weil Shanes Vater ihnen das Land nicht verkaufen wollte, auf dem sich eine ergiebige Mine befindet, sind sie zu den Zielscheiben seiner Rache geworden. Bei einer Schießerei wird Shane verwundet und während er von der Witwe Georgina Bennett (Michèle Girardon) gesund gepflegt wird, erfahren die Gangster von seiner wahren Identität. Durch die Geiselnahme Georginas und deren Sohn Kristian (Valerio Bartoleschi) versuchen Ralph und seine Männer den Rächer in eine Falle zu locken, um ihn endgültig kaltzustellen...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    In der B-Riege der einschlägig bekannten Rachewestern sind allerlei Vertreter zu finden, die zwischen Unterhaltungswert, Ambition, Durchschnitt und Misere alles zutage bringen konnten. "Zum Abschied noch ein Totenhemd" zählt zur Spezies der eigentlich durchschnittlichen Fraktion, der jedoch den Vorteil mit sich bringt, dass zahlreiche stilistische Raffinessen bereit gehalten werden. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die experimentierfreudige Kamera-Arbeit von Stelvio Massi zu nennen, die dem Verlauf einiges an Charisma mitgeben und ein besonderes Panorama anbieten kann. Dabei liegt der Fokus auf etlichen Details, aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen kommen nicht zu kurz. Inhaltlich gesehen bekommt der interessierte Zuschauer also das geboten, was demütig erwartet werden darf. Ein Mann stellt sich gegen die offenkundig zur Schau getragene Ungerechtigkeit und seine Motivation ist nichts anderes als Hass und Blutrache, da er als persönliche Betroffener alleine zurückgeblieben ist.

     

    Dies bildet schließlich den ergiebigen Treibstoff in Fizzarottis Film und es bleibt abzuwarten, was der eher unerfahrene Regisseur daraus machen konnte. Mehrmals empfiehlt sich der Film über ansehnliche Intervalle, in denen es ungeschönt zu brutalen Veranschaulichungen kommt, was die mehrmals auftauchenden und eher langatmigen Strecken entschärfen kann. Doch reichen diese besonderen  Schockmomente aus, um das Ganze auch sicher über die Ziellinie zu bringen? Man tut insgesamt gut daran, das Gesamtergebnis nicht an profilierten Konkurrenten zu messen, denn sonst schneidet "Zum Abschied noch ein Totenhemd" möglicherweise weniger gut ab, als er tatsächlich ist. Sicherlich ist es schwierig, einen derartigen Western in der Masse komplett isoliert zu betrachten, doch es lassen sich mühelos einige Vorzüge herausfiltern, die hier prominenter als anderswo in Erscheinung treten dürfen. So beispielsweise die Konstellationen und Charaktere im Allgemeinen und Gesonderten, die in Verbindung mit einer recht unorthodoxen Besetzung leicht zu glänzen beginnen.

     

    So ist vor allem die Vergabe der Hauptrolle an Mike Marshall zu erwähnen, dem Sohn des Schauspieler-Ehepaars Michèle Morgan und William Marshall. Seine Ausstrahlung trägt zu einer gelungenen Variation bei und es ist nicht zuletzt seine merkliche Präsenz, die den Rächer glaubhaft erscheinen lässt. Mit stechenden blauen Augen mustert und fixiert er seine Beute wo er nur kann und beweist seine außergewöhnlichen Fertigkeiten mit Colt und Kopf. Zwar kommt bei seiner resoluten Art und der beinahe unverwundbar wirkenden Aura der Gedanke auf, dass die gezeigte Brutalität eine ungünstige Allianz mit der Vorhersehbarkeit eingeht, aber unterm Strich nimmt man einen sympathischen Helden wahr, den man gerne noch häufiger im Western gesehen hätte. Dies gilt auch für seine französische Partnerin Michèle Girardon, die hier vor allem ihre auffällige Wandlungsfähigkeit in den Vordergrund zu stellen weiß. Als Georgina Bennett lässt sie sich zwar in eine gängige Schublade des Genres hineinstecken, überzeugt aber im Endeffekt durch ihre unverbrauchte Schauspiellaune; vom üppig vorhandenen Charisma ganz zu schweigen.

     

    Für rabiate Momente können Shanes rücksichtslose Gegenspieler sorgen, die nicht gerade zimperlich vorgehen und selbst vor Frauen und Kindern keinen Halt machen. Untermalt mit einer angemessenen Musik von Enrico Ciacci und Marcello Marrocchi entsteht eine zielführende Wirkung, sodass alles auf ein gut konstruiertes Finale hinsteuern kann, das vielleicht abzusehen ist, aber durchaus gewisse Finessen bereithält. Alles in allem ist Ettore Maria Fizzarottis Beitrag, der in der Bundesrepublik erst Ende September 1970 in die Kinos kam, bestimmt kein Überflieger geworden, weiß sich aber prinzipiell selbst aufzuwerten, da ein Mittelweg zwischen sicherem Fahrwasser und kleineren Alternativangeboten eingeschlagen wird. Die wohl größten, beziehungsweise angenehmsten Überraschungen bleiben unterm Strich jedoch die Darsteller, allen voran Mike Marshall und Michèle Girardon. Vielleicht wirkt die Selbstinszenierung der Hauptrolle hin und wieder etwas zu kopflastig, entfaltet dabei aber keine erdrückende Wirkung bezüglich des Gesamtbildes. Kurzweilige Unterhaltung.

  • Autor: Prisma
  • Links

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    IMDb

     

     

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