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Amazonia - Kopfjagd im Regenwald

Italien, 1985

  • Originaltitel: Schiave bianche - Violenza in Amazzonia
  • Alternativtitel:

    Holocausto caníbal 2 (ESP)

    L'esclave blonde (FRA)

    White Slave (USA)

    Amazonia: The Catherine Miles Story

    Cannibal Massaker - Kopfjagd im Regenwald

    Cannibal Holocaust 2: The Catherine Miles Story

  • Deutsche Erstaufführung: 18. September 1986
  • Regisseur: Mario Gariazzo
  • Kamera: Silvano Ippoliti
  • Musik: Franco Campanino
  • Drehbuch: Francesco Prosperi
  • Inhalt:

    Die junge Catherine Miles (Elvire Audrey), die in London studiert, besucht ihre Eltern am Amazonas. Gemeinsam mit Tante und Onkel begibt man sich auf eine Schiffstour, welche plötzlich überfallen wird. Catherines Eltern werden getötet und enthauptet, sie selbst überlebt und wird von den Indios in den Dschungel verschleppt. Man nimmt sie in den Stamm auf, was für sie als Frau zahlreiche Demütigungen bedeutet. Doch der junge Krieger Umukai (Will Gonzalez alias Álvaro González) wacht über sie und ist offensichtlich in sie verliebt. Catherine dagegen weist ihn immer wieder zurück, denn sie denkt, er wäre der Mörder ihrer Eltern. Dabei ist alles ganz anders gewesen, wie sie später herausfinden muss.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Dem Genre des italienischen Kannibalenfilms, welches 1972 mit einem Umberto Lenzi Film begann und 1981 mit einem Umberto Lenzi-Film vorläufig endete, wiederfuhr Mitte der Achtziger noch mal eine kurze Renaissance. Grund dafür waren zwei Wieder- bzw. Neuaufführungen in den USA. Als Erstes kam Ruggero Deodatos „Nackt und Zerfleischt“ 1983, also erst mehrere Jahre nach seiner Herstellung, in die amerikanischen Kinos – mit mäßigem Erfolg. Erst 1985 war Umberto Lenzis „Die Rache der Kannibalen“ (Cannibal Ferox, 1981) unter dem Titel „Make them die slowly“ größerer Erfolg in den US-Kinos vergönnt. Dies führte zu der vorrübergehenden Hoffnung, neue Filme dieses Genres mit Erfolg an die USA verkaufen zu können. Und so entstanden in Folge „Amazonas - Gefangen in der Hölle des Dschungels“ (Nudo e selvaggio/Massacre in Dinosaur Valley, 1985) von Michele Massimo Tarantini, „Cut and Run“ (Inferno in diretta, 1985), „Amazonia – Kopfjagd im Regenwald“ (Schiave bianche - Violenza in Amazzonia, 1985) von Mario Gariazzo und schließlich „Green Inferno“ (Natura contro, 1988) von Antonio Climati.

     

    Vorbei waren jedoch die Zeiten von extensivem Tiersnuff und entmenschlicht kannibalistischen Wilden. Alle diese letzten vier Beiträge dieses Genres haben einen ganz eigenen Stil und eine andere Erzählweise als die früheren antropophagistischen Machwerke. Heute geht es hier um „Amazonia – Kopfjagd im Regenwald“, den Mario Gariazzo unter dem Pseudonym Roy Garrett in Venezuela drehte. Wer Gariazzos Filme zumindest zum Teil kennt, wird wissen, dass seine Werke nicht unbedingt zur crème de la crème des italienischen Genrefilms gehören, aber für „Amazonia – Kopfjagd im Regenwald“ möchte ich hier mal in die Bresche springen. Das Drehbuch von Francesco Prosperi (Mondo-Prosperi, nicht der andere) erzählt nach einer angeblich wahren Geschichte die Story von Catherine Miles, die wegen eines Doppelmordes vor Gericht steht. Natürlich ist nichts davon in unserer Realität tatsächlich passiert, aber so ist der Mondo-Prosperi halt. Größte Schwäche des Films sind eben jene Szenen der Gerichtsverhandlung und der „echten“ Catherine Miles, diese Momente wirken schludrig. Nicht jedoch der Rest, welcher den Großteil des Films ausmacht.

     

    In Rückblenden erfahren wir, wie Catherines Eltern ums Leben kamen, wie sie unter Indios leben musste, dort wieder erwarten die große Liebe findet, die aber zum Scheitern verurteilt ist - und wie sie aus Rache zur Doppelmörderin wurde. Silvano Ippoliti und seinem Kamera-Operator Federico del Zoppo gelingen wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Die Geschichte ist ebenso gefühlvoll wie grausam erzählt, und Hut ab vor Elvire Audrey, die den Großteil ihrer Rolle halbnackt im venezolanischen Dschungel bestreitet. Der Film kann mit glaubhaften Charakterisierungen aufwarten und die venezolanischen No Names, die man in den Rollen der Indios sieht, geben ihr Bestes. Der männliche Hauptdarsteller Will Gonzales oder Álvaro González hatte hier angeblich seine einzige Filmrolle, aber ich denke das stimmt nicht, auch wenn ich den Beweis hier schuldig bleiben muss. Vor gar nicht langer Zeit habe ich ihn unter anderem Namen in einem anderen Film gesehen, und dazu auch eine etwas längere Filmographie entdeckt. Aber wie das so ist…vergessen. Ich erinnere mich nicht. So ist das wohl ab 50, Pech.

     

    In der Rolle von Catherines Vater sieht man immerhin Rik Battaglia, auch wenn der Titelvorspann ihm keinen Credit gönnt. Elvire Audrey, die nicht nur schön anzusehen ist sondern auch eine überzeugende Performance liefert, kennt man als Genrefan mindestens aus Sergio Martinos „The Scorpion with Two Tails“ (Assassinio al cimitero etrusco, 1982) und Umberto Lenzis „Er - Stärker als Feuer und Eisen“ (La guerra del ferro: Ironmaster, 1983). Später wurde es still um sie, und bereits in den neunziger Jahren bekam sie in einer Handvoll italienischer und französischer TV-Filmen weitgehend Statistenrollen. Im Alter von nur 40 Jahren, zwei Monate nach ihrem Geburtstag, verübte sie leider Selbstmord.

     

    Für die durchaus blutigen Effekte in „Amazonia – Kopfjagd im Regenwald“ zeichneten sich Rosario Prestopino und Franco Di Girolamo verantwortlich. Kannibalismus gibt es nicht. Weitgehend frei von Tiersnuff gibt es jedoch zwei Szenen mit einem Leoparden, der einmal ein Rehkitz und einmal einen Affen reißt. Ausgehend von der Bildqualität dieser zwei Szenen - im Vergleich mit offensichtlichen Archivaufnahmen von Vögeln und Wasserschweinen im Film - sieht es nicht danach aus, als seinen dies Archivszenen. Zum Schluss möchte ich unbedingt noch das wunderschöne Titelthema von Franco Campanino erwähnen, welches sich sehr gut zu Landschaftsaufnahmen oder Momenten der Liebe macht. Irgendwie erinnert das Thema an Angelo Francesco Lavagninos Titelstück zu „Das Reismädchen.“ Letzteres hat allerdings niemandem die Köpfe abgehackt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Von „Amazonia – Kopfjagd im Regenwald“ gibt es unter dem Titel „Amazonia: The Catherine Miles Story“ eine preiswerte und obendrein qualitativ sehr überzeugende Blu-ray von 88 Films.

     

    Die Special Features und Ausstattung sind wie folgt:

     

    - Neuer 2k-Transfer vom Original-Kameranegativ in 1080p
    - Englischer und Italienischer Ton (mono, losless)
    - Neu übersetzte englische Untertitel zur italienischen Tonspur
    - „The last supper: The final days oft he Italian cannibal film“ – Doku (50 Min.)
    - An Italian in Amazonia: Interview mit Camera-Operator Federico Del Zoppo
    - Original Kino-Trailer
    - Booklet zu Elvire Audray (nur in der Erstauflage)
    - Wendecover mit zwei Motiven

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

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