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The Bloodsucker Leads the Dance

Italien, 1975

Originaltitel

La sanguisuga conduce la danza

Alternativtitel

L'insatiable Samantha (FRA)

La marque de Satan (FRA)

La sangsue (FRA)

Danza macabra (ESP)

The Passion of Evelyn (USA)

The Mark of Satan

Regisseur

Alfredo Rizzo

Kamera

Aldo Greci

Drehbuch

Alfredo Rizzo

Inhalt

Lord Marnac lädt eine Gruppe Schauspieler auf sein, auf einer Insel gelegenes, Schloss ein. Die eine Schauspielerin, Evelyn, sieht seiner verschwundenen Frau ausgesprochen ähnlich, und da er von der Sohle bis zum Scheitel ein Gentleman ist, dürfen alle ihre Freundinnen sowie das Faktotum der Truppe ebenfalls mit. Zuerst vergnügt man sich, sehr zum Missfallen des reaktionären Personals, ein wenig, Mädels mit Jungens, Mädels mit Mädels, doch eines Morgens wird plötzlich der Kopf der nymphomanen Cora gefunden. Und dies war beileibe nicht der letzte Mord. Hat der Fluch der Marnacs wieder zugeschlagen, der immer die Frauen der männlichen Nachkommen als Opfer fordert? Ist der unheimliche Hausdiener Gregory vielleicht genau das Monster, für den ihn alle halten? Oder lebt am Ende der Butler Jeffrey seine puritanischen Rachegefühle aus? Fakt ist: Ein Mörder geht um, Frauen verlieren ihre Köpfe, und die Insel ist durch einen Sturm von der Außenwelt abgeschnitten …

Autor

Maulwurf

Review

Fakt ist auch, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, wie ich diesen Film einordnen soll. Ein Softcore-Streifen ohne Erotik? Ein Krimi ohne Spannung? Ein Grusler ohne Grusel? Was zur Frage führt: Was hat dieser Film denn überhaupt?

 

BLOODSUCKER schafft es, nicht nur an jeglicher Erwartungshaltung fröhlich vorbeizuschrammen, sondern er weigert sich auch noch, diese dadurch entstandene Leere mit irgendwas zu füllen. Theoretisch könnte man, so wie Roberto Curti, den Film als Giallo ansehen. Allerdings finden alle Morde im Off statt, und die Eleganz eines italienischen Krimis selbst der Mitt-70er geht ihm vollkommen ab. Spannend ist in dem Zusammenhang, dass der Kommissar erstens auftaucht wie das Teufelchen aus der Kiste, zweitens Fragen stellt die nahe legen, dass er sich schon mindestens wochenlang mit dem mysteriösen Fall beschäftigt hat, und drittens so genau weiß wie er den Mörder entlarven kann, als ob er das Drehbuch gelesen hätte. Diese ganze Agatha Christie-artige Schlussentlarvung wirkt allerdings ziemlich deplatziert. Zu dem Rest Film irgendwie nicht ganz zugehörig …? Der weitaus größere Teil von BLOODSUCKER ist halt in erster Linie Ringelpiez mit Anfassen auf und um eine Burg herum, jede Menge Gespräche, und die paar herumliegenden Leichen sorgen zwar für stiere Blicke, fallen aber nicht wirklich ins Gewicht. Doch urplötzlich steht der Kommissar da, stellt Fragen und sucht einen Mörder? Der Fairness halber muss ich zugegeben, dass trotz des überschaubaren Casts eine gewisse Grundüberraschung bei der Mörderwahl durchaus gegeben ist, auch wenn das ganze in Bezug auf die Glaubwürdigkeit ein wenig an Cluedo erinnert: Wer ist der Mörder des Tages?

 

Man könnte das Teil auch als Gruselfilm ansehen. In dem Fall allerdings fehlen die meisten klassischen Gruselzutaten, und die Kombination aus Gewitter, Schloss und toter Frau reicht noch nicht so ganz. Fußspuren? Christlich-eifernder Butler? Nee, langt immer noch nicht. Ein armer Teufel, der durch den Regen schlurchen muss, und der als Unhold zu dienen hat alleine deswegen, weil ihn alle so bezeichnen? Könnte helfen, aber da hätte es durchaus etwas mehr Anstrengung in Bezug auf Stimmung und Narration gebraucht. Nein, Grusler ist das beim besten Willen keiner!

 

Aber vielleicht geht BLOODSUCKER als Erotikstreifen durch? Patrizia Webley, Femi Benussi, Krista Nell – Da kommt doch einiges an Kompetenz in Bezug auf die Darstellung nackter Tatsachen zusammen. Patrizia Webley, die mit diesem Film ihre Karriere so ziemlich begann, ist noch nicht so zeigefreudig wie später in Krachern wie MALABIMBA – KOMM UND MACH’S MIT MIR oder PLAY MOTEL. Jenseits der kurzen Oben ohne-Szenen gibt es nur noch die HC-Inserts der französischen Version, und das war’s. MALABIMBA geht da zum Beispiel erheblich deftiger zur Sache. Femi Benussi ist fast den gesamten Film über hochgeschlossen gekleidet, bis auf eine kurze Vergewaltigungsszene mit Luciano Pigozzi (Schauspielerinnen haben es wahrlich nicht immer leicht), und Krista Nell, die mit diesem Film ihre Karriere beendete und kurz nach den Dreharbeiten an Leukämie starb, steuert die Erotik in erster Linie über den Ausschnitt ihres Kleides und ihre tolle Ausstrahlung. Beides zugegeben verdammt sexy!

 

Trotzdem, dreimal der Versuch den Film einzuordnen, dreimal daneben gegriffen. Vielleicht könnte man sich auf Erotik-Krimi einigen? Nun ja, jenseits von BASIC INSTINCT gibt es eine ungeheure Menge Filme, die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen. BLOODSUCKER gehört definitiv nicht dazu. Was ja nicht weiter tragisch wäre, wenn BLOODSUCKER denn wenigstens aufregend wäre. Oder, wie der Titel suggeriert, etwas mit Vampiren zu tun hätte. “Der Blutsauger führt den Tanz an“, was hätte ein Sergio Bergonzelli aus diesem Titel alles herausholen können … Aber auch hier Fehlanzeige: Die Handlung ist eine klassische Krimihandlung ohne besondere Fisimatenten, und die Inszenierung ist ausgesprochen langweilig. Alfredo Rizzo mag ich als Schauspieler sehr gerne - Er gab irgendwie immer so den Knuffel vom Dienst, wie zum Beispiel den Manager der Bauchtanztruppe in DAS UNGEHEUER AUF SCHLOSS BANTRY, und wirkte in diesen Rollen sehr sympathisch. Aber als Regisseur scheint er nicht die Wucht gewesen zu sein. Vier Filme listet die OFDB von ihm, CARNALITÀ von 1974 habe ich mir mal organisiert, und werde zu gegebener Zeit Bericht erstatten.

 

A propos UNGEHEUER AUF SCHLOSS BANTRY: Welch hübscher Vergleich, geht es doch in beiden Filmen darum, dass eine Gruppe von (leichtlebigen) Künstlerinnen auf einem Schloss einkehrt und dort ihrer Nemesis begegnet. Renato Polsellis DIE GELIEBTE DES VAMPIRS geht auch so in diese Richtung. Aber während die beiden alten Schwarzweiß-Schinken mit Stimmung und Atmosphäre punkten, mit richtigen Charakteren und einer spannenden und abwechslungsreichen Handlung, ist bei BLOODSUCKER, man ahnt es wahrscheinlich bereits, nichts. Gedreht wurde unter anderem auf Schloss Balsorano, aber aus dieser tollen Location wurde sehr wenig herausgeholt. Die Szenen sind oft viel zu hell ausgeleuchtet, die Settings nicht aufeinander abgestimmt, die im Hintergrund trällernde Musik weist alles, was jemals in den 80ern in Pornos lief, auf die Ränge, und erzeugt insgesamt eine nüchtern-lustlose Stimmung, ähnlich wie in Bruno Gaburros DAS GASTHAUS ZUR WOLLUST. Wenn ich da an den bereits genannten MALABIMBA denke, oder an SEXORGIEN IM SATANSSCHLOSS, da geht mir doch das Herz  in der Hose auf. Hier hingegen … Nun ja, die Worte spröde oder blutarm dürften es recht gut reffen.

Autor

Maulwurf

Veröffentlichungen

Ein Wort noch zu den vorhandenen Fassungen: Bei der Erstveröffentlichung 1975 in Italien wurden die freizügigen Szenen beanstandet, insbesondere die Lesbelei zwischen Caterina Chiani und Lidia Olizzi, sowie die Liebesszene zwischen Evelyn und Lord Marnac. Ob die Szenen daraufhin entfernt wurden entzieht sich meiner Kenntnis, in der französischen Erstaufführung 1977 waren sie aber auf jeden Fall dabei. Zusätzlich wurden dort noch HC-Inserts dazugepackt, die so aussehen, wie HC-Inserts der damaligen Zeit halt so aussahen: Haarig, großformatig, weitenteils unerotisch. Ein wenig mehr Mühe als bei so manch anderem Flick war wohl sichtlich dabei, aber nicht wirklich viel. Die Laufzeit dieser Inserts beträgt so ungefähr 8 bis 9 Minuten, was dann zu einer in Fan-Kreisen kursierenden “Integralfassung“ von 94 Minuten führt. Die offiziell erhältliche DVD hat 89 Minuten inklusive einer Einführung, dürfte also die Version ohne HC-Anteil sein.

Autor

Maulwurf

Links

OFDb
IMDb

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