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Bullets and the Flesh

Frankreich | Italien | Spanien, 1964

Originaltitel:

Il piombo e la carne

Alternativtitel:

Les sentiers de la haine (FRA)

El sendero del odio (ESP)

Bullet in the Flesh

Regisseur:

Marino Girolami

Inhalt

Der Rancher Nathaniel Masters (Rod Cameron) hat einen Deal mit dem Geschäftsmann Lasky (Alfredo Mayo) gemacht, der für die Eisenbahn arbeitet. Masters hat ihm alles Holz aus seinem landeigenen Wald für den Eisenbahnschienenbau versprochen, doch sein Wald ist viel zu trocken und das Holz somit wertlos. Zudem will er dem schon angegrauten Lasky die Hand seiner Tochter Mabel (Patricia Viterbo) geben. Mabel ist jedoch in den Cherokee Chata (Bruno Piergentili) verliebt, den sie und ihre Brüder schon seit der Kindheit kennen. Doch die Zeiten haben sich geändert, denn während Mabels Brüder als Kinder noch mit Chata spielten, hat sie inzwischen der Hass des Vaters auf alle Indianer vergiftet. Mabel und Chata treffen sich stets heimlich, während sie verzweifelt versucht, die geplante Hochzeit mit Lasky immer wieder zu verschieben. Als Masters klar wird, dass er den Vertrag mit der Eisenbahn nicht erfüllen kann und ihm deshalb Gefängnis droht, wirft er ein Auge auf die Holzbestände im heiligen Wald der Cherokee. Er und seine Söhne brennen seinen eigenen Wald ab und geben Chata die Schuld, der als Brandstifter zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wird. Doch dann kommt Chata zurück…

Review

Wie man schon der Inhaltsangabe entnehmen kann, handelt es sich bei „Il piombo e la carne“ um einen Euro-Western, der keine typischen Spaghetti-Western-Elemente aufweist. Sorry, aber ich liebe dieses abweichende Zeug.

 

Marino Girolami inszenierte diesen Film nach einem Drehbuch von Gino de Santis, und es geht um Liebe und Rassismus. Eine unmögliche Liebe, mag sich der Zuschauer sagen, denn eine Heirat zwischen einem Indianer und einer Weißen scheint sehr weit von der Realität entfernt, zumal der Indianerhass von Mabels Vater daher rührt, dass er nach seiner Rückkehr aus dem Bürgerkrieg herausfinden musste, dass seine Frau zwischenzeitlich eine Affäre mit einem Indianer hatte. Nachdem sie dann wieder mit Masters zusammen leben musste, beging sie schließlich Selbstmord. Keine guten Vorzeichen.

 

Masters hat seinen Groll (so schlimm ist er gar nicht, ist immerhin Rod Cameron) an seine Söhne Sam (Ennio Girolami) und Nelson (Manuel Zarzo) weitervererbt, denen es im Laufe der Story auch gelingt, diesen Groll an die meisten Bewohner des nahegelegenen Städtchens Rockstone weiter zu geben. Es gibt auch indianerfreundliche Charaktere, etwa den Sheriff (Julio Peña) und den Prediger Jonathan (Piero Lulli), der den Cherokee Lebensmittelspenden zukommen lässt. Masters lässt den Sheriff im weiteren Verlauf allerdings zugunsten eines Raufbolds und Revolverhelden abwählen.

 

„Il piombo e la carne“ kann also in erster Linie mit einer gut erzählten – wenn auch nicht immer glaubwürdigen – Geschichte punkten, aber auch die Action kommt keineswegs zu kurz. Konfliktpotenzial bietet der Charakter der Mabel, die zwischen ihrer Liebe zu Chata und ihrer (noch) verbliebenen Zuneigung für ihren Vater schwankt. Ennio Girolami bleibt in seiner Rolle als Mabels Bruder im Gedächtnis, seine Figur ist aggressiv, primitiv und dumm. Ein Rassist, wie er im Buche steht, er denkt nicht, er handelt.

 

Im Finale prallen alle aufeinander, und hier scheint es unterschiedliche Auflösungen zu geben. Achtung Spoiler. Ich habe einen spanischen TV-Rip gesehen, der – abgesehen von Fehlstellen – über eine englische Tonspur verfügt. Diese endet, als Chata sich im Eifer des Gefechts nach einem Geräusch umdreht und schießt – auf seine geliebte Mabel. Ende der englischen Tonspur. Doch dann geht es in Spanisch weiter, Mabel ist nur verletzt, Chata trägt sie davon, ihr Vater will ihn erschießen, wird jedoch vom früheren Sheriff (Peña) aufgehalten. Happy End, so unwahrscheinlich dieses in Sachen Realitätsbezug auch sein mag.

 

Die Credits sind eine Katastrophe aus Pseudonymen bis hin zu Falschangaben. Verwirrend sind zudem spanische Poster, die als Hauptdarsteller Rod Cameron und Marie Versini benennen, die allerdings erst zwei Jahre später in „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ (1966) aufeinander trafen.

Links

OFDb
IMDb

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