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Gott schützt die Liebenden

Deutschland | Italien | Spanien, 1973

Alternativtitel:

Ordine interpol: senza un attimo di tregua (ITA)

Orden de Interpol: sin un momento de tregua (ESP)

Deutsche Erstaufführung:

04. Oktober 1973

Regisseur:

Alfred Vohrer

Drehbuch:

Manfred Purzer

Inhalt

Paul (Harald Leipnitz) und seine schöne Freundin Sybille sind glücklich, vor allem weil sie gerade beschlossen haben zu heiraten. Da Paul als Ingenieur beruflich viel unterwegs ist, sehen sich beide eine gewisse Zeit nicht. Als er wieder zurück kommt, ist Sybille zu seinem Entsetzen spurlos verschwunden. Da er von einem Unglück ausgeht, alarmiert er die Polizei, allerdings kann ihm Kommissar Putulski (Walter Kohut) nicht weiterhelfen und tut den Fall zunächst ab. Da sich Paul nicht weiterhin abspeisen lassen will, macht er sich eigenhändig auf die Suche nach seiner Verlobten, und je mehr er über sie erfährt, desto deutlicher stellt sich heraus, dass es sich beinahe um eine völlig Unbekannte für ihn handelt. Als ihn die geheimnisvolle Laura (Andrea Jonasson) auf eine neue Spur führt, kann Paul kaum fassen, in welchen Strudel aus Verbrechen und Mord er geraten ist...

Autor

Prisma

Review

Nach der überaus erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Berliner Rialto Film, für die Alfred Vohrer fast 20 Filme inszenierte, wechselte der Regisseur Ende der 60er Jahre zu Luggi Waldleitners Roxy Film, und es entwickelte sich eine weitere erfolgreiche Phase deutscher Kinogeschichte. Die Verfilmungen nach den gleichnamigen Romanen von Johannes Mario Simmel verzeichneten einen beachtlichen Publikumszulauf. Bei "Gott schützt die Liebenden" handelt es sich bereits um die fünfte von sechs Simmel-Adaptionen Vohrers, und dieser 1973 in Berlin, München, Barcelona und Wien gedrehte Beitrag überzeugt im Rahmen seiner ganz typischen Handschrift und wurde mit dem Prädikat "wertvoll" und zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Vorlagen des Wiener Schriftstellers Simmel lieferten ab 1971 die Grundlagen für sehr abwechslungsreiche Unterhaltung mit spektakulären Besetzungen, was ebenso hier der Fall ist. Thematisch gesehen bekommt das Publikum eine wie üblich anfangs bruchstückhafte Erzählung geboten, die sich zunächst nur wie durch einen undurchdringlichen Schleier betrachten lässt, um von hinten nach vorne aufgerollt zu werden. In den meisten Intervallen als Rückblende angelegt, darf man sich auf eine Enthüllungsgeschichte freuen, die sogar Anteile einer blutigen Vendetta zu bieten haben wird, da sich die italienische Mafia die Ehre gibt. Unscheinbar in den Anfängen, bäumt ich nach kürzester Zeit ein Verwirrspiel auf, in welchem manche Akteure alles daran setzen, ihre wahre Identität unter Verschluss zu halten. Die Simmel-Verfilmungen von Alfred Vohrer, oder auch diejenigen alternativer Regisseure, haben das Potenzial, eine starke Anziehungskraft zu entwickeln, auch wenn sie zum Teil sehr kompliziert angelegt sind, um letztlich für Paukenschläge sorgen zu können.

 

Der erprobte Leser oder Zuschauer von Simmel-Stoffen weiß nur allzu genau, dass Glück und Zufriedenheit in der aufwühlenden und fiktiven Welt des Autors nur Momentaufnahmen bleiben werden, und so ist auch das aktuelle Glück der beiden Protagonisten Paul Holland und Sybille Loredo dazu gemacht, um nach und nach in Stücke zu zerfallen. Diese anmerkende Tatsache verrät sicherlich nicht zu viel über den bevorstehenden Verlauf, denn die schöne Blondine ist bereits nach kürzester Zeit verschwunden und man ahnt, dass sie die Flucht bei einer Nacht-und Nebel-Aktion ergriffen haben dürfte. Wenn Charaktere in panischer Angst vor der eigenen Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft fliehen, gestaltet sich das Aufrollen dieser Geschichten und der entsprechenden Schicksale als überaus faszinierend und spannend; Eindrücke, für die Alfred Vohrer sich über die Jahre gesehen als Garant platzieren konnte. "Gott schützt die Liebenden" verlässt sich global auf seine starken Charaktere, die ihre auf sie zugeschnittenen Intervalle regelrecht beherrschen können. Harald Leipnitz als Leidtragender eines doppelten Spiels schöpft seine Überzeugungskraft sowohl aus seiner Routine, als auch der Möglichkeit, sich flexibel auf alle erdenklichen Anforderungen auszurichten. Mit ihm ist schnell der Sympathieträger der kompletten Geschichte gefunden, wenngleich solche auf jeder Seite wahrzunehmen sind. Charakterliche Unterschiede sind letztlich bei allen Haupt- und Nebenfiguren zu erkennen, genau wie Facettenreichtum und Doppelbödigkeit. In diesem Zusammenhang ist ebenso Gila von Weitershausen zu nennen, die mehrere Gesichter und Choreografien für Paul und das Publikum anbietet, ohne dabei transparent im Auftreten und Denken zu werden, jedenfalls bis zu einem gewissen Zeitpunkt.

 

Als plötzlich der erste Tote des Szenarios auftaucht, ist Sybille irgendwie in den Fall involviert, außerdem ergriff sie zuvor die Flucht, sodass der Fokus auf sie gerichtet wird und dort auch bleibt. Gila von Weitershausen spielt weitgehend beherrscht und dem Zuschauer zugewandt, um ihre hier eigentlich vorhandene sympathische Seite auszuspielen, die für den weiteren Verlauf noch sehr wichtig werden wird. Von italienischer Seite flaniert Nino Castelnuovo durch das Geschehen, in welchem er durch die strahlende Sonne in sein bestes Licht gerückt wird. Herkunft und Vergangenheit spielen zunächst keine Rolle, sondern nur der bloße Moment. Dieses Agieren entspricht vollkommen der Einstellung des gut aussehenden Mannes, der sich dieser günstigen Grundvoraussetzung stets gewiss ist, was auch seine aufdringlich-amourösen Offensiven erklärt. Emilio Trenti ist es gewöhnt, das zu bekommen, was er temporär ins Auge gefasst hat. So dürfte seine weibliche Trophäensammlung eine lange Chronologie haben, in der Sybille die nächste sein soll. Die Szenen zwischen Castelnuovo und von Weitershausen erzählen verspielt und märchenbuchartig von einer Affäre, die zur Liaison dangereuse und mehr wird, was beide Akteure sichtlich irritiert, da keiner es so weit kommen lassen wollte. Schnell geht alles über die Grenzen der Unverbindlichkeit hinaus und trotz Aura und traumhaften Szenen sitzt dem Zuschauer die Erinnerung an Paul im Nacken, sodass sich die so positiven Eindrücke etwas umkehren, weil sich das Wahrgenommene trügerisch anfühlt. Zwischenzeitlich stellen sich weitere Personen vor, die für die unbestimmte Gefahr stehen, sogar wenn sie keine Familienmitglieder Emilios sind. Hier ist insbesondere Andrea Jonasson zu nennen, deren anfangs unscheinbares Erscheinen nicht über die Vermutung hinweg täuscht, dass sie zum fehlenden Mosaiksteinchen werden könnte.

 

Schön und geheimnisvoll spielt sie abwechselnd Katz und Maus, um selbst wechselseitig in beide Rollen zu schlüpfen. Auch wenn man dieses attraktive Geschöpf nicht ordnen kann, ist dennoch zu erahnen, dass sie alles daran setzen wird, um das Schicksal möglicherweise zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Im Simmel-Orbit haben sich bei diesem Versuch schon diverse Personen die Zähne ausgebissen, und es bleibt aufgrund der schillernden Charaktere hoch interessant. Gute Darbietungen bekommt man des Weiteren von Walter Kohut, Manuel Zarzo, Paolo Giusti, José María Prada und vor allem Ingeborg Lapsien als "La Mamma" geboten, die das Geschehen gekonnt ausstaffieren. "Gott schützt die Liebenden" verfügt über eine exzellente Bebilderung durch Kameramann Charly Steinberger, der Stimmungen und Schwingungen forciert und Paukenschläge verschärft, wofür Hans-Martin Majewski in musikalischen Belangen ebenfalls sorgt. Die fast symbiotisch wirkende Konstellation Simmel und Vohrer zeigt sich in "Gott schützt die Liebenden" nicht nur erprobt sondern einfallsreich und publikumswirksam. Jede Dekade im deutschen Film hatte erfolgreiche und hochwertig inszenierte Serien oder Reihen, zu denen die gleichnamigen Romanverfilmungen des österreichischen Autors ohne jeden Zweifel gehören. Auch hier bekommt man eine Bandbreite geboten, die Brücken zum Leben, der Fantasie und Erfahrung herstellen, sodass es ein Leichtes ist, sich uneingeschränkt in die fiktive Welt zu begeben, die so faszinierend wirkt, weil sie dem Empfinden nach tatsächlich existieren könnte. Greifbar und (un-)verständlich durch Emotionen, Nöte und Tugenden, besticht die rasante Erzählweise nachhaltig und eindrucksvoll. Wenn der Filmtitel seinen Zynismus preisgegeben hat und die beteiligten Personen die emotionalen Hüllen fallen gelassen haben, ist der Rest nur noch Schweigen.

Autor

Prisma

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