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Im Nest der gelben Viper

Deutschland | Italien, 1966

Originaltitel

Im Nest der gelben Viper

Alternativtitel

FBI - opération vipère jaune (FRA)

F.B.I. operazione vipera gialla (ITA)

F.B.I. operación Víbora Amarilla (ESP)

Operation Yellow Viper (USA)

Die Schlangenbande

Deutsche Erstaufführung

13. Mai 1966

Inhalt

Die Hafenmetropole Kapstadt ist in heller Aufregung, da sie fest in der Hand der Unterweltorganisation "Gelbe Viper" zu sein scheint, die nicht vor Raub und Mord zurückschreckt. Widersacher und Geheimnisträger werden rücksichtslos mit Schlangengift liquidiert, sodass Interpol und FBI sich zu Gegenmaßnahmen gezwungen sehen. Washington schickt seinen besten Agenten namens Claus van Dongen (Hellmut Lange), der in die Organisation eingeschleust werden soll, um die Drahtzieher auszuschalten. Plötzlich beginnt die "Gelbe Viper" ihre eigenen Reihen zu lichten, doch kurz vor seinem Tod hatte eines der Bandenmitglieder einen Brief verfasst, der alle Bandenmitglieder namentlich erwähnt. Doch wo ist der belastende Brief geblieben? Van Dongens Mission beginnt immer gefährlicher zu werden, da sein Inkognito endgültig aufzufliegen droht...

Autor

Prisma

Review

Giftige Reptilien wurden immer wieder gerne als namentliche Aufhänger für Filme unterschiedlichster Genres verwendet, da sie aufgrund ihrer allgemeinen Gefahreneinschätzung bereits im Vorfeld für für ein gewisses Unbehagen sorgen können. In diesem 1964 angefertigten Vertreter der Eurospy-Welle, der in der Bundesrepublik erst zwei Jahre später ausgewertet wurde, ist die Bothriechis schlegelii, auch Greifschwanz-Lanzenotter genannt, mit der zweifelhaften Titelrolle betraut worden. Unberuhigenderweise finden sich innerhalb dieser Gattung nicht nur gelbe, sondern auch braune, blaue oder grüne Exemplare, beziehungsweise Mischungen, die allesamt eines gemeinsam haben, nämlich ihre hochgiftigen Eigenschaften und Angriffslust. Die Verwendung als Äquivalent eines eiskalten und tödlichen Jägers kommt dem deutschen Titel sehr zugute und verteilt beinahe schon einige Vorschusslorbeeren, wenngleich sich erst noch herausstellen muss, ob sich dieser unter Regie-Doppelspitze entstandene Vertreter merklich von der üppig vorhandenen Konkurrent abzuheben weiß. Farbgebungen in den Verleihtiteln waren spätestens seit der Edgar-Wallace-Reihe salonfähig geworden, verbreiten dementsprechend einen angenehmen Wiedererkennungswert für den an mehreren Sparten interessierten Zuschauer, der hier ebenfalls mit ein paar bekannten Gesichtern des Kriminal- und Abenteuerfilms versorgt wird. Eine Schlange wird als Synonym für Verbrechen und eiskalten Mord verwendet. Dementsprechend entstehen einige recht atmosphärische Ermordungsszenen, wenngleich den Kinogängern barbarische Todeskämpfe vorenthalten bleiben. In Sachen Brutalität werden daher keine besonderen Register gezogen, was dieser Produktion aber gut zu Gesicht gestanden hätte, da sich hartnäckige Phasen einschleichen, die rein gar nichts von der eleganten und geschmeidigen Fortbewegungsweise einer Viper zu haben wollen.

 

Die Geschichte wartet mit den üblichen und gleichzeitig gewinnbringenden Zutaten des Genres auf, wobei der Einstieg bereits chaotische und nervöse Zustände in der gefährlichen Verbrecherorganisation andeutet. Die weitere Abhandlung beschäftigt sich somit eher mit einer Art Schadensbegrenzung innerhalb der kriminellen Reihen und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der angeblich beste Mann des FBI diesen Fall lösen und die Hintermänner ausschalten wird. Mit Hellmut Lange ist ein sehr solider und überzeugender Darsteller für die Hauptrolle engagiert worden, der darstellerisch alles tut, um für überzeugende Momente zu sorgen. Leider verläuft ein Großteil der Story viel zu reibungslos und es wirkt hin und wieder so, als fielen Claus van Dongen die Erkenntnisse nur so in den Schoß. Die tödlichen Gefahren sind in diesem Zusammenhang leider nicht konkret genug ausbuchstabiert, sodass "Im Nest der gelben Viper" zu häufig beginnt, vor sich hinzuplätschern. Imposante Kulissen und exotische Schauplätze werten den teils wenig dynamischen Verlauf ausgleichend auf und es ist auch nicht zu leugnen, dass streckenweise ein angemessenes Tempo aufkommt. Die Produktion hat mit einer empfunden schwachen Dramaturgie mit einem weiteren Hemmschuh zu kämpfen, nämlich der Auswahl der hier agierenden Interpreten. Neben Hellmut Lange entsteht eigentlich zu keinem Zeitpunkt irgend ein Eindruck von (darstellerischer) Augenhöhe, was letztlich dem Erzählfluss oder der Brisanz der Veranstaltung schadet. Für angenehme Akzente sorgt die aparte Italienerin Moira Orfei, die sich neben der Schauspielerei auch als Zirkusleiterin und Artistin einen Namen machen konnte. Orfei bedient sich der Mechanismen des Agentenfilms mit einer auffälligen Sicherheit, und insgesamt fabriziert sie einen hohen Wiedererkennungswert, gleichzeitig sogar einen verhaltenen Gegenentwurf bezüglich der gemeinen Femme fatale des Eurospy.

 

Interessant ist, dass die aparte Dame trotz ihrer einbetonierten Rolle einen Hauch von Geheimnis um sich herum kreieren und bestehen lassen kann, somit eine überdurchschnittliche Performance abliefert. Ihre deutsche Kollegin Adeline Wagner hat aufgrund der Anlegung ihres darzustellenden Charakters das Nachsehen, findet sie sich doch in einem hoffnungslosen Zuschnitt wieder, aus dem es trotz ihrer merklichen Spiellaune kein entrinnen mehr gibt. Massimo Serato und Gérard Landry hinterlassen gut abgestimmte Eindrücke, wobei Peer Schmidt hier leider ziemlich bedeutungslos zurückbleibt und den Verlauf mit keinen zusätzlichen Konturen ausstatten kann. Da die Ermittlungsarbeit des FBI-Mannes immer vehementer zu werden scheint und alle Anzeichen darauf stehen, dass das Schlangennest früher oder später ausgeräuchert wird, entstehen glücklicherweise noch einige Sequenzen, in denen Action und Zweikampf etwas größer geschrieben werden. Insgesamt steuert man definitiv etwas zu glatt auf das erwartete Finale hin, in dem es jedoch noch zu einigen Überraschungen aus der Vergangenheit kommen darf, wenngleich diese wie aus dem Nichts hergezaubert wirken. "Im Nest der gelben Viper" bleibt unterm Strich ein recht durchschnittlicher Vertreter seiner Gattung, der durch einige seiner Schauspieler aufgemöbelt wird. Außerdem können die herrlichen Schauplätze überzeugen, was bei gewissen Unzulänglichkeiten ja gerne wohlwollend Erwähnung finden sollte. Dennoch fehlt es der Story grundlegend an Drive, ausgefeilten Einfällen und Spritzigkeit, wenn nicht sogar Kaltschnäuzigkeit. So geht "Im Nest der gelben Viper" im breiten Angebot gleich gestrickter Beiträge etwas unter, da man als Zuschauer kaum umhin kommt, Vergleiche zur runder wirkenden Konkurrenz zu ziehen. Fans des Genres werden diesem Flick aber sicherlich etwas Gutes abgewinnen können, hält er sich doch immerhin an alle erdenklichen Gesetze des Genres.

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Prisma

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