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Kampf um Troja

Kroatien | Frankreich | Italien, 1961

Originaltitel

La guerra di Troia

Alternativtitel

La guerre de Troie (FRA)

La guerra de Troya (ESP)

The Wooden Horse of Troy (GBR)

The Trojan Horse (USA)

The Trojan War

Der Kampf um Troja

Deutsche Erstaufführung

20. April 1962

Regisseur

Giorgio Ferroni

Inhalt

Die Belagerung von Troja durch die Griechen befindet sich im zehnten Jahr, und gerade wurde der trojanische Anführer Hektor von Achilles (Arturo Dominici) erschlagen. Hektor war der Bruder von Paris (Warner Bentivegna), welcher diesen Krieg durch die Entführung Helenas von Sparta (Edy Vessel) ausgelöst hat, beides Söhne des trojanischen Königs Priamos (Carlo Tamberlani). Nachfolger Hektors soll Paris werden und die Truppen gegen die Griechen anführen, doch die Soldaten würden Äneas (Steve Reeves) bevorzugen, welcher als Trojas stärkster Krieger gilt. Zudem herrscht Unmut über die Gesamtsituation, 10 Jahre Krieg wegen Paris‘ Entführung von Helena, und gerade Äneas verkörpert für die Trojaner den Wunsch nach Frieden. Äneas verachtet Paris, hält ihn für einen Feigling, und auch für Helena hat er nichts übrig – allerdings ist er heimlich mit Paris‘ Schwester Kreusa (Juliette Mayniel) verheiratet, die ein Kind von ihm erwartet. Und auch Paris zweite Schwester, die Seherin Kassandra (Lidia Alfonsi), hält nichts von ihrem Bruder.

 

König Priamos will sich ins Lager der Griechen begeben, um die Leiche seines Sohnes Hektor zu erbitten. Äneas begleitet ihn. Im Lager der Griechen finden gerade Wettkämpfe statt, und Achilles bittet Äneas daran teilzunehmen. Der besiegt den Krieger Ajax, darf aber unbehelligt mit Priamos und Hektors totem Körper abziehen. Indessen hat der Grieche Odysseus (John Drew Barrymore) einen Plan. Da es weder den Griechen gelungen ist, auch nur die Außenmauer von Troja zu beschädigen, noch den Trojanern, das Lager der Griechen zu erstürmen, will Odysseus Troja von innen einnehmen. Er lässt ein gewaltiges hölzernes Pferd bauen, in dem er Soldaten verstecken und den Rückzug seiner Haupttruppen vortäuschen will. Odysseus geht davon aus, dass die vermeintlichen Sieger das hölzerne Pferd als Trophäe innerhalb der Stadtmauern von Troja bringen werden.

 

Doch zunächst kommt es anders, denn Äneas gelingt das Unwahrscheinliche – er besiegt den als unverwundbar geltenden Achilles und dessen Truppen und nimmt das Lager der Griechen ein. Doch Paris, der sich um Sieg und Respekt betrogen glaubt, funkt dazwischen, und Odysseus Plan geht schließlich auf. Troja fällt, Menelaos tötet Paris und holt sich seine Helena zurück.  Äneas gelingt mit seinem neugeborenen Sohn die Flucht durch das brennende Troja.

Review

Im Vergleich zu anderen italienischen Peplum-Produktionen jener Zeit konnten Giorgio Ferronis „Kampf um Troja“ und die Fortsetzung „Äneas, Held aus Troja“ von Giorgio Venturini auf ein größeres Budget und eine beachtliche Anzahl von Komparsen zurückgreifen. Grund dafür ist, dass neben zwei französischen Co-Produzenten der größte Teil in Jugoslawien gedreht wurde. So hatte man genügend preisgünstiges Personal für große Kampf- und Reiterszenen.

 

Im Fokus des Drehbuchs von Giorgio Ferroni und Ugo Liberatore steht der Trojaner Äneas, gespielt von Steve Reeves. Äneas ist ähnlich wie die griechischen Helden auf der Gegenseite ein Kämpfer, mit Respekt für andere seines Schlages. Aus diesem Grund versteht er sich auch weitgehend mit den Griechen. Zudem ist er diesen seit über 9 Jahren andauernden Krieg leid, der aus mehr oder weniger nichtigem Grund geführt wird. Hier gelingt es Ferroni ganz gut, den Geist der Iliade einzufangen, denn bei den Helden dreht sich alles um ewigen Ruhm. So findet Äneas auch beim König Priamos wenig Verständnis, wenn er fordert, den Krieg zu beenden, indem man Helena den Griechen übergibt. Priamos sieht Helena als eine Trophäe, die den ewigen Ruhm Trojas garantieren soll.

 

Giorgio Ferroni sieht das anders. Er stellt Priamos Sohn Paris Paris als Feigling dar, der keine Gelegenheit auslässt, um sich vor dem Kampf zu drücken, der ja eigentlich nur wegen seiner Entführung Helenas von Sparta stattfindet. Helena selbst wird als skrupellos und intrigant inszeniert. Interessant ist auch die Interpretation von Odysseus. Seine Idee mit dem hölzernen Pferd stößt auf nur wenig Gegenliebe bei Achilles oder Agamemnon, denn diese halten Odysseus Plan nicht für listig, sondern für feige, für einen unehrlichen Sieg.

 

Bei den Kampfszenen liefert Ferroni einen Spagat zwischen filmischer Unterhaltsamkeit in Form von großen Schlachten und dem Geist der Iliade, welche lange Schilderungen von Zweikämpfen bietet. Letztere kommen bei Ferroni ein wenig zu kurz, sind aber ansatzweise vorhanden. Bei den größeren Kampfszenen hat man zunächst den Eindruck von Oberflächlichkeit, nur wenig der jugoslawischen Komparsen scheinen professionelle Stuntmen, denn ganze drei Mal sieht man denselben Komparsen ins Gras beißen, leicht zu erkennen an immer demselben Gesichtsausdruck. Ferroni scheint aber zu erkennen, dass die gewählte Landschaft zu banal scheint, und so bekommt er die Kurve und beginnt zu variieren. Wenn getötete Soldaten in den Fluss fallen, kommt langsam Atmosphäre auf.

 

Steve Reeves muss in „Kampf um Troja“ endgültig seine Dialogfestigkeit beweisen, für Muskelspiel bleibt nur wenig Gelegenheit. Tatsächlich gelingen ihm ein paar dramatische Szenen, insbesondere während des Untergangs Trojas. Jene aufwändig inszenierten Szenen wurden von Italienern später selbstredend wiederverwendet, etwa in Ferronis „Der Moloch“ (Ercole contro Moloch, 1963) und Ferronis „Der Löwe von Theben“ (Il Leone di Tebe, 1964). Diese spannende Troja-Adaption fand seine Fortsetzung in Giorgio Venturinis (als Giorgio Rivalta) „Äneas, Held aus Troja“ (La leggenda di Enea, 1962), wieder mit Steve Reeves in der Hauptrolle.

Veröffentlichungen

Beide Teile findet man auf einer Doppel-DVD von Black Hill, leider in recht blasser Bildqualität. Außerdem scheint fraglich, ob Teil 2 ungekürzt ist.

Filmplakate

Links

OFDb
IMDb

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