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Netz der Vergangenheit

Frankreich | Italien, 1993

Originaltitel

La fine è nota

Alternativtitel

The End Is Known (AUS)

Inhalt

Als der Rechtsanwalt, Bernardo Manni, nach Hause kommt, beobachtet er, wie ein Mann aus dem Fenster seiner Wohnung stürzt und auf dem Asphalt aufschlägt. Was hatte der unbekannte Selbstmörder ausgerechnet in Mannis Wohnung zu suchen? Mannis Ehefrau behauptet, dass es sich bei dem Toten um einen Bekannten ihres Ehemanns handelt, doch dem ist die Person gänzlich unbekannt. Folglich beginnt der Rechtsanwalt zu recherchieren, dabei verfängt er sich im Netz der Vergangenheit…

Review

„Ich glaube, er hat gesagt, dass er gekommen ist, um mich zu holen, dass er nur auf diesen Augenblick gewartet hätte. Er war wie von Sinnen.“ (Maria Manni)

 

Cristina Comencini orientierte sich für ihren Thriller „Netz der Vergangenheit“ an einer Literaturvorlage von Geoffrey Holiday Hall. Da sich der Film als eine Co-Produktion der Länder Frankreich und Italien ausweist, ist der Geist des französischen Kinos deutlich spürbar. Comencinis Inszenierung, welche mit politischen Nebensträngen sowie einer stets knisternden Spannung garniert ist, lässt gar (ein wenig) an Georges Lautners „Der Fall Serrano“ denken.

 

„Netz der Vergangenheit“ zieht seine Kraft aus einer unspektakulären und ruhigen Vorgangsweise. Der Film verzichtet auf Action- und Sexmomente, und konzentriert sich (in erster Linie) darauf seinen Handlungs- beziehungsweise Spannungsablauf mittels viel Dialog möglichst eindringlich eskalieren zu lassen.

 

Die Suche nach der Motivation für einen Suizid führt Bernardo Manni, wie die Filmfirmierung schon propagiert, in die Vergangenheit. Dabei stößt er auf die einstigen politischen Betätigungen des Selbstmörders, Rosario Cantini, der innert der linken Szene als Terrorrist aktiv war. Einhergehend wird eindringlich auf das Jahr 1976 hingewiesen. Jenem Jahr in dem die „Roten Brigaden“ den Klassenkrieg verschärften, was mittels gezielter Angriffe auf die Köpfe des Systems, man denke an den Anschlag auf den Staatsanwalt, Francesco Coco, erreicht wurde.

 

Der Terror der „Roten Brigaden“ sowie ihren rechtsextremistischen Pendants wurde gern in die stiefelländischen  Politthriller eingebracht, sodass man ihn als einen unverzichtbaren Genrebestandteil suggerieren kann. Ich mag diese Thematik sehr und schätze die teils grandiosen Umsetzungen wie beispielsweise Carlo Lizzanis grandiosen „San Babila, 20 Uhr: Ein sinnloses Verbrechen“.

 

Film und Realität sind oftmals eng miteinander verknüpft, doch das reale Leben schreibt schlussendlich die deutlich pikanteren Geschichten. Somit findet sich das Phänomen vom politischen Terrorismus auch in der Vita eines italienischen Schauspielers, Valerio Fioravanti, wieder, der im Alter von 9 Jahren in Mulargias „Django - Kreuze im blutigen Sand“ die Rolle des kleinen Manuel spielte. Fioravanti wurde in den späten 1970ern zu einem führenden Kopf der neofaschistischen Terrororganisation „Nuclei Armati Rivoluzionari“ und war unter anderem am Anschlag von Bologna beteiligt.

 

Cristina Comencini behandelt das Thema Terrorismus (Rosario Cantinis Beweggründe zur Staatsfeindlichkeit bleiben beispielsweise im Verborgenen) allerdings nur oberflächlich. Die Regisseurin entführt den Zuschauer kurzzeitig in eine fiktive und (wie bereits erwähnt) flüchtig konstruierte Terroristenszene und liefert ihm (dem Zuschauer) primär ein umfangreiches Ratespiel, welches ihn eindringlich fordert, sodass dieser an der Seite von Bernardo Manni als „Ermittler vor der Glotze“ agiert.

 

Die Protagonisten sind übrigens allesamt klasse.

 

Geheimtipp!

Veröffentlichungen

Die DVD von X-Rated (Hartbox Nummer 60) ist längst Out of Print und deren Wert liegt bei ca. 40 Euro. Die Artwork des Frontcover wurde übrigens (bis auf kleine Änderungen im linken Bereich) dem VHS Cover zu „Marina - Der brutale Aufstieg einer Hure“ entliehen. Als Alternative gibt es eine (ebenfalls von X-Rated veröffentlichte) Amaray. Beide Veröffentlichungen offerieren nur die deutsche Tonspur.

Links

OFDb
IMDb

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