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Night Killer

Italien, 1990

Originaltitel

Non aprite quella porta 3

Inhalt

Melanie Beck wurde das Opfer eines Triebtäters und Mörders mit Monstermaske und Krallenhandschuh, doch die Erinnerung an die Tat hat sie weitgehend verdrängt, auch das wahre Gesicht des Killers, dass sie bei ihrer Gegenwehr gesehen hat. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los, Alpträume und Flashbacks quälen sie, und sie versucht sich umzubringen. Doch sie wird gerettet, von dem seltsamen Axel, der dem Thema Vergewaltigung auch nicht gerade abgeneigt scheint. Ist er der Killer mit der Monstermaske oder nur ein weiterer Perversling, der es auf Melanie abgesehen hat?

Review

So wie es in Italien Ende der 80er Jahre unautorisierte Fortsetzungen von „Tanz der Teufel“ (italienischer Titel „La Casa“), beginnend mit Umberto Lenzis „La Casa 3“ (Ghosthouse) gab, gibt es ebenso diese Obskurität von Claudio Fragasso, der als angeblicher Teil 3 von „Texas Chainsaw Massacre“ (ital. Titel „Non aprite quella Porta“) daher kommt. Während die La Casa-Filme, für die Fragasso auch „La Casa 5“ (Horror House 2) beigesteuert hat, wenigstens noch die Geisterhaus-Thematik mit den Evil Dead-Filmen gemeinsam hatten, ist „Non aprite quella Porta 3“ aber völlig am Thema vorbei.

 

Und was für ein Film! Tara Buckman, die wir aus Joe D’Amatos „Blue Angel Café“ und „Wall Street Woman“ sowie aus „X-Tro II“ und der „Nightmare on Elm Street“ TV-Serie kennen, wird das Opfer eines Freddy-Verschnitts, der Frauen gern verstümmelt und anschließend vergewaltigt. Doch sie zerkratzt ihm das Gesicht, reißt ihm die Maske herunter und kann ihm entkommen. Doch sie verliert durch das Schockerlebnis ihr Gedächtnis, kann sich weder an Tat und Täter, noch an Ex-Mann und Tochter erinnern.

 

Als sie beschließt, sich an einem schönen Strand das Leben zu nehmen, wird sie auf dem Weg dorthin von Oberkotzbrocken „Axel“ (Peter Hooten) angebaggert, was sie gar nicht gut findet. Auf einem Tankstellenklo zwingt sie ihn mit vorgehaltener Waffe zu einem Striptease und entkommt dann mit seinen Klamotten. Doch Axel wohnt offenbar in seinem Wagen inklusive Ersatzkleidung, folgt ihr und rettet ihr das Leben. In einem Hotelzimmer fesselt er sie dann ans Bett und in Folge entsteht eine seltsame Situation von Dominanz und Unterwerfung. Axel bietet ihr an, sie eines Tages zu töten, doch wann das sein wird, will er entscheiden. Bis dahin muss sie sich ihm unterwerfen.

 

ACHTUNG SPOILER:  Nachdem sie sich wieder erinnert, und der Täter (der mit der Monstermaske) zur Strecke gebracht ist, steht einer glücklichen Zukunft mit Kotzbrocken Axel nichts mehr im Wege – denn der ist, Überraschung, Melanies schmieriger Ex-Mann, ein alkoholkranker Ex-Cop, den sie dankenswerterweise vergessen hatte. Doch dank des Plans der Polizei, mit seiner Hilfe den Täter anzulocken und gleichzeitig einen Beschützer für Melanie zu haben, kann der Killer gefasst werden, Axel bekommt seinen Job bei der Polizei und seine Ehefrau wieder. Hat sie nicht ein Riesenglück? Super.

 

Wie kommt man auf solch eine Story? Wer weiß. Fast schon beängstigend dabei ist der Ernst, mit dem diese Story durchgezogen wird. Doch es ist noch schlimmer als es scheint. Nicht ohne Selbstironie erzählt Regisseur Claudio Fragasso heute, wie er damals dachte, ein Megadrehbuch in Händen zu halten. Wie ein zweiter Bergman oder Fellini sei er damals nach Virginia gereist, in dem Glauben, er würde den besten Film seiner Karriere schaffen. Ein erster Rückschlag wurde der Konflikt zwischen seinen Hauptdarstellern. Tara Buckman hatte wohl Riesenvorbehalte gegen den von Casting-Director Werner Pochath geschickten Co-Part Peter Hooten, der ihren Ehemann spielt. Warum? Wegen seiner Homosexualität. Sie konnte und wollte wohl nicht darüber hinwegsehen. Egal.

 

Viel wichtiger ist, was nach Fertigstellung des Films geschah. Fragasso hatte 10 Jahre mit Bruno Mattei als Team gearbeitet. Mattei oblag die Endbearbeitung von „Night Killer“, und er stellte fest, dass Fragassos Film aus sehr langen Szenen bestand und es keine geeigneten Stellen gab, um Szenen zu schneiden. Flora ordnete daraufhin Nachdrehs an. Mattei drehte dann die Eröffnungsszene mit der Tanzgruppe und dem ersten Mord, sowie die sich immer wiederholende Einstellung, wenn der Killer seine Opfer tötet, indem er ihnen seine Krallenhand durch den Leib rammt. Letztere Szenen dienten nur einem Zweck – eine Grundlage für den Schnitt zu schaffen und die überlangen Szenen somit kürzen zu können.

 

Als Fragasso erfuhr, was Flora Film und Mattei mit seinem „Meisterwerk“ machten, war er fuchsteufelswild. Mattei erklärte ihm, er habe keine Wahl gehabt, denn im Gegensatz zu Fragasso und Drudi, die Freelancer waren, stand Mattei fest bei Flora unter Vertrag. Eine Weigerung seinerseits bezüglich der Nachdrehs hätte ihm eine Vertragsstrafe eingebrockt. Es kam zum Bruch zwischen Fragasso und Mattei. Vorübergehend. Nur wenige Jahre später betrachtete Fragasso das Endergebnis noch mal nüchtern und sah ein, dass auch ohne Matteis Ergänzungen „Night Killer“ nicht das in seinem Kopf existierende Meisterwerk war. Man vertrug sich wieder, weitere Zusammenarbeiten gab es allerdings nicht.

 

„Night Killer“ kann man einen seltsamen Unterhaltungswert dennoch nicht absprechen. Die Inhalte hinter der Story des Films sind allerdings geneigt, Brechreiz hervorzurufen. Aber das muss man wohl dem Drehbuch zuschreiben, welches – trotz Credit – nicht von Claudio Fragasso sondern von seiner Frau Rossella Drudi stammt. Fragasso hatte in einem vergangenen Interview mal erklärt, dass er das Schreiben hasst und anfangs die Credits von Drudi übernehmen musste, da die Produzenten von Flora Film keine Frau als Drehbuchautor benennen wollten. Verrückt. Ihre ersten Credit-Nennungen hatte Drudi bei Filmirage, und erst danach, nach 1988, begann auch Flora Film, ihren Namen zu nennen.

Veröffentlichungen

„Night Killer“ erschien im Juli 2019 uncut bei Severin Films auf Blu-ray. Als Extras gibt es ein amüsantes Interview mit Claudio Fragasso und ein kurzes ergänzendes Interview mit Rossella Drudi. Qualitativ gibt es an dem Release nichts auszusetzen, über den Film dagegen kann man streiten.

Links

OFDb
IMDb

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