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Ombre

Italien, 1980

Originaltitel:

Ombre

Regisseur:

Giorgio Cavedon

Drehbuch:

Giorgio Cavedon

Inhalt

Wie aus dem Nichts traten ein schweigsamer Maler und deren schwangere Tochter Clara eines Tages in das Leben eines einsamen Landhaubesitzers. Clara brachte daraufhin das Mädchen Claudia zur Welt, welche in die künstlerischen Fußstapfen ihres Großvaters tritt. Doch sie ist von Kindheit an krank, leidet an Blutarmut. Irgendwann verschwindet Clara, und nach ihr verlässt der Großvater das Zuhause. Die inzwischen erwachsen gewordene Claudia (Monica Guerritore) fühlt sich fortan wie eine Gefangene und verlässt ebenfalls das Landhaus, um nach Mailand zu gehen.

 

Mit Freunden verabredet, steigt Claudia in Mailand angekommen in den falschen Bus und trifft so auf ihre 11-jährige Namensvetterin Claudia (Elisabetta Odino), die sie mit zu ihrer Tante nimmt, welche ein Dachbodenatelier zu vermieten hat. Man erzählt ihr, dass dort bis vor einem Jahr ein alter Maler gelebt hat, bis er schließlich tot aufgefunden wurde. Zurück ließ er ein paar scheinbar leere Leinwände und den Kater Rasputin. Auf einem leeren Canvas findet sie Markierungen, die vom Vorbesitzer angezeichnet wurden. Sie vervollständigt das Bild und erhält ein Selbstportrait ihres verschwundenen Großvaters.

 

In Mailand hat sich Claudia in den Maler Renato (Lou Castel) verliebt, und so erzählt sie ihm, dass sie das Gefühl hatte, ihr verstorbener Großvater habe ihre Hand bei Vervollständigung des Portraits geleitet und schien auch irgendwie präsent gewesen zu sein. Die Beziehung zwischen Renato und Claudia ist allerdings zum Scheitern verurteilt, den auf Claudia wartet der Tod. Sie hinterlässt ihm das Portrait als Erinnerung.

 

Renato zieht nach Claudias Tod in deren Dachbodenatelier. Er will ein Portrait von ihr zeichnen, doch seine Erinnerung an sie verblasst. Zudem ist er nicht sonderlich nett zu Kater Rasputin. Als seine Ex Susanna (Laura Belli) das Portrait von Claudias Großvater als Eigenschöpfung Renatos für 30 Millionen Lire verkauft, kommt dies einem Verrat an seiner verlorenen Liebe gleich, doch dem Geld kann er nicht widerstehen. Die Rache für diesen Verrat kommt jedoch von unerwarteter Seite.

Review

„Ombre“ (Schatten) ist ein eigenwilliger Film mit übernatürlichen Anleihen, der im Juli 1979 in Mailand gedreht wurde. Der Regisseur Giorgio Cavedon ist in Italien eher für die Schöpfung der Comic-Figur Isabella - verfilmt von Bruno Corbucci als „Isabella - Mit blanker Brust und spitzem Degen“ (Isabella, duchessa dei diavoli, 1969) - bekannt als für diese Regiearbeit. „Ombre“ blieb Cavedons einziger Spielfilm, denn das Einspielergebnis war ein Desaster. Der Verleih durch Eurocopfilms im Juni 1980 spielte bei 565 Zuschauern italienweit 1,695,000 Lire (so gut wie nix) ein, und der Film wurde nach einer Woche aus den Spielplänen entfernt.

 

Filmdatenbanken benennen Mario Caiano als Co-Regisseur, doch das ist wohl ein Missverständnis. Caiano drehte das ähnlich betitelte Okkult-Kuriosum „Shadow of Illusion“ (Ombre Roventi, 1970), doch in keinem Interview erwähnte er je eine Beteiligung an Cavedons „Ombre“ von 1980. Auch in den Dredits taucht er nicht auf. Bestätigt wird dies durch Lou Castel – immerhin zweite Hauptrolle – der angab, ausschließlich mit Cavedon gedreht zu haben.

 

Das schlechte Einspielergebnis soll hier aber kein Indikator für einen schlechten Film sein. „Ombre“ ist zweifellos ein seltsamer Film, und sein Misserfolg ist leicht erklärt. Falsches Jahr, unklare Zielgruppe, schwer zugänglich. Trist inszenierte Giorgio Cavedon diese mysteriöse Geschichte, in der es letztendlich um den Tod geht, und wie die Geschichte von Menschen nach ihrem Tod ins Reich der Schatten, bzw. in schattenhafte Erinnerungen, verschwindet. Die Handlung ist dabei durchzogen von Symbolismen, die teils aber keineswegs zur Gänze für den Zuschauer nachvollziehbar sind. Jedenfalls nicht bei einmaligem Ansehen. Unausweichlich wird Claudia vom Schicksal (oder übernatürlichen Einflüssen?) zu ihrem Tod gelenkt. Ebenso unausweichlich geht Renatos neuentdeckte Gefühlswelt (er ist eigentlich ein ziemlicher Arsch und obendrein als Künstler eher untalentiert) zusammen mit Claudias Tod unter. Antriebslos hockt er in ihrem alten Dachbodenatelier und wartet im Grunde auf sein eigenes Ende. Zu Anfang des Films (die Story wird in verschachtelten Rückblenden erzählt) will er Selbstmord begehen, doch dazu fehlt ihm der Schneid. Genausowenig besitzt er ausreichend Rückgrat, um sich gegenüber seiner Ex Susanna durchzusetzen, die ihm Ehe, Familie und ein Kind andrehen will. Die Geschichte hat übernatürliche Einflüsse, diese bleiben aber äußerst vage. Vorherrschend bleibt das Drama, man wird am Ende nicht das Gefühl haben, einen Gruselfilm gesehen zu haben. Mystery, wenn überhaupt.

 

Die Männer in Claudias Leben scheinen allesamt schlecht, und so findet sich die seltsamste Symbolik des Films in der Figur ihrer jungen Namensvetterin, die vor und nach Claudias Erscheinen und Ableben zur Richterin wird. Besitzt man ausreichend Sitzfleisch und stört sich nicht an einem verwaschenen VHS-Rip, kann „Ombre“ ein faszinierendes Filmerlebnis sein. Oder todlangweilig. Der Zuschauer entscheidet. Für mich war der einzige Schwachpunkt des Films leider Lou Castel, der reichlich unmotiviert am Set rumgammelt, während er hin- und herläuft und dabei seine Off-Stimme Gefühle beschreibt, die sich in keiner Weise in seiner (nicht vorhandenen) Mimik widerspiegeln. Auch auf seine Sterbeszene hatte er offensichtlich keinen Bock, denn jemand, der tatsächlich Rattengift verabreicht bekommen hat, kann sich solch einen leichten Tod nur wünschen.

Links

OFDb
IMDb

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