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Party des Schreckens

Italien | Vereinigte Staaten, 1981

Originaltitel

There Was a Little Girl

Alternativtitel

A Casa da Escuridão (POR)

And When She Was Bad (USA)

Flesh and the Beast (USA)

Scared to Death (USA)

Madhouse

Deutsche Erstaufführung

13. November 1981

Inhalt

Als Kind wurde Julia Sullivan (Patricia Mickey) von ihrer gestörten Zwillingsschwester Mary (Allison Biggers) in Angst und Schrecken versetzt. Doch das ist lange her, der Schrecken von einst scheint vorbei. Doch kurz vor Julias und Marys nächstem Geburtstag überredet sie ihr Onkel Pater James (Dennis Robertson), ihre Schwester Mary in der Anstalt zu besuchen, da diese an einer unheilbaren Krankheit leide, die sie erst entstellen und schließlich töten würde. Wider besseres Wissen willigt Julia ein, doch Mary bedroht sie und bricht nur kurz darauf aus der Klinik aus. Nun muss Julia um ihr Leben fürchten – und nicht nur sie, sondern jeder aus ihrem Umfeld.

Review

Ist es ein Vogel oder ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Superman! In diesem Sinne: ist es ein Horrorfilm, oder ist es ein Slasher? Nein, es ist ein Giallo – mit Elementen aus Gothic-Horror und Slasher. Wie es zur Realisierung von „Happy Birthday!“ (Arbeitstitel) kam, geht lt. Regisseur, Kameramann und Drehbuchautoren ausgerechnet auf Kubricks „Shining“ zurück. Von diesem inspiriert gab Ovidio G. Assonitis ein Drehbuch in Auftrag, in das drei weitere Autoren ihren Einfluss prägten. Das Endergebnis hat freilich wenig mit „Shining“ zu tun, und selbst nach Fertigstellung dieses Drehbuchs behielt sich Assonitis vor, wie er was umsetzen würde.

 

Apropos Umsetzung: Ovidio G. Assonitis, eigentlich gebürtiger Grieche, ist ein Mann, der aufgrund seiner jahrzehntelangen internationalen Arbeit auf dem Gebiet der Vermarktung ausländischer Filme in Europa und den USA über herausragende Kontakte verfügte. Allerdings kaum über technische Erfahrung, wie man denn nun selbst einen Film inszeniert. Wie hat er also Regie geführt? Die Antwort darauf ist ein Team-up. 1973 war Assonitis Co-Produzent für Raimondo del Balzos Melodram „Der letzte Schnee des Frühlings“ (L'ultima neve di primavera, 1973) und aufgrund mangelnder Regieerfahrung del Balzos wurde dieser in technischen Details von seinem Kameramann Roberto D'Ettorre Piazzoli unterstützt. Und so trafen Assonitis und Piazzoli aufeinander, und wer sich den Stab von Assonitis‘ späteren Regiearbeiten mal genauer anschaut, wird feststellen, dass er immer mit Piazzoli zusammenarbeitete. Die beiden waren also ein Team, einer hatte die Regie über die Szenen, der Andere das letzte Wort über die Technik, die Assonitis nicht beherrschte.

 

Aber es kam noch ein dritter ins Spiel. Da weder Assonitis noch Piazzoli ausreichend Englisch sprachen, fungierte der Casting-Director in Georgia, Stratton Leopold, zusätzlich als Regie-Assistent und Sprachmittler für die ausnahmslos englischsprachigen Darsteller. Die Produktionskosten betrugen etwa 2 Millionen Dollar, und da Assonistis den Verleih Warner Brothers (gute Kontakte gehen doch über alles) überließ, spielte der Film schließlich ein Vielfaches seiner Kosten wieder ein. Warner erdachte auch den Kino-Verleihtitel „There was a little Girl“, den Assonitis von den vielen Titeln, unter denen der Film schließlich auch veröffentlicht wurde (And when She Was bad, Madhouse, Scared to Death, etc.), bis heute favorisiert. Zensurprobleme in beispielsweise England und Deutschland wurden zum Garant dafür, den Film über Jahrzehnte hinweg aufgrund seines Rufes auf VHS, DVD oder heutzutage Blu-ray erfolgreich vermarkten zu können. Gedreht wurde in Georgia, größtenteils im Kehoe House, einem ehemaligen Beerdigungsinstitut, das in dem Ruf stand ein Geisterhaus zu sein und welches auch in Lucio Fulcis „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (Paura nella città dei morti viventi, 1980) zu sehen war.

 

„Party des Schreckens“ ist ein sehr düsterer und harter Film. Ein großer Teil der Morde wird von einem Rottweiler ausgeführt. Während der Dreharbeiten waren es eigentlich zwei, und als erstes Opfer des Tieres sieht man deren Trainer. Doch hinter all dem Geschehen steht ganz in Giallo-Manier ein krankes Gehirn. Interessanterweise gibt es recht früh im Film eine Stelle, an der der Täter bereits sehr deutlich verraten wird, das wird man beim ersten Anschauen des Films aber eher nicht bemerken. Eigentlich ist es in Gialli in der Praxis eher selten, dass die Story dem Zuschauer Gelegenheit gibt, den Täter schon im Vorfeld zu erraten, meist wird eine Lösung/Trauma erst am Ende aus dem sprichwörtlichen Hut gezaubert. Einen großen Teil seiner Atmosphäre hat „Party des Schreckens“ der Kameraarbeit von Roberto D’Ettore Piazzoli zu verdanken, der viel mit Weitwinkeln arbeitet. Große Schwierigkeiten gab diesem das bei Kerzenlicht im Keller des Kehoe Hauses gedrehte Finale auf, denn Kerzenlicht ist für einen Kameramann immer schwierig. Hier möchte ich bezüglich der „Amerikanisierung“ des fertigen Films ausdrücklich bemerken, dass die Crew hinter der Kamera aus Italienern bestand, und das merkt man dem Endergebnis auch an. Kein amerikanischer Slasher hat diese Art von Atmosphäre.

 

So auch die Musik. Riz Ortolani war hier noch ganz in Cannibal Holocaust-Stimmung. Zahlreiche Tracks der Filmmusik zu „Party des Schreckens“ sind Variationen von musikalischen Themen aus Cannibal Holocaust, die Instrumentierung ebenso fast die gleiche. Für Verstimmung bei den Hütern des Jugendschutzes in Deutschland und England sorgte nicht zuletzt eine Szene, in der ein Rottweiler einen Gehirneinlauf mit einem elektrischen Bohrer bekommt. Hierbei handelt es sich selbstverständlich um einen Effekt, der Hundekopf ist nicht echt – schließlich sind wir hier nicht in einem Lenzi-Film.

 

Apropos Warner Brothers. Neben „Party des Schreckens“ kam mit J. Lee Thompsons „Ab in die Ewigkeit“ (Happy Birthday to me) fast zeitgleich ein recht ähnlich thematisierter, allerdings in Kanada produzierter Film, in die Kinos. Bei beiden Filmen hatte Warner für einige Länder die Verleihrechte gesichert. Zufall? Oder war da eine Petze im Spiel?

Links

OFDb
IMDb



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