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Tal der Hoffnung

Deutschland | Italien | Spanien, 1967

Originaltitel:

Clint el solitario

Alternativtitel:

Clint il solitario (ITA)

Clint the Stranger (USA)

Nevada Clint (USA)

Clint, the Lonely Nevadan

Clint, the Nevada's Loner

Una tumba para Johnny Ringo

Ein Mann kommt zurück

Inhalt

Clint Harrison (George Martin) gilt als Revolverheld, da er bislang keiner Schießerei aus dem Weg gegangen ist. Aufgrund seines gewaltbereiten Lebenswandels verließ ihn seine Frau Julie (Marianne Koch) bereits vor einigen Jahren, doch eines Tages kommt es zu einem Wiedersehen, dass Clint zum Umdenken bewegt. Zum einen empfindet er nach wie vor etwas für seine Frau, zum anderen haben die beiden einen gemeinsamen Sohn, um den sich der Rückkehrer ab sofort kümmern will. Clint händigt Julie seinen Revolver aus und beteuert, ab sofort ein rechtschaffenes Leben zu führen. Allerdings hat er die Rechnung ohne den rücksichtslosen Viehzüchter Walter Shannon (Walter Barnes) und seine Helfershelfer gemacht, die die Gegend gemeinsam in Angst und Schrecken versetzen. Wird Clint diesem Spuk ein Ende bereiten können..?

Autor

Prisma

Review

Alfonso Balcázars Beitrag mit dem trügerisch klingenden Titel "Tal der Hoffnung" kann sicherlich nicht als Italowestern reinster Seele bezeichnet werden, denn dafür lassen sich zu viele Anleihen am gängigen US-Western oder ähnlichen Vertretern erkennen, wenngleich sich aufgrund der beeindruckend kontrastreichen Schauplätze in Spanien ein ganz besonderes und autonomes Flair aufbauen kann. Satte Wiesen und grüne Täler liegen zu Füßen verschneiter Berggipfel, und staubige Steppen führen in eine durch Anti-Moral verseuchte Stadt, die üblicherweise von nahezu nur einer Person beherrscht wird. Die Spannungen und Konflikte deuten sich hier nicht nur rapide an, sondern entladen sich plötzlich in Form von Aggressivität und Mord, was der dosierten Spannung nicht nur zuträglich ist, sondern sie durch den weiteren Verlauf mitnimmt. Geschickt in eine publikumswirksame Parallelhandlung eingearbeitet, kann sich die bevorstehende Rachegeschichte mit dem Abtragen von dicken Mauern befassen, um alte Gefühle der Zuneigung wieder aufleben zu lassen. Der spanische und italienische Kinostart dieser Produktion erfolgte im Jahr 1967 und konnte beim Haupt-Financier Spanien sogar für satte Besucherzahlen von annähernd 1,5 Millionen sorgen, wobei sich in Deutschland offenbar kein Verleih finden ließ, sodass die Produktion hierzulande erstmals im Jahr 1990 im Free-TV zu sehen war. Eine knackige Dialogarbeit sowie hochkarätige Synchronsprecher, wie beispielsweise Hansjörg Felmy, Marianne Koch oder Gerd Martienzen, berichten zweifellos von einem anvisierten Kinostart, allerdings teilten zahlreiche Filme das gleiche Schicksal wie dieser und verschwanden ohne Auswertung wieder schnell in der Versenkung.

 

Wirksame Zutaten, wie die Integrierung von himmelschreienden Ungerechtigkeiten, das Appellen an Beschützerinstinkte und Vorstellen liebens- und hassenswerter Charaktere sowie brutaler Willkürherrschaft oder ungesgtillter Rachegedanken gehen unter Regisseur Balcázar Hand in Hand mit einer soliden und meist kurzweiligen Inszenierung, die beinahe selbstbewusst eine Geschichte erzählt, die wohlgemerkt schon dutzendfach in gleicher oder abgewandelter Manier dagewesen ist. Sympathische, im Genre verdiente oder völlig neue Gesichter bereichern den Verlauf abwechslungsreich und vielversprechend. In der männlichen Hauptrolle ist der spanische Interpret George Martin zu sehen, der bereits zahlreiche Auftritte im Italowestern vorzuweisen hatte. Zwar erscheint die Rolle des Clint Harrison von Beginn an bemüht undurchsichtig angelegt, allerdings dürfte es für Kenner des Genres leicht zu durchschauen sein, mit wem man es eigentlich zu tun hat, was übrigens auch für den Rest der Crew gilt. Diese Art der Verlässlichkeit schneidet die konkurrierenden Seiten vielleicht etwas zu durchsichtig aus, aber es wird auch an einige Konturierungen der Haupt-Charaktere gedacht, die allesamt gute Eindrücke hinterlassen können. Spätestens seit ihrer Partizipation in Sergio Leones Großerfolg "Für eine Handvoll Dollar" wirkt die Interpretin Marianne Koch kaum mehr wie ein Fremdkörper in solchen Veranstaltungen, und es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, welche Anpassungsfähigkeit die Deutsche für unterschiedlichste Anforderungen und Genres mitbringen konnte. Ihre Darbietung harmoniert sehr ansprechend mit jener von George Martin, sodass ein natürliches Interesse an diesem Handlungsstrang entstehen kann.

 

Die Motivation der handelnden Personen ist unterschiedlicher Natur und es wird über den gesamten Verlauf auch streng darauf geachtet, dass es diesbezüglich zu keinen Verschiebungen kommt, die nicht nachvollziehbar wären. Die passenden Gangstervisagen liefern Darsteller, die bereits oft mit solchen Anforderungen vertraut gewesen sind. In diesem Zusammenhang erscheint Walter Barnes von seiner Wirkungsweise her nicht zuletzt so perfide, da er hier und da greifbarer erscheint, als viele ähnliche Zeichnungen diverser Antagonisten. Seine rücksichtslose Crew hat er dabei gut im Griff, sodass sich beispielsweise Pinkas Braun oder insbesondere Fernando Sancho nach Herzenslust austoben dürfen. Erwähnenswert ist bestimmt die Partizipation des Österreichers Gerhard Riedmann, der sich vor allem einen Namen als Charmeur des 50er-Jahre-Heimatfilms machen konnte, daher vergleichsweise fremdartig anmutet. Insgesamt kann allerdings gesagt werden, dass Regisseur Balcázar seine doch sehr unterschiedliche Besatzung sehr gut im Geschehen platzieren konnte. Die Geschichte zieht ihre weitere Spannungskurve aus der geschickten Verwebung der maßgeblichen Handlungsstränge, die sich ab einer gewissen Zeit sogar bedingen. Action und Tempo laufen unterm Strich und in bestimmten Intervallen deutlich auf Sparflamme, sodass der Film oftmals noch dialoglastiger wirkt, als er tatsächlich ist, allerdings bleibt die Inszenierung auffällig linear und alles erhebt sich wie aus einem Guss. "Tal der Hoffnung" ist als Hybrid-Western und angenehm schnörkelloser Vertreter zu beschreiben, der vor allem seine begrenzten dramaturgischen Kapazitäten optimal ausnutzt und bestimmend zum bevorstehenden Showdown führt, auch wenn große Neuerungen insgesamt ausbleiben werden.

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Prisma

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