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Wie tötet man eine Dame?

Österreich | Deutschland | Italien, 1966

Alternativtitel

Guet-apens à Téhéran (FRA)

Tiro a segno per uccidere (ITA)

Operación gigante (ESP)

Target for Killing (GBR)

How to Kill a Lady

The Secret of the Yellow Monks

Das Geheimnis der gelben Mönche

Deutsche Erstaufführung

30. September 1966

Drehbuch

Anatol Bratt

Inhalt

An ihrem 25. Geburtstag soll Sandra Perkins (Karin Dor) ein Vermögen von mehreren Millionen Dollar erben, doch bevor sie in den Genuss der absoluten Unabhängigkeit kommen kann, folgen zahlreiche Mordanschläge auf die schöne Erbin. Während eines Fluges kommt es zunächst zu einem misslungenen Giftanschlag, anschließend verlässt die korrupte Crew das Flugzeug, um es über dem offenen Meer abstürzen zu lassen. Gemeinsam mit dem Passagier und Geheimagenten James Vine (Stewart Granger) bringt sie die Maschine unbeschadet zu Boden, allerdings ist Sandra immer noch in akuter Lebensgefahr. Eine verbrecherische Organisation setzt weiterhin alles daran, den perfiden Mordplan in die Tat umzusetzen, sodass James Vine auf eigene Faust ermittelt. Wer will Sandra aus dem Weg geräumt sehen..?

Autor

Prisma

Review

Der deutsche Synchronregisseur, Drehbuchautor und Filmregisseur Manfred R. Köhler inszenierte in seiner Karriere nur wenige Kinofilme, die darüber hinaus allesamt den Abenteuer- oder Agentenkrimis zuzuordnen sind. Sein 1966 entstandener Vertreter "Wie tötet man eine Dame?" lief in österreichischen Kinos unter dem ebenso wenig geglückten Titel "Das Geheimnis der gelben Mönche", bei dem sich eine deutliche Anlehnung an gängige Wallace-Formate beobachten lässt, was sich in Teilen auch in der Auswahl der einschlägig bekannten Besetzung widerspiegelt. Dem in Jugoslawien gedrehten Film eilen Ungereimtheiten bei der Herstellung voraus, wie beispielsweise Probleme bei der Finanzierung, was sich im fertigen Produkt jedoch nicht unbedingt exponiert offenbart. Daher kann auch dieser typische Vertreter der Eurocrime-Welle durchaus seine Akzente setzen, die in vielen Fällen derart gefällig wirken, weil sie sich über mehrere Jahre als Genre-Markenzeichen etablieren konnten. Die Geschichte erzählt eine der gefühlt unzähligen Varianten der tödlichen Bedrohung für eine designierte Millionenerbin, die vor allem wegen der Verpflichtung von Karin Dor hemmungslos an Beschützerinstinkte appelliert, was in Köhlers solide inszenierten Beitrag auch aufgehen wird. Der Einstieg schildert neben einigen glücklichen Zufällen vor allem die Rücksichtslosigkeit der verbrecherischen Organisation und deren Helfershelfer, die bereit sind, die komplette Besatzung eines Flugzeuges in den Tod zu schicken, um das anvisierte Opfer liquidieren zu können. Schnelle Vorstellungen unterschiedlicher Charaktere sorgen für angenehme Abwechslung in einem teils vorhersehbaren Verlauf, der von schönen Locations und extravaganter Bebilderung lebt, aber insbesondere mit seiner Top-Besetzung punkten kann.

 

Stewart Granger, der in jenem Zeitfenster einige Auftritte in derartigen Genre-Vertretern vorzuweisen hatte und in Deutschland große Popularität wegen seiner Rollen bei Karl-May erlangte, zieht seine gute Spiellaune aus der Tatsache, dass ein kompletter Verlauf um ihn herumkonstruiert wurde. Den Geheimagenten James Vine umweht eine merkliche Nonchalance, er erreicht seine Ziele mit Witz, Charme und gleichzeitig Verbissenheit, sodass wenige Zweifel bestehen, dass er sich zum strahlenden Helden der Geschichte hocharbeiten kann. An seiner Seite ist eine wie immer schöne und geschmeidig wirkende Karin Dor zu sehen, die sich zugunsten Stewart Grangers Reputation in einen Hauch von Naivität zu kleiden hat. Sandra Perkins gerät in einen Strudel aus Intrigen und Mord, ohne zu ahnen, wer es auf ihr Leben abgesehen haben könnte. Dass eine immense Summe im Hintergrund steht, liefert das nötige Motiv und gleichzeitig die passenden Verdächtigen, wenngleich im Bereich der Täterfindung und der entsprechenden Entlarvung kaum Spannung aufrecht erhalten werden kann. Vielmehr gefällt sich Regisseur Köhler darin, das kriminelle Potential der Gegenspieler auf einem Silbertablett zu servieren, und in diesem Zusammenhang bekommt der interessierte Zuschauer sehr passende, teils sogar spektakuläre Zeichnungen geboten. Beim Thema spektakuläre Darbietung muss speziell die überaus attraktive Italienerin Scilla Gabel erwähnt werden, die wahlweise mit tatsächlichen, oder den scharfen Waffen einer Frau zu kämpfen weiß. In der Organisation "Das Auge" genießt sie ganz offensichtlich eine Sonderstellung und bekommt daher den Luxus eingeräumt, ihre sadistische Ader ausleben zu können, was sich insbesondere in den gemeinsamen Szenen mit ihrer österreichischen Kollegin Erika Remberg zeigt.

 

Die internationale Besetzung kann insgesamt als abwechslungsreich und ausgewogen beschrieben werden, da bis in die Nebenrollen Akzente gesetzt werden. Bekannte Interpreten wie Curd Jürgens, Rupert Davies, Adolfo Celi, Luis Induni, Demeter Bitenc oder Klaus Kinski bedienen die Schablonen zwischen Gut und Böse sehr überzeugend, können gleichzeitig für die Variabilität sorgen, die der Story hin und wieder fehlt. Eine recht unsentimentale Würze steht dieser Geschichte unterm Strich recht gut, auch wenn die Frage im deutschen Verleihtitel eigentlich nicht geklärt werden kann. Ein Mordanschlag folgt dem nächsten, doch es werden reihenweise andere Köpfe rollen, bis sich das Feld insofern lichten kann, dass Brücken zu den Drahtziehern gebaut werden können. Da eine große Erbschaft über allem steht, wirkt das Ganze im Endeffekt vielleicht weniger ausgeklügelt, da es sich thematisch gesehen um einen gerne ausgeschlachteten Dauerbrenner handelt, doch durch nette Einfälle der Regie läuft alles zielführend, da der rote Faden nie aus der Hand gegeben wird. Inszenatorisch betrachtet handelt es sich bei "Wie tötet man eine Dame?" schließlich um ein typisches Kind seiner Zeit, das mit obligatorischen bis extravaganten Kniffen Ausrufezeichen setzen und punkten kann, ohne dabei aus seinem sicheren Fahrwasser auszubrechen. Im Vergleich zur Konkurrenz ist allerdings nur ein einheitliche wirkendes Produkt entstanden, das nicht zuletzt so überaus kurzweilig ausgefallen ist, weil es sich den Luxus einer überdurchschnittlichen Entourage leistet, die sich hier keine Blöße gibt. Im letzten Drittel des Films mobilisieren sich noch einmal alle Kräfte, sodass ein insgesamt runder und angenehmer Eindruck zurück bleibt, der die Entscheidung erleichtern und vielleicht sogar beschleunigen wird, sich diesen soliden Vertreter zwischendurch wieder anzuschauen.

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Prisma

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