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Dschungel Django

Italien | Mexiko | Spanien, 1979

Originaltitel:

Il cacciatore di squali

Alternativtitel:

The Shark Hunter

Django and the Sharks (BRD)

El cazador de tiburones (ESP)

Le Chasseur de monstres (FRA)

Deutsche Erstaufführung:

13. März 1980

Inhalt

Mit dem Absturz eines Flugzeugs über dem Karibischen Meer gerät auch dessen exquisites Transportgut, stolze 100 Millionen US-Dollar, in die buchstäbliche Versenkung. In den Tiefen des Meeres, umgeben von einer Armada ausgehungerter Haie, lungern fortan das Flugzeugwrack und sein kostbarer Inhalt. Der einzige Überlebende des Flugzeugunglücks, Mike di Donato, hat sich mittlerweile auf einer benachbarten Insel niedergelassen, um dort – zumindest offiziell – als Haisucher seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Inoffiziell doktert der für die Einheimischen als Aussteiger verschriene di Donato, hin und wieder auch Django genannt, emsig daran, die 100 Millionen Dollar zu bergen. Zu diesem Behufe verbündet er sich mit Acapulco, einem Schürzenjäger, Witzbold wie Profitaucher zugleich. Nahezu gleichlaufend trifft auf dem malerischen Eiland ein neugieriger Fremder namens Donovan ein, der Mike kraft geschickter Fragen die allegorischen Würmer aus dem Riechkolben ziehen will. Auch der suspekte Ramon, der aus dem Dunstkreis des gewissen- wie gesinnungslosen Capitano Gómez kommt, scheint mehr über die 100 Millionen Dollar zu wissen, als Mike es ad interim annimmt.

Review

Wäre dem Residenz-Filmverleih nicht die fabelhafte Idee entsprossen, die Firmierung „Der Haijäger“ zu ignorieren und stellvertretend die Fanfare DSCHUNGEL DJANGO zu komponieren, dann wäre Castellaris Film in den frühen 1980ern mit der Geschwindigkeit eines ultraschnellen Kurzflossen-Makohai an mir vorbei gerauscht. Doch der feine Titel ließ mich aufhorchen, sodass ich DSCHUNGEL DJANGO tatsächlich und freilich jünger als es die Altersfreigabe eigentlich forderte, im Bochumer Union Theater geschaut habe. In Erinnerung blieb mir neben dem herausragenden Titel jedoch einzig ein langhaariger Franco Nero. Der Rest war mir gänzlich entfallen. Da freut man sich doch wesentlich doller, wenn sich plötzlich die Gelegenheit bietet, das Vergessene kraft der VMP-VHS aufzufrischen. Aber: So doll wie die infantile Vorfreude es erhoffen ließ, ist der Film aber beileibe nicht geraten.

 

Mittels einer rasanten Fahrt entlang eines karibischen Strands macht sich die von Raúl Pérez Cubero (der u. a. DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN fotografierte) geführte Kamera auf die Suche nach unserem Titelhelden Mike di Donato alias Django. Begleitet von einer Musik, die fernab von Easy Listening-Klängen (die ich mir von einer Action-Abenteuer-Mixtur, die ihren Schauplatz auf eine Insel verlegt, gelegentlich schon mal wünsche) beheimatet ist. Der belanglose Score besitzt im Übrigen keinerlei Anlagen, um sich in den Gehörgängen seiner Zuhörer einzunisten und einhergehend zum traditionell geschätzten Ohrwurm zu mutieren.

 

Der vor der Kamera erspähte Mike ist ein gesellschaftlicher Aussteiger wie Haijäger, der uns prompt einen kurzen Einblick in seine gefährliche Tätigkeit erlaubt. Währenddessen sowie darüber hinaus wirken die Bilder als wurden sie in der zweiten Hälfte der 1980er und nicht Ende der 1970er fotografiert. Was allerdings nichts zu bedeuten hat, denn auch DER WEIßE HAI wirkt auf mich, gemessen an seiner Optik, jünger als es ihm sein Erscheinungsjahr (1975) attestiert. Das soeben mehr oder minder gelenk aufgerufene Spielbergsche Fahrwasser (DER WEIßE HAI erhielt 1978 ein meines Erachtens gelungenes Sequel) brachte Castellari Anfang der 1980er und rund 2 Jahre nach DSCHUNGEL DJANGO gar dazu, sich intensiver mit dem Hai-Thema auseinanderzusetzen und der gebürtige Römer inszenierte mit dem großartigen Vic Morrow in der Hauptrolle das kostengünstige JAWS-Plagiat THE LAST JAWS – DER WEIßE KILLER.

 

DSCHUNGEL DJANGO ist von solchen Remake-Ambitionen weit entfernt. Der Film stellt seinen Hauptcharakter zwar als Haijäger vor, beobachtet ihn zeitweise bei der Jagd und lässt die Knorpelfisch um ein versunkenes Flugzeugwrack kreisen, bestätigt auf diesem Wege aber nur einen Hauch von Tierhorror. Schließlich gefährdet keiner der blitzschnellen Killer in irgendeiner Weise die Inselbewohner. Das Mensch-Hai-Motto (Mike alias Django ausgeklammert) lautet schlicht und ergreifend: Leben und leben lassen. Das Hauptthema des Films definiert sich stattdessen über die Jagd nach Geld sowie dem damit verbundenen Zugang zum versunkenen Flugzeugwrack.

 

Der Verlust von Ehefrau und Sohn trieben Mike di Donato in die weite Ferne, um dort eine neues Leben anzustimmen, die Depressionen abzuschütteln, die alte Fitness wiederzuerlangen und simultan neuen Schwung aufzunehmen. Es ist die Flucht vor den Dämonen der Vergangenheit, die auf einem paradiesischen Eiland endet, welches jeden Freak und Spinner duldet, der (s)ein neues Glück (ver)suchen will. Wer träumt nicht von diesem Zufluchtsort und davon dem alltäglichen Trott sowie der Ellbogengesellschaft Adieu zu sagen? Ich! Zumindest würde es mich nicht in die sonnendurchflutete Karibik, sondern nach Schottland verschlagen, um es mir bei wesentlich angenehmeren Temperaturen in den Highlands gut gehen zu lassen und tagtäglich über den schottischen Exportschlager, die Punkzerstörer mit dem unangemessenen Namen The Exploited, abzulästern.

 

Mike reflektiert jenen Aussteiger, den man sich Ende der 1970er in optischer Hinsicht auch genauso vorgestellt hat. Entspannt, lange Haare, Stirnband. Und er besitzt - man lese und staune - tatsächlich eine Parallele zur Django-Figur, nämlich die Gier nach Reichtum, welche die Bergung von 100 Millionen Dollar provoziert. Eine solche horrende Geldsumme ist natürlich polyvalent begehrt, sodass alsbald gleich mehrere schräge Vögel Mikes Wege kreuzen: Capitano Gómez (gespielt von „Major Jackson“ – eine weitere Linie zu Corbuccis DJANGO), der zwielichtige Ramon und der neugierige Donavon. Die Figuren sind (inklusive des Scherzkekses Acapulco, der Mike hin und wieder mit Gringo anspricht) übrigens eindeutig skizziert, denn die Exposition betreibt kein Verwirrspiel um Gut und Böse und lässt alles nach dem bewährten Schema F ablaufen.

 

Ähnlich der Unverkennbarkeit seiner Figuren respektive Charaktere demonstriert sich auch der Handlungsverlauf. Spannungssteigerung, Retardierung und Katharsis werden zwar allesamt bedient, aber die Narrative bietet keine besonderen Überraschungen. Man schaut sich DSCHUNGEL DJANGO an und weiß nach rund 15 Minuten (Exposition) was innert der restlichen Spielzeit abgehen wird. Zudem wirken, was mich überraschte, die Actionmomente eher enttäuschend und minder mitreißend. Von einem Actionspezialisten wie Castellari erwarte ich deutlich mehr, als er mir schlussendlich offeriert. Auch die für den Regisseur typischen Zeitlupenszenen, die ich partout zu den wenigen Highlights des Films zähle, sind wider Erwarten rar gesät.

 

 

Fazit: DSCHUNGEL DJANGO (die Firmierung reflektiert mindestens 5 Richtige im Zahlenlotto) ist ein äußerlich ab und an gefälliges und inhaltlich weitestgehend dürftiges Karibik-Action-Abenteuer, das vornehmlich von der Präsenz seines sympathischen Hauptdarstellers und der erfrischenden deutschen Kinosynchronisation speist.

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