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Mein Allerwertester

Frankreich | Italien | Spanien, 1957

Originaltitel:

Totò, Vittorio e la dottoressa

Alternativtitel:

Mi mujer es doctor (ESP)

Skandaalilääkäri (FIN)

Dites 33 (FRA)

Totó, Vittorio e a Médica (PRT)

The Lady Doctor (USA)

Totò, Vittorio and the Doctor

Totò, Vittorio und die Ärztin

Inhalt

Auf einem Ärztekongress in Madrid trifft die amerikanische Ärztin Brigitte (Abbe Lane) den Anwalt Otello Bellomo (Germán Cobos). Die beiden heiraten und ziehen zu ihm nach Neapel. Da der Beruf der Ärztin in Italien noch als reiner Männerberuf gilt, bittet Otello sie, seinen beiden ältlichen und reichen Tanten Ada und Ida nichts von ihrer Profession zu erzählen.

 

Da Brigitte häufig unterwegs ist, sind die beiden Tanten misstrauisch und vermuten, dass sie eine heimliche Affäre hat. Sie beauftragen die grenzwertigen Privatdetektive Michele „Mike“ Spillone (Totò) und Johnny (Agostino Salvietti) mit der Überwachung Brigittes. Als Brigitte ins Haus des Marquese de Vitti (Vittorio de Sica) gerufen wird, dem ein eifersüchtiger Ehemann in den Hintern geschossen hat, kommt es zu einer verfänglichen Situation, die von den Detektiven fotografisch festgehalten wird, allerdings ohne die Köpfe der Beteiligten.

 

Das Detektivduo bleibt jedoch am Ball, die Tanten fordern klarere Beweise, und in Otello beginnt die Eifersucht zu schwelen. Als der Marquese ins Krankenhaus kommt, um sich die Schrotladung aus dem Allerwertesten entfernen zu lassen, kommt es zum Showdown.

Review

TOTÒ, VITTORIO E LA DOTTORESSA ist eine Komödie von Camillo Mastrocinque, produziert von Dario Sabatello für Jolly Film im Verleih der Unidis. Spanien und Frankreich waren als Co-Produzenten dabei, namentlich die Fénix Cooperativa Cinematográfica und Gallus Films. Die Story-Idee stammte von Dario Sabatello und Roberto Gianviti (uncredited), welche von Vittorio Metz und Marcello Marchesi zu einem Drehbuch ausgearbeitet wurde.

 

Dann lief irgendwas schief. Die Story ist verdammt gut, die Verteilung und Art der Charaktere, die Verwicklungen und Situation, alles scheint einen amüsanten Film zu garantieren. Doch irgendwie will die Mischung nicht zünden. Beginnen wir mit dem Originaltitel. Totò und Vittorio, das scheint einen gemeinsamen Film zu versprechen, doch tatsächlich haben der bekannte Komiker und Vittorio de Sica nicht eine gemeinsame Szene. Für die weibliche Hauptrolle der Ärztin Brigitte castete man die New Yorkerin Abbe Lane, doch sorry, sie kommt nicht eine Sekunde wie eine Ärztin rüber. Sie ist sehr schön, ordentlich frisiert und glamourös ausstaffiert, macht aber nicht den Eindruck als könne sie bis Drei zählen.

 

Letzteres trägt dazu bei, einen wichtigen Aspekt der Geschichte zu untergraben. Einerseits prangert man an, dass eine weibliche Ärztin von der Männerwelt nicht für voll genommen wird, andererseits macht der Film es genauso. Hier kommt auch Vittorio de Sica ins Spiel. Er stellt einen schürzenjagenden Marquese dar, der von einem eifersüchtigen Ehemann eine Schrotladung in den Allerwertesten bekommen hat. Als Brigitte – ein weiblicher Arzt – bei ihm auftaucht, kommt wieder der Schürzenjäger in ihm hervor, aber vor allem will er einer Frau nicht das Problem mit seinem Hintern offenbaren oder gar zeigen. Er wird viel leiden müssen, bis es ihm schließlich egal wird, wer ihm die Ladung aus dem Po entfernt.

 

Als Sidekick hat man Komiker Totò diesmal Agostino Salvietti an die Seite gestellt. Der altgediente Schauspieler (schon seit Stummfilmzeiten tätig) hinterlässt in TOTÒ, VITTORIO E LA DOTTORESSA aber kaum einen bleibenden Eindruck. Überhaupt ist Totò in diesem Film verdammt anstrengend. Man hat ein paar bekannte Kabinettstückchen des Komikers in seine Rolle als Detektiv gepresst, und das wirkt sehr gezwungen.

 

Freilich bedeutet das nicht, dass man als Zuschauer keinen Spaß haben kann. Die Albernheit der Umsetzung – die der Filmdienst einer kruden deutschen Synchro zuschreibt, aber nein, das ist im Original genauso – beweist Mut zum Chaos. Vittorio de Sica ist in seiner komischen Rolle über jede Amateurkritik erhaben und hat insbesondere mit Titina de Filippo – welche die Mutter des Marquese spielt – ein paar tolle Momente, ebenso mit seinem Diener Romeo (Pierre Mondy). Interessant ist auch ein Rededuell, das der leidende Marquese mit einem ungenannten politischen Gegner hat. Ist das Fulci? Oder ein sehr früher Luciano Pigozzi? Das Gesicht wirkt jedenfalls bekannt, siehe Screenshot 10.

 

Während einer amüsanten Szene in einem Restaurant gibt es auch etwas Gesang. Teddy Reno performt „Piccolissima Serenata“ (Musik und Text: Antonio Amurri und Gianni Ferrio“), sowie „‘A Sonnambula“ (Musik und Text: Gigi Pisano und Eduardo Alfieri, Arrangement Gianni Ferrio). Der übrige Soundtrack des Films stammt von Carlo Innocenzi.

 

Schwierig für italienische Zuschauer dürfte die Wahl der Locations gewesen sein. Nach dem Anfang in Madrid soll der Film in Neapel spielen, aber selbst als Nicht-Italiener kann man schnell Rom identifizieren. Besonders bekannt ist die Klinik (im Film „Villa Valeria“ genannt) im Finale, welche sich im Stadtteil Monte Sacro befindet und noch heute existiert. Und an der Villa des Marquese bin ich in Rom selbst vorbeigelaufen.

 

Trotzdem: wer Mut zu reichlich Klamauk und sehr, sehr vielen viel Wortspielen hat, kann sich mit TOTÒ, VITTORIO E LA DOTTORESSA gern amüsieren.

Links

OFDb

IMDb

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