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Neros tolle Nächte

Frankreich | Italien, 1956

Originaltitel:

Mio figlio Nerone

Alternativtitel:

Nero's Big Weekend

Mi hijo Nerón (ESP)

Les week-ends de Néron (FRA)

Nero's Weekend (GBR)

O gios mou o Neronas (GRC)

Az én fiam, Néró (HUN)

Mój syn Neron (POL)

Os Fins-de-semana de Nero (PRT)

Neros älskarinna (SWE)

Nero's Mistress (USA)

O.K. Nero (USA)

Deutsche Erstaufführung:

6. Dezember 1957

Regisseur:

Steno

Kamera:

Mario Bava

Inhalt

Kaiser Nero (Alberto Sordi) hat sich mit Seneca, Geliebter und Gefolge nach Bauli zurückgezogen, um sich vor seiner Mutter Agrippina zu verstecken, die ihn unbedingt in den Krieg schicken will. Tatsächlich versuchen er und seine Mutter stetig, sich gegenseitig aus dem Weg zu räumen. Als Agrippina nach Bauli kommt, eskaliert die Situation, denn sie setzt alles daran, ihrem Sohn vor Augen zu führen, was für ein schlechter Sänger er ist. Das schreit nach Rache.

Review

NEROS TOLLE NÄCHTE ist eine jener Komödien von Steno, der ich nicht so viel abgewinnen konnte. Dass der Film es 1957 im Verleih der Union in deutsche Kinos schaffte, ist wohl der hervorragenden Besetzung und der Tatsache zu verdanken, dass er in gewisser Weise auch eine Persiflage auf QUO VADIS (1954) ist. Also beginnen wir mit dem Positiven.

 

Alberto Sordi legt seinen Nero als Ulk auf Peter Ustinovs Darstellung des Nero an. Das kann man durchaus positiv bewerten. Als Sordi-Fan sehe ich das nicht so, eigenständig gefällt er mir besser. Neben diesem spielt Vittorio de Sica seinen Berater Seneca als Philosophen, der sich angeblich stets nach dem Tod sehnt aber nie um eine List verlegen ist, diesen zu umgehen. Stummfilm-Star Gloria Swanson (BOULEVARD DER DÄMMERUNG, 1950) ist hier in ihrem fast letzten Kinofilm zu sehen, neben der vorläufig noch weniger bekannten Brigitte Bardot als Neros Geliebter Poppea.

 

Die Story kreist um den Konflikt zwischen Mutter und Sohn, durchzogen mit schwarzhumorigen Dialogen und einigen sehr charmanten Sordi-Momenten, etwa wenn er ein Orchester aus Tieren dirigiert. Die Kameraarbeit von Mario Bava ist unübersehbar, die begrenzte Location ist in Farben getaucht, im Hintergrund durch Bavas bekannte Kameratricks eingefügte „Großbauten“. Die Musik von Angelo Francesco Lavagnino mit Carlo Savina als Dirigenten liefert ein seltsam deplatziert wirkendes dramatisches Titelstück, das wohl als Persiflage auf die schweren Klänge großer Monumentalfilme gedacht war aber eben nicht zu einer Komödie passt.

 

Recherchiert man ein wenig zum Film, stößt man wenig überraschend darauf, dass auch die Beteiligten nicht mit dem Endergebnis zufrieden waren. Einer Anekdote zufolge hätten De Sica und Swanson die Rollen nur akzeptiert, weil sie unbedingt mal gemeinsam spielen wollten. Gloria Swanson soll später zu ihm gesagt haben, „was waren wir für Narren“. Zudem soll die alternde Diva sich sehr eifersüchtig gegenüber Brigitte Bardot verhalten haben. Deren Rolle der Poppea war ursprünglich für die zu diesem Zeitpunkt in Italien viel bekanntere Anita Ekberg vorgesehen. Swanson und Ekberg zusammenzustecken hätte aber wohl zu einer Katastrophe führen können.

 

Als der Film am 7. September 1956 bei der 17. Ausgabe der Filmfestspiele in Venedig uraufgeführt wurde, soll Alberto Sordi nach der Hälfte den Saal verlassen haben – irritiert von seiner eigenen Darstellung. Auch Steno zeigte sich im Nachhinein unzufrieden. Es war ihm nicht gelungen eine Verbindung zu Gloria Swanson zu schaffen, die nach seiner Ansicht den schwarzen Humor des Films nie verstanden habe.

 

Nichtsdestotrotz war NEROS TOLLE NÄCHTE sehr erfolgreich, sogar bei den in Bezug auf Komödien sonst eher zurückhaltenden italienischen Kritikern. Er ist auch keineswegs unkomisch – aber irgendetwas fehlt.

 

Als Regie-Assistenten waren Lucio Fulci und Luigi Vanzi tätig. In der italienischen Tonfassung wurde Gloria Swanson von Tina Lattanzi und Brigitte Bardot von Fiorella Betti gesprochen. Der Film läuft derzeit im Originalton mit deutschen Untertiteln bei Netflix.

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