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Rita the American Girl

Italien, 1965

Originaltitel:

Rita, la figlia americana

Alternativtitel:

Rita, a Filha Americana (PRT)

Regisseur:

Piero Vivarelli

Inhalt

Serafino Benvenuti (Totò) hat, seit er die Kapelle von Torre Annunziata angeführt hat, davon geträumt, ein berühmter Komponist und Dirigent zu werden. Nach dem Tod seines Onkels, der ihm eine große Pasta-Fabrik vererbte, konnte er sich diesen Traum erfüllen, ist bei Publikum und Kritikern allerdings eher berüchtigt als berühmt.

 

Um sein Image aufzupolieren, adoptiert Benvenuti ein chilenisches Erdbebenopfer, in Erwartung ein kleines Mädchen zu erhalten. Doch das Erdbeben liegt schon etwas zurück, alle Kleinkinder sind schon weg, und so schickt man Benvenuti den Teenager Rita (Rita Pavone). Gemeinsam mit Diener Orazio (Umberto D’Orsi) und der Erzieherin Greta Wagner (Lina Volonghi) will man dem Mädchen Kultur beibringen.

 

Rita hat dagegen andere Vorstellungen. Sie steht auf moderne Musik, hat gar bereits selbst als Sängerin in ihrer Heimat Geld verdient. Und sie verliebt sich Hals über Kopf in Fabrizio (Fabrizio Capucci), dem Betreiber des „Tomato Club“, gegen den ihr Adoptivvater Benvenuti eine Privatfehde führt.

Review

Piero Vivarellis RITA, LA FIGLIA AMERICANA ist ein Musicarello aus dem Jahr 1965 und der erste Kinofilm mit Rita Pavone, die als Sängerin zu diesem Zeitpunkt bereits sehr bekannt war. Ihren ersten Auftritt hatte das kleine (1,51 m), burschikose Energiebündel schon 1959 im Alter von 14. Richtig bekannt wurde sie 1962, nachdem sie beim Talentwettbewerb "Festa degli Sconosciuti" gewann, der von dem Sänger Teddy Reno (geb. Ferruccio Merk Ricordi) organisiert wurde, den sie 1968 heiratete und der fortan ihr Manager war. In Italien damals ein Skandal, denn Teddy Reno war bereits verheiratet, 19 Jahre älter, Rita Pavone schwanger, doch die Ehe der Beiden hält bis heute, sie haben zwei Söhne. Also doch kein Skandal, manchmal behält die Zeit recht.

 

RITA, LA FIGLIA AMERICANA ist amüsant, romantisch und weiß mit guten Songs zu überzeugen. Denn Rita Pavone kann mitunter anstrengend werden, hier hält sich jedoch alles in einem wohlklingenden Rahmen. Pavones Lieder im Film sind eine Mischung aus heimischen und amerikanischen Kompositionen, wobei letztere mit italienischen Texten versehen wurden. Unter den Komponisten finden sich bekannte Namen wie Lee Hazlewood, Duane Eddy, Luis Bacalov und Lina Wertmüller (!). Unterstützt wird Pavone von der britischen Band „The Rokes“, die in Italien eine gewisse vorübergehende Bekanntheit genoß, während sie in ihrer Heimat – wo sie ursprünglich unter dem Namen „Shel Carson Combo“ entstanden – eher unbekannt blieben. Stilistisch fallen sie, wie auch Rita Pavone, in ein Musikgenre, dass die Italiener Yéyé-Musik nannten.

 

Den männlichen Part der Love-Story bestreitet Fabrizio Capucci. Dieser war während des Drehs zu RITA, LA FIGLIA AMERICANA sechs Jahre älter als Rita Pavone, bereits mit Catherine Spaak verheiratet und Vater einer Tochter. Capucci ist sehr attraktiv und bildet einen ruhigen Gegenpol zu Rita Pavone. Tatsächlich gewinnt man beim Anschauen des Films den Eindruck, dass Pavone sich in gemeinsamen Szenen zurücknimmt, um ihrem Filmpartner keine Konkurrenz zu machen. Das gelingt nur bedingt, obwohl er der erfahrenere Darsteller war. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Rita Pavone war Spielfilm-unerfahren, doch selbst wenn sie zurückhaltend agiert, verströmt sie eine seltsame Energie, die nur darauf wartet, aus ihr auszubrechen. Sie ist mit ihrem kleinen Körperbau und dem Kurzhaarschnitt keine auffällige Schönheit, und doch ist ihre weibliche Ausstrahlung kaum zu leugnen. Eine interessante Frau, die Männer mit Sicherheit auch mächtig einschüchtern konnte, selbst wenn sie ihnen nicht mal bis zur Schulter ging.

 

Kommen wir zu Totò. Der arme Mann. Er hat hier einen tollen Part und gibt sein Bestes. Ob als Dirigent oder im Zusammenspiel mit seinem Film-Diener und der deutschen Haushälterin Greta entstehen urkomische Situationen, und in seinem Verhältnis zu der Adoptivtochter im Teenager-Alter kommt es zu anrührenden Momenten. Doch die italienische Kritik war ihm damals nicht oft freundlich gesinnt. Und nun spielte er auch noch in einem Musicarello! Die Kritiken waren niederschmetternd.

 

Doch das sollte Filminteressierte von heute nicht abhalten. RITA, LA FIGLIA AMERICANA ist gelungene Unterhaltung, zudem sehr schön gefilmt. Regisseur Piero Vivarelli spielt eine Nebenrolle als Reporter, und wer im „Tomato-Club“ Ausschau hält, kann Gianni Dei und Maria Tedeschi entdecken. Ich persönlich hätte gern auf zwei Dinge verzichtet: Pavones Song „Plip“ und Totòs Auftritt als Yéyé-Sänger am Ende. Aber ansonsten ist der Film Top.

 

Und wenn Rita am Ende mit ihrem Liebsten des nachts an der Scalinata di Trinità dei Monti von dieser einen besonderen Liebe und der einen besonderen Nacht singt, die offensichtlich diese Nacht sein wird, ist das einfach nur süß.

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