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The Sadistic Baron Von Klaus

Spanien, 1962

Originaltitel:

La mano de un hombre muerto

Alternativtitel:

Le sadique (FRA)

Le sadique Baron Von Klaus (FRA)

Le sadique Docteur Klaus(FRA)

La bestia del castello maldetto (ITA)

Sinfonia per un sadico (ITA)

Regisseur:

Jesús Franco

Inhalt

In der Kleinstadt Holfen ereignen sich eine Reihe von Morden, denen schöne und junge Frauen zum Opfer fallen. Während Inspektor Borowski (Georges Rollin) und der Reporter Karl Steiner (Fernando Delgado) versuchen, den Täter zu fassen, vermuten die Einheimischen, dass alles auf einen alten Fluch zurückzuführen ist, der auf der Familie von Klaus lastet. Und tatsächlich werden Baron Max von Klaus (Howard Vernon) und sein Neffe Ludwig (Hugo Blanco) bald zu Hauptverdächtigen.

Review

THE SADISTIC BARON VON KLAUS ist Jess Francos zweiter Ausflug in Horror-Gefilde, wobei wir es hier eher mit einem Whodunnit zu tun haben. Schnell wird – zumindest dem Zuschauer – klar, dass es weniger um einen Familienfluch im übernatürlichen Sinne, sondern eher auf eine psychotische Besessenheit angesichts einer von gelegentlichen sadistischen Vorfahren geprägten Familienhistorie geht. Und das ist kein dreister Spoiler, denn der Film hat nur zwei Verdächtige zu bieten. Überhaupt lässt Franco bei der Frage nach Täter, Motiv und Opfer den Zuschauer von der Leine, so dass dieser Polizei und dem Reporter Steiner stets etwas voraus ist.

 

Franco inszeniert die Geschichte zunächst mit harmlos inszenierten Leichenfunden, polizeilichen Ermittlungen mit leisem Humor und krönt dies mit einem bemerkenswerten Gewaltausbruch. Dazu gleich mehr. Vorwerfen kann man Francos Inszenierung vielleicht, dass er es in den ersten zwei Dritteln sehr ruhig angehen lässt. Gelingt es dem Zuschauer nicht, in die Story hineingezogen zu werden, könnte ihm durchaus langweilig werden. Entschädigt wird man dagegen durch eine bemerkenswert schöne Kameraarbeit von Godofredo Pacheco, dem es gelingt, mit herbstlichen Tagen (gedreht wurde augenscheinlich Ende Herbst/Anfang Winter 1962), ersten Schneefällen und dunklen, schattenerfüllten Altstadt-Gassen. Daniel White wiederum war hier zum ersten Mal als Komponist für einen Franco-film tätig.

 

Was die Leistungen der Darsteller betrifft, so sind diese durchgängig solide. Howard Vernon und Hugo Blanco können mit ihrer Ausstrahlung überzeugen. Erwähnenswert ebenso Georges Rollin als Polizeiinspektor, Ángel Menéndez als Dr. Kallmann, ferner gibt es Cameos von Miguel Madrid und Marius Lesoeur. Unter den Damen fallen insbesondere Dina Loy, Gogó Rojo und Ana Castor ins Auge. Eher blass bleibt dagegen Paula Martel als Ludwigs Verlobte Karine. Hugo Blanco und Gogó Rojo waren Landsleute – beide stammen aus Argentinien – was ihnen sicher dabei half, ihre schwierige gemeinsame Szene im Film zu drehen.

 

Aber wo liegt eigentlich das Kleinstädtchen Holfen, das wir in Francos DIE LEBENDEN LEICHEN DES DR. JEKYLL (El secreto del Dr. Orloff, 1964) wiedersehen werden? Deutschland? Österreich? Hier trieb Franco seine Spezialität die unterschiedlichsten Locations zu einem Phantasieort zusammenzustellen auf die Spitze. Beim Schloss der Barone von Klaus handelt es sich um das Castillo de la Corcera bei San Martín de Valdeiglesias nahe Madrid. Das Dörfchen Holfen wiederum scheint aus mindestens drei Locations zusammengesetzt. Stephen Thrower benennt zwei Gemeinden im Baztán-Tal, Carlos Aguilar fügte noch das auf französischer Seite des Baskenlandes gelegene Saint-Jean Pied-de-Port hinzu. Die IMDb benennt zusätzlich die französische Ortschaft Chevaline (ohne Quellen hierfür zu benennen), die jedoch weit von den anderen Locations entfernt liegt, nahe der Schweizer Grenze. Innenaufnahmen entstanden wiederum in den Estudios Ballesteros in Madrid.

 

 

Kein Franco-Film ohne Alternativfassungen:

 

Die spanische Originalfassung LA MANO DE UN HOMBRE MUERTO beginnt mit einer surrealen Pre-Credit-Sequenz. In ihrem Filmdebut sieht man dort Dina Loy in der Gewalt eines Sadisten nebst maskiertem Voyeur. Das ergibt im weiteren Verlauf nicht so ganz Sinn, es sei denn, die Erkenntnis um die Identität des Killers käme für Margaret (Gogó Royo) nicht so überraschend wie gedacht. Denn bei dem Maskierten könnte es sich tatsächlich um eine Frau handeln. Eine weitere Szene blieb der spanischen und der italienischen Fassung vorbehalten. Als Reporter Karl Steiner die Leiche von Margaret findet, wird er dabei erwischt und angegriffen. Die Kamera vermeidet es dabei, das Gesicht des (männlichen) Angreifers zu zeigen. Der Mörder kann es nicht sein, denn der ist nicht vor Ort, sondern in Begleitung unterwegs zum Finale. Hatte der Mörder also einen Mitwisser? Wenn dem so ist, taucht er weder vor noch nach dieser Szene je auf. Und wenn es kein Mitwisser ist, warum reagiert er kein Stück auf Margarets an Ketten hängenden Leichnam? Seltsam, aber so steht es geschrieben. Oder war das ein Stuntman, der Howard Vernon darstellen sollte? Ich weiß es nicht. Außerdem ist die Leiche von Margaret hier bekleidet.

 

Die französische Fassung LE SADIQUE BARON VON KLAUS wurde vor dem Original-Kinostart hastig zensiert. Keine Pre-Credit-Sequenz, auch nicht in der späteren Vervollständigung für die DVD von Image Entertainment oder die Blu-ray von Kino Lorber/Redemption. Bei dem Mord an Sängerin Turia (Dorian Vincet) bekommt man Alternativmaterial zu sehen. Drei Messerstiche fehlen hierbei in der französischen Fassung.

 

Der Mord an Margaret wurde vor dem Kinostart drastisch gekürzt (siehe die französische DVD von Aventi), auf den Veröffentlichungen von Image Entertainment oder Kino Lorber/Redemption aber wieder eingefügt, teils ohne Originalton. Bedenken wir, der französische Kinostart war 1962, und so war Francos komplette Szene wohl ein hartes Brot: Margaret ist die heimliche Mätresse des Mörders, wird aber nun von diesem betäubt und in seine Folterkammer verbracht. Als sie wieder zu Bewusstsein kommt, wird ihr klar, dass ihr Geliebter der gesuchte Killer ist. Aber egal. Als er ihre Brüste entblößt und knetet, windet sie sich lustvoll in seinen Armen. Auch als er ihre Hände mit Ketten fesselt, lässt sie sich mit sehr wenig Widerstand zur Folterstätte ziehen. Mit glühenden Eisen wird ihr Körper traktiert, was schmerzerfülltes Zittern aber keinen nachdrücklichen Protest zur Folge hat. Ein Franco-Film eben. War sie also die geheimnisvolle Partnerin des Killers in der spanischen Pre-Credit-Szene und ihre scheinbare Überraschung in der französischen Fassung nur der verzweifelte Versuch des Dubbings, dies zu entschärfen? Auch ein kurzer Dialog zwischen Margaret und dem Mörder vor ihrer Entführung enthält eine Dubbing-Lücke, man sieht jedoch die Lippenbewegungen.

 

Den Italienern war das Ding jedenfalls zu lang. Die 16mm-Fassung SINFONIA PER UN SADICO oder LA BESTIA DEL CASTILLO MALEDETTO nel film SINFONIA PER UN SADICO hat nur eine Lauflänge von ca. 85 Minuten. Dafür ist dort zumindest teilweise die surrealistische Pre-Credit-Szene mit Dina Loy vorhanden, leider fehlt aber mindestens eine Einstellung (siehe franz. Trailer, obwohl die Szene in der französischen Fassung nicht vorhanden ist). Auch der zuvor genannte Angriff auf Karl Steiner beim Auffinden von Margarets Leiche ist drin. Apropos: wer sagt eigentlich, dass Margaret tot ist? Okay, reine Spekulation. Der Mord an Margaret fehlt komplett. Man sieht bei Steiners Ankunft ihre Leiche, die ist – wie in der spanischen Fassung – bekleidet.

 

Das abschließende Finale wird von Godofredo Pacheco in herbstlichen Farben und bei vollem Tageslicht eingefangen. Ein bisschen Dunkelheit und unheimliche Atmosphäre hätte hier für mehr Stimmung sorgen können. Aber das kann von Franco freilich beabsichtigt gewesen sein. Der Mörder ist Dunkel, Schatten und Zwielicht entrissen, seine Identität ans Tageslicht gezerrt. Ihm selbst gelingt es jedoch nicht, der Dunkelheit seines Inneren zu entkommen. Schöner Film.

Veröffentlichungen

Die Blu-ray von Kino Lorber/Redemption (Region A) stellt die bislang schönste Möglichkeit dar, sich THE SADISTIC BARON VON KLAUS anzusehen. An Bild und Ton gibt es nichts auszusetzen, wohl aber an der spärlichen Ausstattung. Neben dem Trailer hätte man wenigstens im Bonusmaterial die fehlenden Szenen aus der spanischen Fassung einfügen können. Die KINO LORBER/REDEMPTION Disc enthält die komplette französische Fassung mit englischen Untertiteln, mit einer Länge von etwa 99 Minuten.

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