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Bloody Camp

Frankreich, 1977

Originaltitel

Helga, la louve de Stilberg

Alternativtitel

Girl Slaves (CAN)

Helga the Leather Mistress (CAN)

The She Wolf of Spilberg (EU)

Marion la perverse (FRA)

La calda bestia di Spilberg (ITA)

Helga, a Loba de Stilberg (POR)

Helga, She Wolf of Spilberg/Stilberg (USA)

Regisseur

Alain Payet

Drehbuch

H.L. Rostaine

Inhalt

Die Diktatur von General Gomez neigt sich dem Ende, doch die herbe Helga (Malisa Longo) sieht ihre Herrschaft über ihr Umerziehungslager in Schloss Stilberg nur ungern bedroht. Eisern führt sie ihr strenges Regiment fort, bis schließlich der Untergang unvermeidlich ist.

Review

Die Stilberg-Trilogie

 

  1. Bloody Camp - Helga, la louve de Stilberg (1977 veröffentlicht)

 

Im Jahr 1977 hat Eurociné eine ganze Reihe von Nazisploitation/WIP-Vehikeln produziert, die sich Material, Darsteller und Inhalte großzügig miteinander teilen und nach und nach auf den Markt geschüttet wurden. Regie führten hierbei Leute wie Pierre Chevalier, Jess Franco (Wiederverwurstung eines vermutlich unfertigen Films namens „East of Berlin“), Patrice Rhomm, Alain Payet und Marius Lesouer himself. Alles wirkt wie aus einem Guss, deshalb ist es müßig, über eine Reihenfolge der Drehs zu spekulieren. Drei dieser Filme greife ich mir heute heraus, nennen wir sie aus naheliegenden Gründen die Stilberg-Trilogie. Regie führte stets Alain Payet. Die ofdb nennt für „Bloody Camp“ als Regisseur Patrice Rhomm, aber das ist definitiv falsch. Man erkennt schnell, warum.

 

Wie auch immer, frisch aus Patrice Rhomms „Elsa Fräulein SS“ werden Malisa Longo, Patrizia Gori, Pamela Stanford, Rudy Lenoir und Claudine Beccarie nach Schloss Stilberg (wie auch immer dieses tatsächlich heißen mag) gekarrt, ans Set von Alain Payet. Und der hat ein paar Porno-Kumpels von Alpha France und –Mädels mitgebracht: Alban Ceray, Dominique Aveline, Jacques Marbeuf, Richard Allan auf der männlichen Seite, Joëlle Le Quément, Nicole Valin, Danielle Troger und France Lomay bei den Frauen. Aus gutem Grund, denn back-to-back wird ein Porno entstehen. Doch bleiben wir zunächst bei „Bloody Camp.“

 

Die Story wird diesmal in einer ungenannten südamerikanischen Diktatur angelegt, welche Frankreich verdammt ähnlichsieht. Olivier Mathot – in Patrice Rhomms „Elsa Fräulein SS“ noch in einer Hauptrolle – hat hier nur einen ganz kurzen Part am Anfang. Es wurde oft darüber spekuliert, warum man diesen Film nicht in der Nazi-Zeit mit den üblichen Symbolen angesiedelt hat. Hatten die Macher vielleicht ein Problem damit? Nein, natürlich nicht. Doch da bereits „Nathalie – Escape from Hell“ geplant war, wollte man wohl einfach nicht zwei Mal genau die gleiche Story bringen. Außerdem hätte Nazi-Symbolik nicht in den back-to-back-Porno gepasst. Hinzufügen möchte ich noch, dass fast alle Protagonisten in „Bloody Camp“ deutsche Namen haben, was das ganze Südamerika-Szenario ein bisschen ad absurdum führt.

 

Patrizia Gori spielt Elisabeth Vogel, die Tochter eines Revolutionärs. Da die Regierung diesem nicht habhaft werden kann, wird eben Elisabeth zur Umerziehung nach Schloss Stilberg gebracht, dass von der herrischen Helga (Malisa Longo) geführt wird. In den kommenden 96 Minuten werden wir Zeuge von allerlei Missbrauch, der insgesamt aber recht soft inszeniert ist. Am Ende gelingt Elisabeth die Flucht, und wie es der Zufall will, landet sie im Unterschlupf ihres Vaters, den sie dann überredet, die anderen gefangenen Mädels zu befreien. Sorry, aber der Film ist langweilig. Obwohl sehr viele gutaussehende Frauen dabei sind, stimmt das Tempo nicht, alles kommt zäh daher. Die ebenso softe Musik von daniel White hilft nicht dabei, den Spannungslevel zu erhöhen.

 

  1. Die perverse Marion - Gamines à tout faire (1979 veröffentlicht)

 

Jetzt kommt Tempo in die ganze Sache. Mit Originaldarstellern von „Bloody Camp“ drehte Alain Payet diese Porno-Adaption mit veränderter Story - und die ist unglaublich. Schloss Stilberg ist nun ein Heim für schwer erziehbare Mädchen in Frankreich. Diese sind anscheinend so schwer erziehbar, dass sie von Soldaten mit schwarz/rot/weißen Armbinden bewacht werden müssen, unter dem Kommando der perversen Marion (Malisa Longo in Archivmaterial). Doch die kleinen Luder treiben es untereinander, und das macht die Soldaten richtig scharf. Und so gibt es Missbrauch und Gruppenvergewaltigungen, was von einem deutschen Off-Sprecher humorvoll kommentiert wird. Das Ganze ist auch noch mit schwungvoller Tanzmusik, bestehend aus Daniel White-Archivtracks, untermalt. Unglaublich.

 

  1. Nathalie: Escape from Hell - Nathalie rescapée de l'enfer (1978)

 

„Ehhh…those damn Germans again.“ In Verwurstung No. 3 spielt Patrizia Gori die russische Ärztin und Spionin Nathalie Baskova. Nachdem sie dem deutschen Offizier Lt. Erik Muller (Jack Taylor) das Leben gerettet hat, seinen Vorgesetzten aber nicht retten konnte, kommt sie in ein Straflager. Nach einem Besuch ihres russischen Verbindungsoffizier, der sich als Rot-Kreuz-Mitarbeiter ausgibt, bekommt sie den Auftrag sich mit ihrer Gruppe von weiblichen Gefangenen nach Schloss Stilberg (diesmal nahe der polnischen Grenze gelegen) bringen zu lassen, um etwas über den Verbleib der Agentin Ingrid (Claudine Beccarie) herauszufinden. Diese ist jedoch inzwischen zur willigen Sklavin der dominanten Stilberg-Peitschenlady Helga Horst (Jacqueline Laurent) geworden. Schließlich bekommt Nathalie unerwartete Hilfe von Lt. Muller, mit dem sie eine Affäre hat.

 

Malisa Longo ist abgereist, und so wird Helga diesmal von Jacqueline Laurent gespielt. Nicht sehr gut, die größte Folter ist ihre nervige Lache. Einzig Patrizia Gori gelingt es, neben Jack Taylor eine brauchbare Figur abzugeben, mit leichten Einschränkungen. Die Frau hat irgendwie zittrige Hände. Achtet mal auf die Anfangsszene im Haus von Zoltan. Erst bekommt sie ihre Arzttasche nicht auf, was sie dann aber geschickt in den Dialog einbaut. Dann wird der verletzte Offizier Hartz (ernsthaft) reingetragen, und sie will ihm die Uniform aufknöpfen – geht aber nicht, hier sieht man das Zittern ihrer Hände recht deutlich. Das I-Tüpfelchen kommt mit dem Eintreten des angeschossenen Jack Taylor. Sie setzt ihn auf einen Hocker, doch der steht nicht mit dem Rücken zur Wand, und Taylor – der ja verletzt sein soll - hat Mühe, nicht nach hinten zu kippen. Gori stützt ihn von hinten, doch dann soll sie anderswo hin. Was tun? Hilflos schaut sie sich um. Regisseur Payet kann sie nicht retten, ist wohl eingeschlafen oder tüftelt in Gedanken an seinem nächsten Porno, und so wird das Problem beim Editing gelöst. Ja, das ist das künstlerische Niveau, mit dem wir es hier zu tun haben.

 

Höhepunkte des Films sind die Liebesgeschichte um Nathalie und Lt. Muller, hier bieten Jack Taylor und Patrizia Gori auch die schönste Sexszene, sowie wenn Helga im klassischen Lederdomina-Outfit ihre Peitsche schwingt. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Nur diese Lache, furchtbar. In einer jener Peitschenkeller-Szenen taucht unvermittelt Brigitte Lahaie in Ketten - und noch mit dunklen Haaren - auf. Was die Entstehungszeit von „Nathalie – Escape from Hell“ definitiv ins Jahr 1977 verlegt. Enthalten ist ebenfalls ein Cameo von Komponist Daniel White.

 

Fazit: alle drei Filme sind kein Zuckerschlecken.

Filmplakate

Links

Bloody Camp:

IMDb
OFDb

Die perverse Marion:

IMDb

Nathalie:

IMDb
OFDb

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