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Flash Light

Dänemark | Vereinigtes Königreich, 1970

Originaltitel

Whirlpool

Alternativtitel

L'enfer de l'érotisme (FRA)

Déviations sexuelles (FRA)

Perversione Flash (ITA)

Vortice dei sensi (ITA)

Perversion Flash

She Died with Her Boots On

Inhalt

Das Fotomodell Tulia (Vivian Neves) wird von Sara (Pia Andersson), einer Frau mittleren Jahrgangs, in ihr Landhaus eingeladen. Ihr Neffe Theo (Karl Lanchbury) sei Fotograf und Tulia wäre ein geeignetes Studienobjekt. Sie verbringt das Wochenende mit den Beiden und alles scheint auf eine ménage à trois hinauszulaufen. Doch was passierte mit Tulias Vorgängerin Rhonda (Johanna Hegger)? Denn die ist seit ihrem Besuch in dem Landhaus spurlos verschwunden.

Review

„As a movie it's despicable.“
(Roger Ebert über „Whirlpool“, 8. Dezember 1970)

 

1970 inszeniert der Spanier José Ramón Larraz diese erste Regiearbeit. Zu den Hintergründen ist nicht allzu viel bekannt. Die beiden in den Credits genannten Produzenten Sam Lomberg und Edwin J. Fancey sind jeweils in Dänemark und in England heimisch, registriert ist „Whirlpool“ als dänische Produktion. Aber auch Italiener waren in der Nachbearbeitung beteiligt.

 

Gedreht wurde in England, und es wurde Larraz erster von insgesamt drei Regiearbeiten mit Karl Lanchbury als Hauptdarsteller, im Vierten (Vampyres, 1974) ist seine Rolle kleiner. Lanchbury ist wie geschaffen für die Rollen, die Larraz für ihn schreibt, die eines gestörten jungen Mannes. Und damit kommen wir zum Thema. „Whirlpool“ (den Darstellern während des Drehs und ebenso auf einigen Lobbycards „She Died with Her Boots On“ benannt, wurde im Rahmen der Welle britischer Erotikfilme entsprechend vermarktet, und das musste einfach in die Hose gehen. Denn „Whirlpool“ ist starker Tobak.

 

Worum geht es also? Eine Tante mittleren Jahrgangs und ihr Hobbyfotograf-Neffe nutzen junge Modelle als Surrogate für flotte Dreier. Theo nimmt dabei die Rolle des Scharfmachers ein, bevor er das betreffende Model zur Tante ins Bett lockt. Pikant hierbei ist das Detail, dass Theo sexuell versagt, wenn seine Tante nicht mit im Bett ist. Provokant ist die Rolle des Models, denn wann fängt diese Situation an, zu einem sexuellen Missbrauch zu werden? Man benutzt Alkohol und Drogen, um den Widerstand bröckeln zu lassen, doch Model Tulia lässt sich ohnehin – wenn auch zögernd – auf diese ganze Situation ein. Offenbar in dem unterbewussten (Irr-)Glauben, in Sicherheit zu sein und bei Bedarf diese Situation beenden zu können. Und damit zum Knackpunkt: wir sind keineswegs in einem seichten Erotik-Flick, sondern in einem ziemlich bösen Psychoszenario, dass mit Vergewaltigung, Mord und Nekrophilie endet.

 

Als Vorbilder für Larraz Erstlingswerk könnte man viele Titel benennen, von „Psycho“ über „Peeping Tom“ bis hin zu den Endsechziger-Thrillern Hammers. Larraz eigener Stil ist in diesem Debut jedoch bereits so dominant, dass diese Vorbilder verschwimmen, keines ließe sich mehr denn als inszenatorische Inspirationsquelle festnageln, Plagiarismus ist nirgendwo erkennbar. Vielmehr macht Larraz schon hier Gebrauch von seiner ganz persönlichen Art, ein auf seinen Charakteren basierendes Psycho-Drama zu filmen. Unverwechselbar schon hier sein Stil beim Filmen von Landhäusern, einsamen englischen Landschaften, und selbstredend darf auch der trübe See nicht fehlen, der Larraz als Spiegelbild für die verlorenen Seelen seiner Hauptprotagonisten dient, sowie als Ablage für deren Opfer. Unverkennbar ist zumindest in einigen Szenen der Einfluss früher Gialli, was sowohl durch das Editing Carlo Realis als auch durch den Soundtrack von Stelvio Cipriani verstärkt wird.

 

Was hatte „Whirlpool“ mit seinen stark sexuellen Motiven kombiniert mit Gewaltausbrüchen also auf dem internationalen Markt zu erwarten? Ein Fassungs-Chaos. Ich versuche das mal kurz aufzulisten:

 

- Eine europäische Ur-Fassung mit einer Lauflänge von 92 Minuten scheint trotz Aufführungen in Dänemark, Belgien und Frankreich verschollen, zumindest was das Filmmaterial betrifft. Im Internet kursiert eine Aufnahme derselben von einer PAL VHS-Quelle mit Timecodes

- Diese europäische Fassung wurde in England für ein X-Certificate auf 66 Minuten runtergekürzt, in Deutschland auf 80 Minuten. Der deutsche Titel war „Flash Light“, der Englische wahlweise „Whirlpool“ oder „She Died with her Boots on“ („... and not much else“ lt.Tagline)

- In Italien erschien neben einer Kinofassung unter dem Titel „Perversione Flash“ eine Fassung mit Hardcore-Inserts als „Vortice dei sensi“

- In den USA vertrieb Jerry Gross eine eigene Schnittversion, welche auch auf der kürzlich erschienen Arrow Blu-ray zu finden ist

 

Da die Jerry Gross-Fassung die einzige qualitativ gut ansehbare Veröffentlichung darstellt, möchte ich etwas näher auf diese eingehen. Trotz der kürzeren Lauflänge sind keine Zensurschnitte vorhanden. Ein paar Szenen wurden in andere Reihenfolge gebracht, andere – ohnehin recht lange - Szenen etwas verkürzt. Das tut dem Gesamtergebnis eher gut als schlecht. Die zwei gravierendsten Unterschiede wären die: die Rückblende auf den Mord an Rhonda ist in der Jerry Gross-Fassung in reinem Schwarz/Weiß, in der europäischen Fassung scheint man dagegen zwischen roten und sepia-Filtern gewechselt zu haben. Nach dem wirklich markerschütternden Finale folgt in der europäischen Fassung eine über ein Standbild gelegte und eher fehlgeleitete Audiospur, wie die Polizei das Opfer des Finales entdeckt und den Täter verhaftet. Unnötig, denn der Film profitiert von seinem bösen Ende.

 

„Whirlpool“ ist ein Muss, nicht nur für Larraz-Fans. Die Arrow Films Blu-ray findet sich in der Box „Blood Hunger: The Films of José Larraz“, die ebenfalls ein verdammtes Muss ist. Zusammen mit „Vampyres“ (1974) und „The Coming of Sin“ (1978) liegt „Whirlpool“ dort als 2k-Abtastung vor. Die Box kommt mit reichlich Bonusmaterial und einem mehr als 80 Seiten dicken Booklet.

Filmplakate

Links

OFDb
IMDb

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