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Gebissen wird nur nachts - das Happening der Vampire

Deutschland | Großbritannien, 1970

Alternativtitel:

Me hago la fiesta con un vampiro (ARG)

Convenção de Vampiros (BRA)

Chúpame... la sangre, tío (ESP)

½ litro di rosso per il conte Dracula (ITA)

The Vampire Happening (USA)

Deutsche Erstaufführung:

4. Juni 1971

Regisseur:

Freddie Francis

Inhalt

Elisabeth von Rabenstein (Pia Degermark) ist unter ihrem Pseudonym Betty Williams ein gefeierter Filmstar in den Vereinigten Staaten, die jüngst nach Europa zurückgekehrt ist, um das Erbe ihres Onkels in Form eines alten, gruseligen Schlosses anzutreten. In ihrem neuen Anwesen angekommen, staunt der Schlossdiener Josef (Ivor Murillo) nicht schlecht, da die attraktive Blondine eine frappante Ähnlichkeit mit ihrer längst verblichenen Urgroßmutter Clarimonde hat, die eines Tages tot mit zwei Bissabdrücken am Hals aufgefunden worden sein soll. Der Legende nach soll sie seitdem ihr Unwesen als Vampirin treiben. Als die neue Schlossbesitzerin sich nach den vielen Eindrücken in ihr Schlafgemach begibt, erscheint ihr Clarimonde in einem sehr erotisch angehauchten Traum...

Autor

Prisma

Review

Es lässt sich vollkommen pauschal sagen, dass Filme mit Pia Degermark etwas ganz Besonderes sind, vor allem, weil es leider nur wenige Auftritte der faszinierenden Schwedin gegeben hat. Diese Vampir-Komödie des britischen Regisseurs Freddie Francis markiert bereits den letzten Kinofilm seiner Hauptdarstellerin, die bei den Dreharbeiten Pier A. Caminneci, den Produzenten des Films, kennenlernte und ihn ein Jahr später heiratete. Im Ergebnis mag man über dieses bunte und mit augenzwinkerndem Grusel und Humor angereicherte Spektakel denken, was man will, doch wenn das Hauptaugenmerk Pia Degermark heißt, kann hier tatsächlich weniger schief gehen, als im Vorfeld befürchtet oder in der Nachbetrachtung tatsächlich geschehen. Regisseur Francis zieht hier insgesamt einige Register, die die damalige Zeit und Begriffe von Humor oder Klamauk verlangten, sodass viele Intervalle und Szenen ausfindig gemacht werden können, in denen gelacht oder geschmunzelt werden soll. Die Gefahr, dass diese Rechnung ohne den Wirt aufgehen wird, ist relativ hoch, immerhin lässt sich so gut wie eine komplette Entourage dazu ermutigen, besten- oder schlechtenfalls maßlos zu übertreiben.

 

Der Film punktet allerdings bei individuellen Betrachtungsweisen, kann in mancherlei Hinsicht sogar seine amüsanten oder originellen Gesichter preisgeben. Eine gefeierte Schauspielerin kehrt heim, allerdings nur um ihr geerbtes Schloss zu verkaufen, welches sie unbedingt vorher einmal begutachtet haben will. Das Blatt wendet sich schnell, beziehungsweise spätestens bei erotischen Heimsuchungen in ihren Träumen, sodass die attraktive Dame doch erst einmal am Ort des Geschehens verweilen möchte - vielleicht wird es ja spektakulärer als in Hollywood. Die Regie versucht, den Film mit allerlei Kniffen und nackten Tatsachen aufzupeppen. In diesem Zusammenhang sieht man imaginäre Szenen aus der Folterkammer, eine nackt porträtierte Pia Degermark, oder liebestolle Schülerinnen aus dem benachbarten Internat, die die zeitgenössischen Schauwerte sicher und vor allem ansprechend charakterisieren, bis sich die Geschichte an ihren vollmundigen Titel erinnert, deren Clou die Doppelrolle von Hauptdarstellerin Degermark darstellt, die als Betty Williams und ihre untote Großmutter zu bestaunen ist. Die Produktion driftet bei dieser Gelegenheit deutlich in die Welt der Verwechslungskomödie ab, was man je nach Gusto unterhaltsam oder albern finden kann.

 

Kollegen wie Thomas Hunter oder Ivor Murillo bedienen sich eines diskreteren und passgenaueren Humors, im Gegensatz zu einem schwer zu ertragenden Joachim Kemmer oder Ferdy Mayne als Dracula, dem es ausgelassene Sex-Orgien angetan haben. Interessant ist schließlich noch das sporadische Auftauchen von Ingrid van Bergen, aber ansonsten wirkt GEBISSEN WIRD NUR NACHTS darstellerisch eher unauffällig. Schöne Ideen liefert das Drehbuch in unterschiedlichsten Teilen allemal, aber vor allem der animierte Titelvorspann mit der groovigen Musik von Jerry van Rooyen kann für Aufsehen sorgen und bleibt gerne im Gedächtnis zurück. Ansonsten bietet diese Komödie mit Gruselseele bestenfalls eine gelungene Unterhaltung, läuft aber immer wieder Gefahr, sich selbst mit übertriebenen Stilmitteln zu überholen. Nicht ganz ohne die Provokation zum Augenrollen vonstatten gehend, geht die Story sicher über die Ziellinie, indem sie in die Vollen greift und sich einen netten Schlussgag zunutze macht. Es bleibt ein unbändig wirkendes Kind seiner Zeit, dessen Vorzüge man oft suchen muss, auch wenn sie für viele Zuschauer wohl unauffindbar bleiben werden.

Autor

Prisma

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