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Mannequin in Rot

Schweden, 1958

Originaltitel:

Mannekäng i rött

Alternativtitel:

La maniquí rota (ESP)

Mannequin in Red

Deutsche Erstaufführung:

23. Oktober 1959

Regisseur:

Arne Mattsson

Inhalt

Das Detektiv-Ehepaar John und Kajsa Hillman wird auf ein vermisstes Mannequin aufmerksam. Doch als das ehemalige Model Kajsa sich getarnt in das Modehaus der an den Rollstuhl gebundenen Thyra Lennberg einschleicht, liegt die Gesuchte bereits tot im Schaufenster. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen stoßen die Hillmans auf Erbschaftsstreitigkeiten, Erpressung und einen Serienmörder.

Review

MANNEQUIN IN ROT ist der zweite Film einer sechsteiligen Filmserie von Arne Mattsson um das Detektiv-Ehepaar Hillman, basierend auf den Kriminalromanen von Folke Mellvig. Alle sechs Filmtitel haben im Original einen Bezug zu einer jeweils anderen Farbe, und im Falle von MANNEQUIN IN ROT sei angemerkt, dass der Roman erst nach dem Film erschien. Doch warum fange ich plötzlich an, schwedische Filme zu gucken?

 

Nun, erst mal kommt man an Arne Mattsson kaum vorbei. Abgesehen von seinem frühen Berlinale-Erfolg SIE TANZTE NUR EINEN SOMMER (Hon dansade en sommar, 1951) war er vor allem als Genreregisseur bekannt, inszenierte in den 50er und 60er Jahren zahlreiche Krimis mit ausgefallener Kameraarbeit. In den späten 80er Jahren folgten dann Videothekentitel wie MASK OF MURDER (The Investigator, 1988) mit Rod Taylor und Christopher Lee oder THE GIRL – EIN GEFÄHRLICHES MÄDCHEN (The Girl, 1987) mit Franco Nero. Und dann gibt es natürlich diese Querverbindung zu Mario Bava, denn MANNEQUIN IN ROT gilt als Wegbereiter für den italienischen Giallo, insbesondere Bavas BLUTIGE SEIDE (6 donne per l'assassino, 1964). Warum, ist kaum zu übersehen.

 

In seinen spannenden Momenten, beim Geschehen im Modehaus oder bei den Morden glaubt man gelegentlich, man schaut tatsächlich BLUTIGE SEIDE. Es ist alles da. Models in Unterwäsche, die Erpressungen, ein Streit um die Besitzerschaft des Modehauses, lesbische Anspielungen und eine stimmungsvolle Kameraarbeit, der man in zahlreichen Szenen deutlich ansieht, dass Mario Bava MANNEQUIN IN ROT kannte und offensichtlich Potenzial darin sah.

 

Es brauchte allerdings wirklich erst einen Mario Bava, um dieses Potenzial voll auszuschöpfen. Wo es diesem in BLUTIGE SEIDE gelingt, die stimmungsvollen Bilder und Farbenspiele über die gesamte Länge durchzuhalten, sind diese bei Arne Mattsson noch Momentaufnahmen. Und natürlich macht es einen Unterschied, ob so ein Thriller aus den 50er oder 60er Jahren stammt. Wo Mattsson noch mit bestimmten Inhalten und stilistischen Mitteln vorsichtig experimentiert, haben andere Regisseure solche Inhalte im folgenden Jahrzehnt zum Hauptgang gemacht.

 

Schwachpunkt von MANNEQUIN IN ROT sind die eher farblosen Hauptcharaktere des Detektivpaars Hillman, und ihrem lustigen Sidekick Freddy möchte man am liebsten einen Tritt verpassen. Ganz stark sind dagegen die Performances von Lillebil Ibsen als Modehausbesitzerin Thyra Lennberg und Anita Björk als deren rechte Hand Brigitta.

 

MANNEQUIN IN ROT ist dennoch sehr spannend, auch wenn der Lauflänge ein paar Straffungen gut getan hätten. Den italienischen Genre-Fan erwarten nicht wenige Aha-Momente, nicht nur in Bezug aus BLUTIGE SEIDE. Die inhaltlichen und stilistischen Parallelen zu Bavas Giallo-Klassiker sind unübersehbar. Wer Lust hat, sich MANNEQUIN IN ROT mal anzuschauen, der Film ist derzeit auf Netflix mit deutschen Untertiteln verfügbar. Obige Screenshots stammen allerdings von einer DVD.

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