Suchen

Potato Fritz

Deutschland, 1976

Originaltitel

Potato Fritz

Alternativtitel

Massacro a Condor Pass (ITA)

Masacre en Condor Pass (ESP)

Montana Trap (USA)

Zwei gegen Tod und Teufel

Deutsche Erstaufführung

06. Mai 1976

Regisseur

Peter Schamoni

Drehbuch

Paul Hengge

Inhalt

Im Jahr 1850 hat die US-Armee mit den Crow-Indianern einen Deal geschlossen. Die Indianer bekommen Gold und Gewehre im Austausch dafür, dass sie europäische Siedler auf ihrem Gebiet leben lassen. Doch der Trupp unter dem Kommando von Captain Henry, der die Bezahlung an die Indianer übergeben soll, wird von Unbekannten überfallen, die Soldaten getötet. Der Deal ist geplatzt. Nun sitzen die Siedler fest, seit 18 Monaten schon. Lieutenant Slade (Anton Diffring) scheint machtlos, sowohl gegenüber den Unbekannten, die weiterhin Überfälle und Morde begehen wenn die Siedler versuchen, ins Indianerland vorzudringen, als auch gegen die skrupellosen Machenschaften örtlicher Gauner wie Smothie (Dan van Husen) oder Sleeve (David Hess), die die Siedler im Austausch für Proviant schröpfen. Nur ein Weißer lebt auf dem Gebiet der Crow, Potato Fritz (Hardy Krüger), ein Kartoffelfarmer, dem die Indianer nichts tun, weil er stets unbewaffnet ist. Allerdings fackeln sie ihm immer wieder seine Hütte ab. Gerüchte um das verschwundene Gold locken den Abenteurer Bill Ardisson (Stephen Boyd) in die Gegend, der zudem eine Rechnung mit dem toten oder verschwundenen Captain Henry zu begleichen hat. Er findet heraus, dass gelegentlich Goldstücke aus dem überfallenen Transport auftauchen, und irgendwie scheint immer Potato Fritz seine Hand im Spiel zu haben. Doch Potato, der Bill immer wieder herausfordert, auch mal sein Gehirn einzuschalten, wirkt nicht wie ein Bösewicht, und so arbeiten die beiden schließlich zusammen, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Review

Licht ins Dunkel bringt vor allem schon zu Beginn des Films ein Erzähler, der uns Zuschauern erst mal die verworrene Ausgangssituation näherbringt. Denn das Drehbuch von Paul Hengge (Der Mann mit dem Glasauge, 1969) ist schon ziemlich verworren. Regisseur Peter Schamoni bringt man auch nicht unbedingt mit einem Western in Verbindung, aber irgendwie verspürte er seinerzeit eine gewisse Zuschauermüdigkeit gegenüber Gegenwartsproblematiken, außerdem habe ihn das Thema interessiert, weil er selbst Auswanderervorfahren in Montana gehabt habe. Egal.

 

„Potato Fritz“ oder „Montana Trap“ (Internationaler Titel) ist durchaus amüsant, obwohl er zu viele Dinge vermischt. Wir haben eine Mystery-Story um einen verschwundenen Transport, wir haben Komik-Einlagen, und wir haben einen Wust an bekannten Gesichtern. Letzteres wirft das Problem auf, dass einige hervorragende Darsteller aufgrund Überrepräsentanz bekannter Gesichter zu wenig Screentime bekommen und somit verschwendet wirken. Trotz aller Unterhaltsamkeit muss man zudem das Drehbuch, so verworren es ansonsten sein mag, als vorhersehbar bezeichnen. Natürlich ist David Hess ein Schurke, wir erfahrenen Genrefilm-Gucker wissen das. Und Anton Diffring? Ratet mal. Was die Figur des Potato Fritz betrifft, so ahnen wir ebenfalls dessen wirkliche Identität, lange bvor das Thema von der Story angesprochen wird. Als originell möchte ich aber das Motiv hinter diesem Identitätswechsel bezeichnen.

 

Originell – wenn auch für das kommerzielle Anliegen des Films wenig förderlich – ist zudem das Ende. Die Logiklücken der Geschichte sind dem Zuschauer freilich nicht entgangen, in „Potato Fritz“ wird der Held am Ende aber gar tatsächlich auf seine unlogische Vorgehensweise angesprochen. Dem kann oder will er sich nicht stellen, und so bleibt das erwartete Happy End mit der jungen Jane (sehr süß, Bravo-Girl Christiane Gött) dem Zuschauer und Potato versagt.

 

Gedreht wurde „Potato Fritz“ größtenteils in Almeria, einige wenige Szenen (Regisseur Schamoni scheucht in seiner Rolle als Prediger eine Horde Büffel durch die Gegend) sollen in Montana entstanden sein. Für die Actionszenen und Stunts wird Bob Simmons (Stunt-Double in einigen 007-Filmen) benannt. Seltsamerweise geschehen einige dieser Actionmomente lediglich im Off, eine seltsame Regieentscheidung, wie ich finde. Oder war das gedrehte Material nicht gut und flog deshalb raus? Rausgeflogen scheint auch der größte Teil des von David Hess angefertigten Soundtracks, sogar in der Internationalen Version und in der Deutschen sowieso. Man bekommt nur wenige Gitarrenriffs des Songs „He's a Friend of Mine (The Ballad of Potato Fritz)“ zu hören, der in der deutschen Fassung eh durch Udo Jürgens und ein paar Klassik-Tracks ersetzt wurde.

 

Und so ist „Potato Fritz“ am Ende ein seltsam uneinheitlicher Film, dessen Kameramann nicht so fit im Abschätzen der idealen Entfernung zwischen Darsteller, Geschehen und Kamera gewesen zu sein scheint. Trotzdem ist „Potato Fritz“ sehr unterhaltsam, nicht zuletzt wegen seinen prägnanten Gesichtern. Eine Kuriosität sei noch am Ende bemerkt. Die Indianer sind – wie aus deutschen Western gewohnt – keine Bösewichter. Schamoni scheint allerdings auch wenig Lust auf Indianerkitsch a la Winnetou gehabt zu haben, und so spielen die Indianer eine fast passive Rolle. Lediglich aus der Ferne greifen sie gelegentlich ins Geschehen ein, indem sie Fritz zur richtigen Zeit an den richtigen Ort stupsen.

 

Hab‘ ich schon den niedlichen Bären erwähnt? Zu spät, fertig. Und wenn ich Paul Breitner mal mit David Hess vergleiche, wirken eigentlich beide wie Straßenmusiker. Letzte Frage: hatte Schamoni 1976 den gleichen Friseur und Barbier (nicht Barboo) wie Jess Franco? Lustig, wie sich die Beiden in diesem Jahr äußerlich ähneln.

Links

OFDb
IMDb

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.