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Seven Women for Satan

Frankreich, 1976

Originaltitel:

Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff

Alternativtitel:

Sept femmes pour un sadique (FRA)

Sette femmine per un sadico (ITA)

Regisseur:

Michel Lemoine

Musik:

Guy Bonnet

Drehbuch:

Michel Lemoine

Inhalt

Am Sterbebett seines Vaters, der einst der Diener des Menschenjägers Graf Zaroff war, versprach Karl (Howard Vernon), dass er dessen Nachfahren finden und diesen nach dem Vorbild des berüchtigten Graf Zaroff erziehen und ihm dienen würde. Doch Boris Zaroff (Michel Lemoine) erweist sich als psychisch instabil. Anstatt die Kontrolle über seinen Sadismus zu haben, ist er eher ein Sklave seiner widerstreitenden Gelüste, denen er mal erfolgreich frönt und mal mit wenig Erfolg entgegenzutreten versucht. Zudem verfolgt ihn die Erinnerung an seine einstige Geliebte Anne (Joëlle Coeur), die unter rätselhaften Umständen starb und die ihm schließlich zum Verhängnis wird.

Review

Mein Gott, was für eine sperrige Inhaltsangabe. Sex! Nekrophilie! Sodomie! Menschenjagd! Verstümmelte Mumu! Das ist es, was den Zuschauer erwartet – neben einer Reihe von überkandidelten Dialogen und surrealistischen Sperenzchen.

„Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ nimmt direkten Bezug auf Ernest B. Schoedsacks und Irving Pichels Filmvorlage „Graf Zaroff - Genie des Bösen“ (The Most Dangerous Game, 1932), wobei dieser Bezug – wohl aus urheberrechtlichen Gründen – zunächst bei den Deleted Scenes landete. Regisseur Michel Lemoine blickte im Entstehungsjahr 1976 bereits auf eine lange Schauspielkarriere und ein paar wenige Regiearbeiten zurück. So traf er mit Co-Star Howard Vernon erstmals 1948 zusammen, bei den Dreharbeiten zu Sacha Guitrys „Le diable boiteux“. Sein Regiedebut hatte er bei der deutschen Aquila-Produktion „Wie kurz ist die Zeit zu lieben“ (1970), wo der On-Screen Regie-Credit aber an den Produzenten Pier A. Caminecci ging. Seine Liebe galt aber vor allem dem phantastischen Film. Einen ersten Versuch startete er, als er versuchte, ein paar fantastische Elemente in den Erotikfilm „Les désaxées“ (1972) zu schmuggeln, die vom Produzenten während des Editing-Prozesses allerdings restlos entfernt wurden. Doch dann gelang es ihm, der Produzentin Denise Petitdidier das halbe Budget für „Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ abzuschwatzen, zwei weitere Geldgeber kamen hinzu.

Michel Lemoine hat auf dem phantastischen und surrealen Sektor natürlich zwei wichtige Vergangenheitserfahrungen vorzuweisen, nämlich mit Jess Franco und José Bénazéraf. Doch wer hat eigentlich wen beeinflusst? Lemoine war sowohl am Drehbuch von Francos „Necronomicon – Geträumte Sünden“ (1968) als auch am Drehbuch von Bénazérafs „Frustration“ (1971). Hat man erst mal bemerkt, wie ähnlich sich manche Elemente dieser beiden Filme sind, in der Erzählstruktur (Story, Rückblenden, Traumszenen, alles kaum voneinander zu unterscheiden) wie auch in den Dialogen, ist man nicht überrascht, dass auch „Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ in diese Kerbe schlägt. Unterschiede zu Lemoines Regiearbeit von 1976 ergeben sich aus dem Editing durch Bob Wade und der cheesigen Musik von Guy Bonnet.

Und fast wäre „Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ ein Film mit Silvia Kristel geworden. Fast. Der mit Michel Lemoine befreundete Filmjournalist Robert de Laroche, der ebenso 2nd Unit Director und Darsteller in „Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ war, hatte bei einer Pressevorführung bereits Gelegenheit Just Jaeckins „Emmanuelle“ (1974) zusehen, der noch nicht im Kino angelaufen war. Er war begeistert von Kristel und stellte sie Lemoine und der Produzentin vor. Die zeigten sich allerdings wenig begeistert von der hinter der Kamera noch sehr unscheinbar wirkenden Persönlichkeit und Präsenz von Silvia Kristel und vergaben die Rolle an Joëlle Coeur. Mit dieser Geschichte kann man die Drehzeit von „Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ auf das Frühjahr 1974 zurückdatieren. Zwar benennen Filmdatenbanken das Jahr 1976 als Produktionsjahr, das kann aber nicht stimmen. Der Film hatte seine (zwei) Premieren 1975 in Sitges und auf einer Pressevorführung im selben Jahr. Kommen wir damit zu Premiere No 3, nämlich der vor der französischen Zensurkommission. Lemoine hatte zwei Fassungen seines Films angefertigt, um die Zensoren zu täuschen. Eine entschärfte Fassung sollte an die Zensoren gehen, die unzensierte Version zur Presseaufführung. Doch die Rollen wurden verwechselt, die ungekürzte Fassung ging an die Zensoren, woraufhin der Film in Frankreich verboten wurde. Reguläre Kinoaufführungen fanden lediglich in den USA und in England statt, beide in zensierter Form.

„Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ beginnt mit einer Jagd. Hoch zu Pferde und begleitet von seiner schwarzen Dogge verfolgt Boris Zaroff eine nackte Schönheit durch den Wald. Diese Szene steht im Widerspruch zu Zaroffs späterem Charakter im Film, der keineswegs so kontrolliert Jagd auf Menschen macht. Doch wie gesagt, vieles im Film geschieht auf surrealer Ebene, reales Geschehen und Phantasien sind kaum zu unterscheiden. Besonders deutlich wird dies beim Mord an der Anhalterin. Er nimmt sie auf der Straße mit, und sie willigt ein, bei ihm im Schloss zu übernachten. Es folgt ein sado-masochistischer erotischer Moment, von dem wir nicht wissen, ob der nicht auch nur Traumvorstellung ist. Wir erfahren nicht einmal, ob dies nun seine Phantasie oder die Ihre ist. Am nächsten Tag kommt es im Wald zu diversen Kontrollverlusten. Er würgt sie, dann entschuldigt er sich. Er beißt sie in die Brust, entschuldigt sich erneut. Sie läuft davon, er verfolgt sie mit dem Auto und fährt sie versehentlich platt. Er ist nicht der eiskalte Jäger, den sein Diener Karl aus ihm machen will, vielmehr kämpft er – wenig erfolgreich – gegen die bösen Gene seines Vorfahren an.

Apropos Karl. Howard Vernon war ein jahrzehntelanger Vollprofi, der mit großen Regisseuren und großen Kollegen zusammengearbeitet hat. Hinter der Kamera hatte er aber wohl eine besondere Methode, sich für seinen Auftritt locker zu machen: er war ein Scherzkeks. Lemoine hatte nicht immer viel für Vernons Humor übrig, und tatsächlich soll sich Vernon hinter dessen Rücken nicht selten über ihn lustig gemacht haben. Lemoines mitunter schwülstige Dialoge lockerte er auf, indem er, sobald er mit dem Rücken zur Kamera stand, anderen Darstellern das Ernstbleiben erschwerte. Etwa als Robert de Laroche mit seiner Kollegin Martine Azencot Einlass ins Schloss begehrt (beide werden später im Keller zu Tode gefoltert), begrüßte sie Vernon (er stand mit dem Rücken zur Kamera) mit den Worten „Und was willst Du hier, Du Hurensohn“? Aber vielleicht sah er das ja als gutes Training für Jungschauspieler, vor der Kamera ernst bleiben, egal was passiert.

„Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ bringt ebenso viele gut gefilmte Szenen mit sich wie Probleme. Die schönen, sonnigen Locations machen es schwer, wenn Lemoine versucht, typische Jess Franco-Momente nachzufilmen, wie etwa Joëlle Coeur Momente am und im Teich. Wallende Nebel wabern während strahlendem Sonnenschein, das ist der Atmosphäre abträglich. Und für wirklichen Surrealismus hätte es ein kreativeres Editing gebraucht, das Bob Wade (Grillets „Spiel mit dem Feuer“, 1975 oder „Die schöne Gefangene“, 1983) seltsamerweise nicht liefern konnte. Und die Musik ist wie gesagt gewöhnungsbedürftig. Trotzdem ist „Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ ein ebenso spannendes wie außergewöhnliches Filmvergnügen, dem man an miesepetrigen Tagen eine gewisse Frauenfeindlichkeit nachsagen könnte.

Michel Lemoine wandte sich als Regisseur nach den Zensurproblemen mit „Les week-ends maléfiques du Comte Zaroff“ vornehmlich dem Porno-Genre zu, für das es wenigstens geeignete Kinos gab.

Links

OFDb
IMDb

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