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Der Todesschrei der Kannibalen

Indonesien, 1980

Originaltitel:

Primitif

Alternativtitel:

L'île de l'enfer-cannibales (FRA)

Primitiv (ITA)

Los Primitivos (ESP)

Savage Terror (GBR)

Primitives

Mondo Cannibale - die Menschenfresser

Deutsche Erstaufführung:

07. März 1980

Kamera:

Leo Fioole

Inhalt

Um ihren Ethnologie-Professoren überlegen zu sein, begibt sich eine Gruppe von Studenten in die Tiefen des Dschungels, um auf echte Primitive zu treffen. Ihr Wunsch erfüllt sich, und sie m üssen ums Überleben kämpfen.

Review

In den Reihen der wenigen existierenden Kannibalen-Filme verirrte sich 1980 dieser Beitrag aus Indonesien, der hierzulande gar als italienische Produktion vermarktet werden sollte. Ganz falsch war diese Annahme nicht, denn die seit nunmehr fast 50 Jahren existierende Firma Rapi Films produzierte zu dieser Zeit noch ausschließlich für den heimischen Markt. Ein italienischer Distributor sah jedoch den Film und bot an, diesen international zu vermarkten. Und so gelangte „Primitif“ in deutsche, britische und US-Kinos, 30% der Einnahmen entfielen hierbei auf die Italiener, während 70% an Rapi Films gingen.

 

Drehbuchautor Imam Tantowi macht kein Geheimnis daraus, dass er sich – nachdem das Projekt an ihn herangetragen wurde – Umberto Lenzis „Mondo Cannibale“ (Il paese del sesso selvaggio, Italien 1972) und Ruggero Deodatos „Mondo Cannibale 2 – Der Vogelmensch“ (Ultimo mondo cannibale, Italien 1977) angesehen hat und diese beim Schreiben als Inspirationsquelle nutzte. Ursprünglich sollte Tantowi auch Regie führen, fühlte sich aber noch nicht bereit dazu. Außerdem träumte er von einer Regiekarriere mit Kinderfilmen, und so wollte er nicht ausgerechnet mit einem Kannibalen-Film starten. Er schlug daraufhin Sisworo Gautama Putra vor, für den es das Regiedebut wurde, während Tantowi am Set als Regieassistent fungierte.

 

„Der Todesschrei der Kannibalen“ ist außerdem das Schauspieldebut von Barry Prima, und tatsächlich wurde das Pseudonym für seinen Nachnamen von diesem Film abgeleitet: Primitiv – Prima. Regisseur Gautama hatte mit Barry Prima aber seine Probleme. Gautama kam von der Filmakademie, Prima hingegen war ein Laie von eher schlichter Natur. Wenn Gautama ihm Regieanweisungen gab, verstand Prima diese nicht, rein von Vokabular und Dialektik her. Hier musste Imam Tantowi einspringen und „übersetzte“. Sollte Prima etwa Schmerz zum Ausdruck bringen, fragte ihn Tantowi, ob er schon einmal so richtig an Verstopfung gelitten habe und nur unter großer Pein das Resultat zum Vorschein bringen konnte. Diesen Gesichtsausdruck wolle er haben.

 

Ich war überrascht, denn „Der Todesschrei der Kannibalen“ gefiele mir jetzt besser als ich ihn in Erinnerung hatte. Vielleicht weil ich ihn erstmals in vernünftiger Qualität sehen konnte und mich nicht mit einer deutschen Billig-Synchro rumschlagen musste. Ein Vergleich mit italienischen Genre-Beiträgen wäre dennoch unglücklich, aber immerhin funktioniert „Der Todesschrei der Kannibalen“ als spannender Abenteuerfilm ganz gut, trotz manch unfreiwillig komischer Momente.

 

Wen es beruhigt: der schöne Orang-Utan wurde nicht wirklich getötet oder gegessen (zu teuer), dafür aber eine Schlange (aß der eigene Tiertrainer) und ein Krokodil (Festmahl für die ganze Crew). Menschen wurden keine gegessen, weder vor noch hinter der Kamera. Soweit bekannt ist.

Veröffentlichungen

Unter dem Titel „Primitives“ erschien „Primitif“ im Oktober 2020 von Severin Films in den USA auf einer codefreien Blu-ray. Und damit zu der Frage, die alle Fans interessiert: sind „Die Roboter“ vertreten? Ja, sind sie. Severin Films gibt an, zur Abtastung eine indonesische Originalkopie erworben zu haben, doch Überraschung, Vor- und Abspann hätten gefehlt. Deshalb habe man Vor- und Abspann von einer deutschen 35mm-Kopie genommen. Ich lasse das so stehen, denn wirklich Sinn ergibt diese Erklärung nicht. Ich glaube, die wollten einfach den Kraftwerk-Track drin haben. Außerdem hatte die indonesische Kopie eine ziemlich schlechte Tonqualität, zudem scheinen im Tonvergleich ohnehin einige Szenen gefehlt zu haben, die Severin ebenfalls nachträglich einfügte. Also ist der Film uncut, mit einer Lauflänge von 90 Minuten.

 

Der englische Ton ist wie geschildert deutlich besser als der Indonesische. Im Bonusmaterial findet sich ein Trailer, ein 7-minütiges Interview mit Produzent und Rapi-Chef Gope T. Samtani, ein 10-minütiges Interview mit Drehbuchautor Imam Tantowi, sowie ein 5-minütiger Alternativ-Anfang aus GB.

Links

OFDb
IMDb

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