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Vaya luna de miel

Spanien, 1980

Originaltitel:

Vaya luna de miel

Alternativtitel:

El escarabajo de oro

Regisseur:

Jesús Franco

Kamera:

Juan Soler

Drehbuch:

Jesús Franco

Inhalt

Der junge Simón Rey (Emilio Álvarez) lernt am Strand die quirlige Yolanda (Lina Romay) kennen, und ehe man sich versieht sind sie schon verheiratet. Auf ihrer Hochzeitsreise zu den Banana Islands werden die Zwei in eine Schatzsuche verwickelt, da die verschiedenen Parteien, Gangster, Chinesen und die örtliche Regierung, ihn mit dem Superdetektiv Simón (Antonio Mayans) verwechseln. Doch das Paar wird fündig.

Review

Wenn man sich bereits in den frühen 80er Jahren mit Jess Franco beschäftigte und stets auf der Suche nach Filmen von ihm war, stieß man bald auf die Erwähnung einer Verfilmung von Edgar Allan Poes „Der Goldkäfer“, konnte aber um nichts in der Welt Näheres in Erfahrung bringen. Bald war man überzeugt, der meist unter dem Titel „El escarabajo de oro“ erwähnte Film wäre entweder nur ein geplantes Projekt gewesen oder nicht fertiggestellt. Im Jahr 2019 zauberte plötzlich die Filmoteca Española den nun „Vaya luna de miel“ (Honeymoon) genannten Film im Rahmen ihres ersten Restaurationsprojektes aus dem Hut. Es sei nicht verschwiegen, dass die spanische Presse und einheimische Filmkritiker durchaus gespaltener Ansicht darüber waren, ob denn nun von allem möglichen seltenem, vermeintlich verschollenem oder in schlechtem Zustand erhaltenem spanischen Filmkulturgut ausgerechnet ein Jess Franco-Film gerettet werden sollte. An dieser Stelle großen Dank an die Filmoteca Española, dass sie nicht auf diese Sesselfurzer gehört haben.

 

Freilich ist „Vaya luna de miel“ nach seiner jahrzehntelangen sagenumwobenen Mysteriosität nicht das, was man von einer Poe-Verfilmung erwartet, und es ist auch nicht wirklich eine solche, auch wenn ein Goldkäfer bei der Schatzsuche eine Rolle spielt. Das Publikum bei der Erstaufführung 2019 hat wohl auch nicht immer nur ob des komödiantischen Inhalts gelacht. Franco inszenierte hier eine leichtfüßige Komödie, die innerhalb seines Repertoires eine seltene Ausnahme darstellt. Abgesehen von ein paar wenigen Aufnahmen von Linas Brüsten könnte „Vaya luna de miel“ in einer Kindervorstellung gezeigt werden. Mir ist leider nicht bekannt, warum es – trotz vorhandenen fertigen Materials, Tons und Musik – im Registrierungsjahr 1980 nicht zu einer Veröffentlichung kam, denn die Produktionsfirma Magna Films existierte noch bis in die späten 80er Jahre hinein. Gedreht wurde „Vaya luna de miel“ 1979 im und um das heute noch existierende Hotel Huerto di Cura in Calpe, sowie in einem Vergnügungspark in Benidorm, beides in Alicante an der Costa Blanca.

 

„Vaya Luna de Miel“ beginnt mit dem jungen Simón, gespielt von dem noch ziemlich pubertär aussehenden Emilio Álvarez, der Anfang der 80er Jahre in ein paar Sex-Komödien zu sehen war, unter anderem in Amando de Ossorios „Pasión prohibida“ (1980) an der Seite von Susana Estrada. Simón ist ein behütet aufgewachsener Bücherwurm aus wohlhabender Familie und als die quirlige Yolanda (Lina Romay) ihn am Badestrand bittet, ob er ihr helfen könne ihr Bikini-Oberteil zu öffnen, während sie an seinem Eis schleckt, ist es um ihn geschehen. Es wird geheiratet, und für die Hochzeitsreise wählt Yolanda willkürlich irgendeinen Punkt auf dem Globus, namentlich die Banana Islands (Sierra Leone). Dort angekommen gesteht sie ihm, dass sie nur auf der Suche nach einem reichen Mann gewesen sei, den sie ehelichen könne, doch dass sie ihn wirklich liebt. Süß. Und irgendwie pervers, denn Simón sieht aus wie vierzehn, und Lina Romay wirkt trotz ihrer 25 Jahre (und sie sieht hinreißend aus in „Vaya luna de miel“) deutlich reifer. Aber egal, das Paar wird sich schon bald hervorragend ergänzen.

 

Simóns Ankunft auf den Banana Islands wirbelt Staub auf in Unterweltskreisen, denn es ist kein Geheimnis, dass es dort einen Schatz zu finden gibt, nach dem diverse Parteien schon vergeblich gesucht haben. Nur für Simón wiederum ist ein Geheimnis, dass die Regierung den Superdetektiv Simón engagiert hat, um den Schatz zu finden, und die Gangster den jungen Bräutigam für jenen Superdetektiv halten. So drückt ein sterbender Chinese (Jess Franco), der vom örtlichen Gangsterboss Craig eine Kugel in den Rücken bekommen hat), dem jungen Simón eine Schatzkarte in die Hand, auf der allerdings nichts zu lesen ist. Es scheint ein leeres Blatt Papier. Im weiteren Verlauf helfen weitere Chinesen (die alle irgendwie spanisch aussehen) Simón, die Karte lesbar zu machen und auf die Spur des Schatzes zu gelangen. In die Quere kommt ihnen dabei Gangsterboss Craig (Max H. Boulois) und dessen Gehilfin Greta, die Perverse (Susy Boulois).

 

Zwischenstopp. Max H. Boulois, man fragt sich, wo Franco an den geraten ist. Überhaupt tauchen neben Lina Romay, Antonio Mayans und Antonio de Cabo nicht die üblichen Franco-Darsteller auf. Vielmehr scheinen zumindest einige davon ins Umfeld des dunkelhäutigen Hünen Boulois zu gehören, seines Zeichens selbst Regisseur und Hauptdarsteller in seinen eigenen Filmen. So drehte er drei Actionfilme in eigener Regie, „Fuerza mortal“ (1980), „Panik im Casino“ (Asalto al casino, 1981) an der Seite von Peter Cushing, Claudine Auger und Hugo Stieglitz, sowie „Black Platoon - Das schwarze Kommando“ (Otelo, 1982) mit Tony Curtis und Joanna Pettet.

 

Die Schatzsuche in „Vaya luna de miel“ ist – wie der gesamte Film – leichtfüßig inszeniert und mit amüsanten Dialogen gewürzt. Franco wagt hier ein frühes Spiel mit seiner Welt und der realen Welt. Während Simón und Yolanda sich erst sechs Stunden auf einem Fluss rudernd, dann weiter zu Fuß durch den dichten Dschungel vorarbeiten, fährt Greta die Perverse mit dem Auto zur gesuchten Chinesischen Höhle im Leopardendschungel und wundert sich, warum das junge Paar es sich so schwer macht. Denn längst ist alles auf den Banana Islands touristisch erschlossen, was das junge Paar, gefangen in seinen Phantasien von einem wilden Abenteuer, gar nicht zur Kenntnis nimmt. Hier ist dieser Film/Realitätsbruch komödiantisch integriert. Franco hat das überzeugender hinbekommen in einem kurzen Moment in dem schrägen „Los blues de la calle Pop (Aventuras de Felipe Malboro, volumen 8)“ (1983), wo Privatdetektiv Felipe (Antonio Mayans) plötzlich verwundert Passanten der realen Welt entdeckt, die ebenso verwundert auf ihn zurückschauen.

 

Da ich gerade so schön vom Thema abgekommen bin, kürze ich gleich mal ab. „Vaya luna de Miel“ ist eine amüsante Farce um eine Schatzsuche, die ein paar Minuten zu lang geraten sein mag, aber ansonsten sehr unterhaltsam ist. Antonio Mayans hat zum Ende hin kurze Auftritte als echter Simón, den er affektiert und tuntig spielt, und schließlich endet der Film in einer Goldmine, bzw. einen mit Goldfolie beklebtem Raum, vermutlich irgendjemandes Hotellobby. Aber so sind funktionieren eben franco’sche Illusionen. Und wem das Ganze irgendwie bekannt vorkommt, ja, nicht wenige Teile der Story hat Franco in dem 1984 veröffentlichten „Is Cobra a Spy?“ (¿Cuánto cobra un espía?, 1984) wiederverwendet.

Links

OFDb
IMDb

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