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Cecilia - Hemmungslos und unersättlich

Spanien, 1981

Originaltitel:

Aberraciones sexuales de una mujer casada

Alternativtitel:

Sexual Perversions of a Married Woman (USA)

Regisseur:

Jesús Franco

Kamera:

Juan Soler

Drehbuch:

Jesús Franco

Inhalt

Emmanuelle (Muriel Montossé) hat vor zwei Jahren den Diplomaten Andreas (Antonio Mayans) kennen und lieben gelernt, ihn geheiratet und seitdem keine Affären mit anderen Männern gehabt. Doch sie ist unzufrieden. Nachdem sie vor dem Bediensteten Kam (José Valero) nackt am Fenster posierte und dieser von Andreas gefeuert wurde, rächt sich Kam, indem er Emmanuelle gemeinsam mit seinen Brüdern vergewaltigt. Emmanuelle genießt jedoch dieses unangenehme Erlebnis, erzählt ihrem Mann davon und schließt mit diesem einen Pakt: künftig sexuelle Freiheit für Beide, ohne Geheimnisse und ohne Reue. Doch das wird nicht funktionieren.

Review

„Aberraciones sexuales de una mujer casada“ ist der erste von drei Filmen, die Jess Franco 1980 für den spanischen Produzenten Julián Esteban drehte, die anderen beiden waren „Jungfrau unter Kannibalen“ (El caníbal, 1980) und die längere spanische Urfassung von „Lolita am Scheideweg“ (Eugenie (Historia de una perversión), 1980). Insgesamt drehte Franco im Jahr 1980 acht Filme. „Aberraciones sexuales de una mujer casada“ entstand im Frühjahr 1980 in Portugal.

 

Francos nach eigenem Drehbuch entstandener Film ist ein Paradoxon wie es im Buche steht. Es ist eines seiner schönsten und verträumtesten Werke und das bei DER Story. Im wundervollen Ambiente des nebligen Sintra im und um den Palácio de Monserrate, mit verträumter Musik von Daniel White (und Franco selbst) erzählt er eine weitgehend moralfreie Geschichte um Liebe, sexuelle Gewalt, unerfüllte Sehnsüchte, Eifersucht und Zurückweisung, verpackt in Aufnahmen von paradiesischen Gärten mit üppig wuchernder Vegetation. Wundervoll.

 

Nichts so die Geschichte. Emmanuelle ist – laut Francos eigener Definition – eine unglückliche Frau. Nach zahlreichen sexuellen Abenteuern hat sie die wahre Liebe gefunden. Doch die Liebe allein macht sie ebenso wenig glücklich wie zuvor ihre sexuellen Eskapaden. Nachdem sie von ihrem Ex-Angestellten und dessen Brüdern vergewaltigt wurde, wird ihr bewusst, wie sehr ihr das gefehlt hat (!). Endlich habe sie das Animalische in ihr wiederentdeckt, und dies wolle sie nun in ihre Ehe mit Andreas einbinden.

 

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Sie kokettiert mit Angestellten, räkelt sich nackt auf dem Rücksitz ihrer Limousine vor den Augen des Chauffers Kam. Dann erfährt sie ihre „Strafe“, denn Kam und seine Brüder fallen über sie her. Also haben Frauen selbst Schuld, wenn sie vergewaltigt werden? Nein, mit solchen Gedanken hält sich Francos Film gar nicht erst auf. Denn Emmanuelle hat es eh gefallen, und anschließend geht sie mit den Tätern Nacktbaden. Doch für empörte Schnappatmung ist es noch zu früh, denn sie setzt noch eins drauf. Sie eilt nach Hause zu Ehemann Andreas, die beiden schlafen miteinander, und bei einem anschließenden Gespräch erzählt sie ihm von der Vergewaltigung, wie sehr es ihr gefiel, und dass sich der Sex mit Andreas nun wieder anfühle, wie zu den Zeiten als sie sich gerade erst kennen lernten. Uff. Jetzt Schnappatmung.

 

Ehemann Andreas ist beleidigt. Seine Frau muss erst von drei Kerlen missbraucht werden, damit sie den Sex mit ihm wieder genießen kann? Das findet nicht nur er heftig, sondern auch der Zuschauer. Doch Emmanuelle trickst den nun unwilligen Andreas aus, mithilfe ihres homosexuellen Freundes, dem Marquis Antonio (Antonio de Cabo). Der ist zu Besuch bei dem Ehepaar und hat eine dunkelhäutige Schönheit (Ana Paula) mitgebracht. Während Antonio den Betrunkenen spielt und sich von Emmanuelle ins Bett bringen lässt, verführt die Dunkelhäutige Andreas. „Überrascht“ erwischt Emmanuelle die Beiden. Erst macht sie ihrem man eine Szene, dann kommt es zu einem Versöhnungs-Dreier. Ausgetrickst, Andreas! Doch ihm gefällts, und so kommt es kurz darauf zu einem Pakt. Emmanuelle und Andreas wollen sich von bourgeoisen Vorurteilen befreien, künftig sowohl getrennt als auch gemeinsam ihre Sexualität ausleben und sich gegenseitig von allen Abenteuern erzählen, um ihre Lust zu steigern.

 

Doch das funktioniert nicht. Andreas erfindet sexuelle Abenteuer, weil er eigentlich gar keine will. Er ist ein Trottel, aber er liebt Emmanuelle. Diese wiederum trifft sich erneut mit Kam, lässt sich nochmals von ihm und seinen Brüdern in einem Stall befriedigen. Und nicht nur das. Nachdem Kam ihr am Strand ein wenig Poesie vorträgt, verliebt sie sich vorübergehend in ihn. Alles gegen die Regeln. Habe ich schon die LSD-Party erwähnt? Egal.

 

Ob Liebe oder Promiskuität, beides macht Emmanuelle nicht glücklich, auch nicht in Kombination. Bei einer Party im Nachtclub von Lina Romay betrinkt sie sich, flirtet mit allen Männern und legt einen Striptease hin. Nun ist Andreas wütend, er ohrfeigt sie vor versammelter Mannschaft und fährt mit ihr davon – gefolgt von vier Matrosen, die es auf Emmanuelle abgesehen haben. Im Auto sieht sich das Ehepaar in die Augen und fühlt nur Entfremdung. Andreas lässt Emmanuelle zurück, und diesmal wird sie das Opfer einer richtig bösen Vergewaltigung. Nur Gewalt, keine Lust, kein animalisches Vergnügen. Schmerz, gefolgt von Einsamkeit.

 

Und so erkennt Emmanuelle schließlich die Wahrheit, die uns Zuschauern als Moralersatz dienen muss: nichts, was sie mit ihrem Leben noch anfängt, wird ihr Vergnügen bereiten, ohne Andreas an ihrer Seite. Frauen sind Sklaven ihrer Männer, doch ohne diese Männer werden sie nicht glücklich – und mit ihnen auch nicht. Happy End.

 

Eine böse Geschichte. Und nur ein Jess Franco kann eine derartig böse Geschichte in so wundervolle Bilder kleiden, dass die Illusion entsteht, man habe einen schönen Film gesehen. Muriel Montossé spielt ihre Rolle angemessen gut, tatsächlich hat sie ein paar ausgesprochen schwierige Szenen, die sie souverän meistert. Antonio Mayans wirkt als Andreas diesmal ein bisschen trottelig, aber so ist eben seine Rolle. Bei der Darstellung des Marquis verzichtet Francos Regie diesmal auf unerträgliche homosexuelle Klischees, der Marquis ist, was er ist.

 

„Aberraciones sexuales de una mujer casada“ gehörte zu Francos erfolgreichsten Erotikfilmen der 80er in seinem Heimatland Spanien. Zwei Jahre nach der dortigen Uraufführung wurde er von Eurociné aufgekauft, welche von Olivier Mathot ein paar zusätzliche Szenen drehen ließen. Ich mag letztere Fassung nicht so sehr, die in Paris nachgedrehten Momente unterbrechen die Stimmung, ebenso erweisen sich drei musikalische Veränderungen als störend.

 

„Aberraciones sexuales de una mujer casada“ wird fortgesetzt in „Las orgías inconfesables de Emmanuelle“ (1982).

Links

OFDb
IMDb

Alternative Eurociné-Fassung: OFDb, IMDb

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