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Esmeralda Bay

Frankreich | Spanien, 1989

Originaltitel

La bahía esmeralda

Regisseur

Jesús Franco

Inhalt

15 Monate ist es her, dass der Diktator der kleinen Republik Puerto Santo gestürzt wurde und sich ins Ausland absetzte. Ersetzt wurde er durch den neuen Präsidenten Ramos (Fernando Rey), der jedoch vom Volk nicht akzeptiert wird, weil er sich nicht gegenüber dem brutalen General Madero (Robert Forster) durchsetzen kann. Ein paar Handvoll Revolutionäre, angeführt von Luis (Brett Halsey) und Andres (Ramon Estevez), stehen in enger Verbindung mit dem auf Puerto Santo lebenden Waffenhändler Wilson (George Kennedy). Doch stets schlagen dessen Waffenlieferungen an die Revolutionäre fehl, offenbar gibt es einen Verräter. Wilson will nicht wahrhaben, dass es seine eigene Frau Linda (Silvia Tortosa) ist ist, die eine Affäre mit General Madero hat. Als der General Wilsons Tochter Lina (Karin Well) entführen lässt, um von ihr den Aufenthaltsort der Widerständler durch Folter zu erpressen, ruft Wilson seinen eigenen Hauptlieferanten Jonathan Perry (Craig Hill) zu Hilfe. Doch auch der spielt ein doppeltes Spiel. Für die US-Armee will er den alten geflohenen Diktator wieder als Staatsoberhaupt einsetzen. Als die Revolution beginnt, scheinen die Widerständler auf verlorenem Posten zu stehen.

Review

Ende der Achtziger Jahre ist Jess Francos Filmographie von sehenswerten Widersprüchen geprägt. Nachdem René Chateau 1987 mit „Faceless“ (Les Predateurs de la nuit) den bis dato höchstbudgetierten Franco-Film produziert hatte, ließ auch Eurociné sich erstaunlicherweise mal nicht lumpen und investierte in „Dark Mission“ (1988) und den hier besprochenen „Esmeralda Bay“ (1989) eine Handvoll Dollar mehr und ließ zudem eine beachtliche Darstellerriege auffahren. Freilich hielt das Franco nicht ab, zwischendrin zwei Hardcore-Pornos zu drehen, obwohl nach seiner Aussage eher Lina Romay den größten Teil dieser Hardcore-Filme ausführte.

 

Wer eine Handvoll Franco-Filme mehr gesehen hat weiß, dass das Thema Revolution immer mal wieder in seinen Filmen auftaucht, von seinen Anfängen als Regisseur, bis in die Neunziger hinein. Für „Esmeralda Bay“ hatte Franco aber ausnahmsweise genug Geld zur Verfügung, um voll in das Thema einzusteigen und einen Action-Film über Ursachen, Ausführung und Nachwirkungen einer solchen Revolution zu zeigen. Der Haken dabei ist freilich, dass Actionszenen grundsätzlich nicht zu Francos Bestleistungen gehören und Sleaze oder irgendwelche Nacktszenen hier inhaltlich völlig fehl am Platze gewesen wären. Und so muss man auf Letztere komplett verzichten.

 

„Esmeralda Bay“ ist durchaus interessant und hat seine Momente. Ein besonders starker Moment ist die Rolle von Fernando Rey, dem von den Revolutionären verhassten Diktator. Ein böser Mensch und skrupelloser Diktator? Nein, der ist total nett, wünscht sich eine Demokratie und Verbesserungen für die Armen, doch leider ist er willensschwach. Er kann sich nicht gegen seinen eigenen General – ebenfalls hervorragend gespielt von Robert Forster – durchsetzen. Der wichtigste Handlungsteil des Films kreist um die Familie Wilson. Der Vater unterstützt die Rebellen mit Waffen, seine Tochter hat eine Affäre mit dem Revoluzzer Andres und misstraut ihrer Stiefmutter, zu Recht, wie sich zeigt.

 

Doch bei aller Unterhaltsamkeit überwiegen bei diesem Film die Problematiken, und davon gibt es ein paar. Wichtigster Bestandteil des Films ist seine Story, und die verhindert, dass es in diesem Film eine wirkliche Hauptfigur gibt. Die Auftritte seiner Stars sind relativ gleichmäßig verteilt, dominierend wird immer gerade der, der besser schauspielern kann. Schlechte Karten für den kleinen Ramon Sheen alias Ramon Estevez, der neben George Kennedy wie ein Schluck Wasser wirkt. Bei Karin Well – die Zombie-Fans sicher aus Andrea Bianchis „Die Rückkehr der Zombies“ kennen - passiert etwas ganz Interessantes. Sie ist gut, wenn sie Szenen mit einem guten Schauspieler, etwa George Kennedy oder Robert Forster, hat. In den übrigen Szenen stinkt sie ab. Brett Halsey hat so gut wie keinen Dialog, aber sein Charaktergesicht rettet ihn durch den Film. Eine weitere Problematik ist der Ton. Es wurde in Englisch gedreht, mit Originalton am Set. So Erfahren Jess Franco als Regisseur auch sein mag, hier wird hörbar, wie selten er mit Originalton zu tun hatte. Nicht selten werden Dialoge von Außengeräuschen überlagert, etwa während eines Dialogs in einem Jeep oder überlautem Vogelgezwitscher bei den zahlreichen Außenaufnahmen. Die Action-Szenen wiederum sind oftmals mäßig umgesetzt, gerade zu Anfang wird – völlig überflüssigerweise – viel Zeitlupe verwendet. Später wird es besser, selbst die zahlreichen Archivaufnahmen von Kriegsgerät, Kampfszenen und Soldatenaufmärschen sind ganz gut in die Handlung eingefügt. Einige Aufnahmen legen wiederum nahe, dass zum Drehzeitpunkt ein echtes Marine-Manöver an der Küste stattfand, welches Franco nicht nur durch Fernaufnahmen in den Film einbaute. Anscheinend dürfte er auch ein paar Szenen mit Craig Hill und anderen Darstellern an Bord eines der Kriegsschiffe drehen.

 

Zu den Pluspunkten des Films gehört unbedingt der Score von Luis Bacalov, der sich hier deutlich mehr Mühe gegeben hat als bei seiner früheren Arbeit für Eurociné, Andrea Bianchis „Maniac Killer“ (1987). Das Titelthema ist überaus dramatisch, definitiv dramatischer als Francos Film. Mindestens ein Gitarrenstück von Daniel White (gespielt von Santiago Reyes) wurde nichtsdestotrotz eingeschmuggelt. Zu den Franco-Regulars in „Esmeralda Bay“ gehört neben Daniel Katz natürlich Lina Romay, die eine etwas längere Rolle als Hotelbesitzerin hat. Jess Franco selbst gibt am Anfang eine kleine Performance als Kapitän eines Waffenschmuggler-Schiffes, und Antonio Mayans spielt einen Priester, der – entgegen der Inhaltsangabe auf IMDb, die ihn gar zum Anführer der Widerständler erklärt – nicht viel mit der Revolution zu tun hat. Apropos – Gerüchten zufolge hat sich Mayans gleich zu Beginn der Dreharbeiten bei Robert Forster für sein ähnlich klingendes Pseudonym „Robert Foster“ entschuldigt, welches er von da an auch nicht mehr verwendete, sondern sich künftig „Anthony Foster“ nannte, falls notwendig.

 

Leider habe ich die deutsche VHS von „Esmeralda Bay“ nie gesehen. Diese wird auf OFDb als uncut geführt, hat lt. Cover aber nur eine Lauflänge von 90 Minuten. Die spanische DVD geht auf jeden Fall 105 Minuten, der Kauf gestaltet sich jedoch als Glücksspiel – einige Exemplare haben den englischen Originalton dabei, andere nicht.

Links

OFDb
IMDb

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