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The Sinister Dr. Orloff

Spanien, 1984

Originaltitel:

El siniestro doctor Orloff

Alternativtitel:

Experimentos macabros (ESP)

Regisseur:

Jesús Franco

Kamera:

Juan Soler

Drehbuch:

Jesús Franco

Inhalt

Dr. Orloff (Howard Vernon) ist es nicht gelungen, seine durch Brandwunden entstellte Tochter Melissa zu heilen. In ein künstliches Koma versetzt hält er sie am Leben, er selbst längst ein alter Mann geworden, während sie äußerlich noch immer so jung ist wie einst. Inzwischen hatte er jedoch einen Sohn, Alfred Orloff (Antonio Mayans), der seine Mutter Melissa sexuell begehrt und einen neuen Ansatz wagt, um sie wiederbeleben zu können.

 

Alfred will die Seele einer Hure (letzteres ist ihm wichtig) in den Körper seiner Mutter transferieren. Gemeinsam mit dem blinden Faktotum Andros (Rafael Cayetano) entführt er hierfür geeignete Kandidatinnen, die den angedachten Körpertausch jedoch nicht überleben. Ihre Leichen materialisieren außerhalb der Kontrolle Alfreds irgendwo in der Stadt, was Inspektor Mario Tanner (Antonio Rebollo) auf den Plan ruft.

Review

Lassen wir uns das zunächst auf der Zunge zergehen. Melissa war die Tochter von Dr. Orloff, damals und auch hier gespielt von Howard Vernon. Orloff konnte sie nicht zu neuem Leben erwecken. Zwischendrin hat sie ihm aber anscheinend einen Sohn geboren, und auch der begehrt Melissa, seine Mutter. Doppelter Inzest, willkommen im Francoversum.

 

Irgendwann in den ersten beiden Monaten des Jahres 1982 begann Jess Franco mit dem Dreh von Szenen zu EL SINIESTRO DOCTOR ORLOFF, noch mitten in den Dreharbeiten zu BLACK BOOTS, LEATHER WHIP (Botas negras, látigo de cuero, 1983) an der Costa del Sol. Beendet wurde die Orloff-Fortsetzung aber in Alicante, genauer gesagt in Calpe, gut zu erkennen an der Verwendung der außergewöhnlichen Architektur des Apartment-Komplexes La Manzanera und der gleichnamigen Bucht.

 

Dass EL SINIESTRO DOCTOR ORLOFF keine würdige Orloff-Fortsetzung werden wird, ahnt der Zuschauer gleich zu Beginn. Antonio Mayans fährt als Alfred Orloff durch die Straßen und phantasiert wie in Taxi Driver oder Maniac von der Verworfenheit der Huren, die diese Straßen flankieren. Gleich im Anschluss ein erstes Opfer, und Franco kopiert hier die Eröffnung aus DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF (Gritos en la Noche, 1961). Eine Prostituierte kommt besoffen nach Hause, entkleidet sich, und Morpho, nein, diesmal Andros, stürmt aus dem Schrank und brät ihr eins über.

 

Morpho/Andros ist wie gewohnt blind und willenlos, hat aber offensichtlich eine Vorliebe für Kaugummi. Desinteressiert kaut Darsteller Rafael Cayetano in seinem ersten und letzten Filmauftritt vor sich hin, während er sein Opfer in das Labor der Orloffs verfrachtet und wirkt dabei mit Lederkutte und der Sonnenbrille weniger gruselig als wie der Rausschmeißer des lokalen Puffs.

 

Während in DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF ein wesentlicher Teil des Horrors aus der raffinierten Gesichtschirurgie des Doktors bestand, widmet sich sein Sohn einer moderneren Variante, die der näheren Erläuterung bedarf. Er zerlegt die Opfer mit seiner Sci-Fi-Apparatur in ihre Atome und hofft dabei, dass deren Seele und Wesen Einzug in den Körper Melissas halten. Zum Vergleich: Der alte Orloff hat auf chirurgischem Wege Prostituierte dazu verwendet, seine Tochter mit Leib und Verstand wiederherstellen zu wollen. Sohn Alfred hält davon nichts. Er begehrt den Körper seiner Mutter, will diesen aber mit Seele und Wesen einer Hure ausstatten. Vater und Sohn, unterschiedlicher Geschmack.

 

Howard Vernons Beteiligung ist kurz, aber - Achtung, Spoiler – wird am Ende triumphieren. Francos Inszenierung ist langsam, inkonsistent, viele der Darsteller sind schwach. Antonio Mayans dagegen läuft in EL SINIESTRO DOCTOR ORLOFF zur Hochform auf, eine sehr schöne Performance ist hier von ihm zu sehen. Und er darf sich revanchieren: während er unmittelbar zuvor in BLACK BOOTS, LEATHER WHIP (Botas negras, látigo de cuero, 1983) noch von Genoveva Ojeda aka Eva Palmer aka Lorna Green ausgepeitscht wird, ist es hier umgekehrt. Die Dame ist in EL SINIESTRO DOCTOR ORLOFF als Prostituierte zu sehen, die Alfred Orloff so irritiert, dass er sie nicht mal für seine Experimente verwenden sondern nur ordentlich verdreschen will.

 

Die Filmmusik ist anstrengend. Es gibt ein paar bereits bekannte Tunes aus Daniel Whites Feder, der größte Teil ist allerdings dissonantes Geklimper von Franco selbst, dass keine einheitliche Linie und bisweilen gar unpassende Untermalung liefert. Jess Franco hat einen Kurzauftritt, der ebenfalls eine Hommage an DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF darstellt. Während dort eine weibliche Zeugin der Polizei von der ersten Entführung berichtet, liefert Franco hier eine Persiflage als Homosexueller auf jene Szene. Ich wünschte, er hätte es gelassen. Eine weitere Anspielung ist ein Off-Monolog von Alfred Orloff, wenn er sich während seiner Opfersuche darüber auslässt, wie ihn die GRITOS EN LA NOCHE, die Schreie seiner Opfer in der Nacht, anturnen.

 

Ebenfalls aus DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF entstammt der Subplot um die Frau von Inspektor Tanner, die als Köder den Mörder aufspüren will. Auch in JACK THE RIPPER - DER DIRNENMÖRDER VON LONDON (1976) hat Franco diese Idee wiederverwendet. Zum Positiven: es ist selbstredend schön, dass Franco sich mal wieder dem Horrorgenre gewidmet hat, auch wenn das Endergebnis nur Franco-Fans befriedigen mag. Wer einen reinen Horrorfilm sehen möchte, für den ist das nichts. Der Handlung ist tranig, die Tötungen bleiben spannungsarm und blutleer.

 

Im Internet kursieren zwei Fassungen des Films, wobei die Unterschiede hier rein technisch bedingt, bzw. auf technisches Versagen zurückzuführen sind. In den 80er Jahren erschien eine ungekürzte spanische VHS unter dem Titel EXPERIMENTOS MACABROS, die allerdings ein recht dunkles Bild aufweist. Eine bessere Bildqualität besitzt ein TV-Rip, bei dem der Aufnehmende offensichtlich Probleme mit dem Satellitenempfang hatte – hieraus ergeben sich ein paar Verpixelungen und in Folge etwa sieben Fehlminuten.

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