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Fall of the Eagles

Belgien | Frankreich, 1989

Originaltitel:

La Chute des Aigles

Alternativtitel:

Una canción para Berlín (ESP)

Night of the Eagles (USA)

Regisseur:

Jesús Franco

Inhalt

Der Bankier Walter Strauss (Christopher Lee) glaubt an den Endsieg Hitlers über die Welt. Größere Sorgen bereitet ihm dagegen seine leichtlebige Tochter Lillian (Alexandra Ehrlich), die von zwei Männern geliebt wird. Da wäre zum einen der Offizier Peter Fröhlich (Mark Hamill), doch dessen schüchterne und Lillian aus der Ferne bewundernde Art zieht die junge Frau nur wenig an. Viel mehr hat es ihr der Musiker Karl Holbach (Ramon Estevez) angetan, dem sie schließlich auch die Heirat verspricht, nachdem dieser eigens ein Lied für sie komponiert hat.

 

Doch abgesehen von Lillian scheint niemand Karl zu mögen, und so ist ihr Vater erleichtert als dieser einberufen und in den Kampf nach Nordafrika geschickt wird. Der Kontakt zwischen dem Paar reißt ab, und Lillian meldet sich zur Truppenbetreuung. Auf ihrer Odyssee durch die Wirren des 2. Weltkriegs wird sie jeden verlieren, der ihr am Herzen liegt, und am Ende bleibt nur ein Land in Trümmern und ein hartherziger Vater, der den Verlust des 3. Reiches nicht akzeptieren kann.

Review

Trotz der typischen Verwendung von Archivmaterial ist dieses von Eurociné finanzierte Kriegsdrama sichtlich eine etwas höher dotierte Produktion. Sorgfältig gefilmt wirkt dieser Franco-Film, der bei dessen Chronist Stephen Thrower nicht sehr gut wegkommt. Dieser beklagt – abgesehen von der seltsamen Mischung britischer, amerikanischer und französischer Schauspieler und Knallchargen in Rollen als Deutsche – dass Franco nicht mal annähernd an der Oberfläche der Schrecken des 2. Weltkriegs kratzt, sondern stattdessen ein oberflächliches Soap-Drama präsentiert. Freilich hat Thrower damit keineswegs Unrecht, aber ich liebe jede Minute davon. Keine Exploitation, dafür viel Liebe und Tragik stehen auf dem Programm – Soap eben.

 

Das im Grunde sorgfältige Drehbuch ist mit kleinen Respektlosigkeiten gespickt, die so typisch für Franco sind. Fangen wir beim Patriarchen der Strauß-Familie an, gespielt von Christopher Lee, wie er britischer nicht sein könnte. Aber egal. Er ist ein Bankier und Kriegsgewinnler, der gebannt jedes Radio-Statement des Nazi-Regimes verfolgt, denn Kriegserfolg bedeutet für ihn bares Geld. Allmählich wird sich seine Welt auflösen, und diese Momente gehören zu den Besten des Films. Der Zuschauer wird Zeuge, wie Strauß zunehmend vereinsamt. Er verliert die Beziehung zu seiner Tochter, seine alte Freundin Lena (Teresa Gimpera) entpuppt sich als Jüdin, sein Billiard-Partner Major Holbach (Craig Hill) verliert im Krieg einen Arm und raubt ihm den Glauben an den Endsieg. Das reicht Franco aber noch nicht. Strauß wird am Ende verarmt sein und seine Tochter verleugnen, die sich mit dem „Feind“ (den Amerikanern) angebiedert hat. Die Darsteller Craig Hill und Teresa Gimpera waren übrigens im Privatleben ein Paar.

 

Lillian Strauß ist ein Problem. Sie wird dargestellt von Alexandra Ehrlich, die weder Acting noch Gesang beherrscht, ja nicht mal gut aussieht. Das macht es amüsant, wenn sie im Film einige Gesangsnummern performen muss, zu denen Daniel White von einer entweder untalentierten oder schlicht besoffenen Combo begleitet wird, die bemerkenswerte Misstöne produziert. Doch Ehrlich, Alexandra wuschelt sich trotzdem selbstbewusst als Hauptrolle durch den Film, und mehr erwarte ich gar nicht. Auf ihrer Odyssee durch Kriegsgebiet gelangt sie schließlich bis nach Russland und wird auf ihrem Weg Peitschen-Helga (in Archivmaterial mit Malisa Longo) begegnen, dem homosexuellen Nazi-Offizier Anton (Daniel Grimm), einem singenden russischen Partisanen (Porno-Darsteller Carlos Quiroga), der an Frieden durch länderübergreifendes gemeinsames Musizieren glaubt, sowie Luke Skywalker auf seinem Sterbebett das Ja-Wort geben.

 

Apropos Sterbebett. Mark Hamill sah zu jener Zeit gar nicht gut aus und wirkt kränklich. Begreiflicherweise waren die späten 80er und frühen 90er weder für ihn noch für Christopher Lee ein Karrierehöhepunkt, sie waren froh, Arbeit zu haben, selbst wenn es mit Jess Franco ist. Ich finde, dass beide in FALL OF THE EAGLES einen guten Job machen, auch wenn es sicher kein Wunschprojekt für sie war. Ramon Estevez dagegen ist eh eine Klasse für sich, die prominente Verwandtschaft macht ihn – trotz unzweifelhaft guten Aussehens – nicht zu einem Schauspieler.

 

Mann, das klingt wieder alles so negativ. Dabei ist FALL OF THE EAGLES sehr unterhaltsam, wenn auch kein Meisterwerk aus Francos Oevre.

 

Aber vergessen wir nicht, dass dies eine Eurociné-Produktion ist, und wie bei allen Eurociné-Filmen mit Nazi-Thematik stößt man auf altbekanntes Archivmaterial. Zu erkennen sind Szenen aus Alfredo Rizzos HIMMELFAHRTSKOMMANDO IN DIE HÖLLE (I giardini del diavolo, 1971), Alain Payets FOLTERZUG DER GESCHÄNDETEN FRAUEN (Train spécial pour SS, 1977) und BLOODY CAMP (Helga, la louve de Stilberg, 1977), Pierre Chevaliers CONVOI DE FILLES (1978), sowie im späteren Verlauf aus Payets NATHALIE: ESCAPE FROM HELL (Nathalie rescapée de l'enfer, 1978). Franco standen allerdings genügend Uniformen, der Originalzug aus vorgenannten Filmen und Explosivmaterial zur Verfügung, um dieses Archivmaterial beim Editing plausibel unterzubringen. Hätte cih diese Szenen nicht schon ein Dutzend Mal in anderen Eurociné-Produktionen gesehen, hätte er locker damit durchkommen können.

 

FALL OF THE EAGLES entstand im Februar 1989 in Frankreich und wurde bereits im Mai 1989 in Cannes Käufern angeboten. Die Hoffnungen Eurocinés, den Film an einen US-Kinodistributor verkaufen zu können, zerschlugen sich jedoch aufgrund des mangelhaften Direkttons. Franco war nicht gut mit Direktton, da er auf diesem Gebiet wenig Erfahrung hatte. Und so landete diese Produktion – mit jahrelanger Verspätung – auf VHS-Kassetten und wurde unter anderem in Argentinien, Frankeich, Spanien und Polen in Videotheken angeboten – mit mäßigem Erfolg.

Veröffentlichungen

FALL OF THE EAGLES erschien unter dem Titel NIGHT OF THE EAGLES in ansehnlicher Bildqualität im April 2021 in den USA auf Blu-ray und DVD von Full Moon Entertainment ohne nennenswertes Bonusmaterial. Bei der Tonspur handelt es sich um den englischsprachigen Direktton.

Filmplakate

 

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IMDb

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