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Poker mit Pistolen

Italien, 1967

Originaltitel:

Un poker di pistole

Alternativtitel:

Poker au colt (FRA)

Poker con pistolas (ESP)

Poker with Pistols

Deutsche Erstaufführung:

14. September 1967

Regisseur:

Giuseppe Vari

Kamera:

Angelo Lotti

Inhalt

George Benson taucht in einem Westernstädchen auf, konsultiert die dortige Spelunke und lädt den Glücksspielerprobten Tunichtgut, Lucas, zum Pokerspiel. Nachdem Lucas mit einer Siegesserie glänzt, greift der ausgebuffte Benson zu unlauteren Mitteln, gewinnt das alles entscheidende Spiel und beschert Lucas eine Menge Dollar Schulden. Um diese abzugleichen soll der Betrogene eine Kutsche, in der sich unbedrucktes Papier befindet, nach Chamaco bringen und beim ortsansässigen Schmied abliefern. Nach Erfüllung des Auftrags stellt Lucas fest, dass das Papier aus der Kutsche entfernt und durch einen Sack Jetons ersetzt wurde. Mitsamt den Spielchips macht er sich auf den Weg in den Saloon, um diese (die Jetons) in bare Münze umzuwandeln. Im Zuge der ersten Erfolgen am Roulettetisch wird Lucas von einigen Galgenvögeln, die Bluthunde von Master, der das Glücksspiel von Chamaco kontrolliert, akribisch inspiziert und der einstweilige Glückspilz steckt schon bald in großen Schwierigkeiten, die sich mit dem Eintreffen des dubiosen George Benson deutlich maximieren.  

Review

Das Pokerspiel innert der Westernlichtspiele symbolisiert im Prinzip nichts anderes, als das klassische Modell eines Western-Duells. Nachdem sich am Tisch drei, vier oder fünf Personen zusammenfinden, bleiben schlussendlich nur zwei Personen übrig, die das finale Spiel, das allegorische Duell, unter sich austragen. Mit fortwährendem Blickkontakt will der eine das Nervenkostüm des anderen strapazieren, man erhöht seine Einsätze, schwindelt, von  einhergehender Überheblichkeit gestärkt, dem Gegner ein scheinbar unschlagbares Blatt vor, steigert die Spannung bis ins Unermessliche und lässt in letzter Konsequenz den entgegen gefieberten Showdown, das Aufdecken der Karten, entscheiden, wer als vermögend oder als ruiniert den Spieltisch verlassen oder, sollte es zum Äußersten kommen, als Falschspieler entlarvt, der bleiernen Kugel oder dem blanken Stahl Tribut zollend, leblos zurückbleibt.

 

In der realen Geschichte Amerikas wurden die schmucken Dampfboote, die mit kontinuierlicher Geschwindigkeit, unbedenklich und graziös über den Mississippi trieben, in ihrem Inneren als Spielhöllen genutzt. Wie beispielshalber der Dampfer „New Orleans“, wo Jim Bowie einen jungen Mann vom Selbstmord abhielt und dem Indikator, einem Falschspieler, getreu dem Terminus eines tollen Jerry Cotton-Films, die Rechnung - einskalt serviert. Das berühmteste Pokerspiel wurde 1889 zwischen John Dougherty, der mit gezücktem Revolver eine Unterschrift des Gouverneurs ergaunerte, um das Territory of New Mexico als Einsatz zu beanspruchen, und Ike Jackson, der sich angesichts des astronomischen Einsatzes geschlagen gab, in Santa Fe ausgetragen.

 

Mit einem Pokerspiel geht auch „Poker mit Pistolen“ an den Start und lässt dieses zur Wurzel eines interessanten Ratespiels avancieren, welches erst innert der finalen Filmphase seine komplette wie auch plausible Lösung liefert. Hieraus können Sie bereits lesen, dass neben den Westernelementen auch die Ingredienzien eines Kriminalfilms in Giuseppe Varis 1967 fertig gestellter Regiearbeit residieren. Dabei bekommen wir es allerdings nicht mit einem klassischen whodunnit-Motiv zu tun. Stattdessen besteht unsere Aufgabe darin, den Grund des Begehrs nach einer Wagenladung unbedruckten Papiers zu ergründen, wobei uns das pfiffige, von Fernando Di Leo geschriebene Drehbuch förderlich zur Seite steht, sodass wir problemlos in Varis Gemisch, das mit einer Prise big caper-movie, Filme die einen Raub im großen Stil zentralisieren, im Kontext der Italo-Western wäre „Stinkende Dollar“ ein gutes Beispiel, verfeinert wurde, was den Film additional exotisiert(e), eintreten.

 

Im Anschluss an den genreüblichen Ein(t)ritt des Antihelden, der smarte Milchtrinker und Pokerspieler, George Benson, konfrontiert uns die Exposition mit zwei weiteren Personen, der Stadthallodri, Lucas, und ein dubioser wie wortkarger Mexikaner, die  für den künftigen Filmverlauf (später wird der racketer, Master, das zentralisierte Trio zum Quartett erklären) unverzichtbar sind. Diese Rollen sind mit den beiden immerzu lächelnden Georges, Hilton und Eastman, sowie Jose Torres und Mimmo Palmara als erwähnter Master gut besetzt, da die Darsteller allesamt ein überzeugendes Spiel an den Tag legen. Jene muntere Darstellungsweise konnte der Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke eine ebenso muntere, da fortwährend motiviert klingende, unter anderem mit Herbert Stass, Gerd Martienzen, Christian Brückner und Heinz Petruo besetzte, Synchronarbeit (die unter anderem darüber aufklärt, wie und warum sich die mexikanischen Stiefelsohlen von denen der Yankees unterscheiden) abverlangen, die keine Wünsche offen lässt. Das heißt… eigentlich bleibt die Frage offen, wie es zu der seltsamen Satzkonstruktion „… der Versuch dem Bären einen Master aufzubinden“ kam?

 

Da die Identitäten der genannten Filmfiguren über die gesamte Spielzeit ihre Undurchschaubarkeit (Master ausgeklammert) aufrecht halten, lassen sich ihre genauen Absichten auch nicht eindeutig entschlüsseln und der Zuschauer muss sich bis zum Finale gedulden, beim Giallo können Sie (ja, Sie!) das auch, also keine panische Ungeduld ausbrechen lassen und auf den passenden Strick warten, um schlussendlich die Lösung, die - wie zahlreiche Giallo-Thriller - inmitten eines geschlossenen Raums vorgetragen wird, einzutüten und einhergehend den Sack zuzumachen.

 

Die wilden Schießereien, die zahlreiche stiefelländische Western auf ihre Fahnen geschrieben haben, um den Zuschauer erfolgreich zu dem jeweiligen Film zu verführen, halten sich in Varis Inszenierung auffällig zurück. Die einzige Ausnahme, Lucas tritt gegen eine zumindest zahlenmäßig überlegene Halunkenschar an, wirkt mithilfe seiner sehr schnellen Montage deutlich rasanter, als es bei einem Groß der Genreproduktionen der Fall ist. 

 

Fazit: Giuseppe Varis Mix aus Western und Kriminalfilm stellt sich als ein kostengünstiges Vehikel vor, das allerdings mit seiner sorgfältig inszenierten Story punkten und mich gut unterhalten konnte. Denn „Poker mit Pistolen“ birgt nicht nur die Umsetzung einer netten Idee, sondern eine funktionstüchtige Maschinerie, bei der die Räder ineinander greifen, was freilich auch dem Polizeifilmerprobten Drehbuchautor, Di Leo, zu verdanken ist. Dieserhalb und desterwegen sollten Genrefans auf jeden Fall einen Blick riskieren.

Veröffentlichungen

Die deutsche VHS-Version des Films ist im Vergleich zur Kinoauswertung um rund sechs Minuten gekürzt, was zum Teil materialbedingten Fehlstellen, die einige Jump Cuts provozierten, geschuldet ist. Ungeachtet dessen, wurde definitiv ein Gewaltschnitt vorgenommen, es sei denn, der Bewacher des, im Stile der obligatorischen IW-Kreuzigung, gefesselten Lucas wurde von einem zarten Windhauch zu Boden gerammt.

Links

OFDb
IMDb

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