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Feuertanz - Horror Infernal

Italien, 1980

Originaltitel

Inferno

Alternativtitel

A Mansão do Inferno (BRA)

Infierno (MEX)

Horror Infernal - Feuertanz der Zombies

Horror Infernal

Deutsche Erstaufführung

12. September 1980

Regisseur

Dario Argento

Drehbuch

Dario Argento

Inhalt

New York: Rose Elliot erwirbt bei einem Buchhändler den Schmöker „The Three Mothers“. Aus dem Buch erfährt die junge Frau, dass dessen Autor und Architekt, E. Varelli, in den Städten Rom, New York und Freiburg drei Häuser errichtet hat, in denen Schrecken, Tränen und Grausamkeit wurzeln. Deren Urheber sind gleichzeitig Varellis Auftraggeberinnen: Mater Suspiriorum, Mater Lacrimarum und Mater Tenebrarum. Ferner dechiffriert Rose aus Varellis Aufzeichnungen, dass ihr derzeitiges zuhause (Satan kennt halt kein Mitgefühl!) das Haus der Mater Tenebrarum ist. Folglich will sie den Rätseln (von denen der Architekt berichtet) auf den Grund gehen. Doch je näher sie der Lösung kommt, desto deutlicher spürt sie den Odem des Sensemanns…

Review

WENN MÜTTERCHEN DEN FLAMMEN TROTZT oder WIE EIN KONZEPT SCHLÜSSIG WIRD

 

Nach der Sichtung von Dario Argentos „Inferno“ sind wir, was das Konzept der „drei Mütter“ anbelangt, deutlich klüger. Der Weg zur Weisheit entspringt dem Auftaktsprolog des Alchemisten, Varelli, der uns über die drei Hochburgen des Bösen aufklärt, ihre Standorte lokalisiert und einhergehend das Rätsel um „Suspiria“ dechiffriert, sodass wir Helena Markos rückwirkend als Mater Suspiriorum, die Mutter der Tränen, begreifen.

 

Die Ankunft in Dario Argentos „Mütter-Kosmos“ ist demnach bestens vorbereitet und wird von Keith Emersons sensationellen Klangkonstruktionen begleitet. Diese grandiosen Tondichtungen verschmelzen mit Romano Albanis ebenfalls grandiosen Bildkompositionen zu einer untrennbaren Einheit, denn was der Film (visuell wie auditiv) offeriert, bezeichne ich (ganz frech und ohne Rücksicht auf Querulanten und Verfechter der alltäglichen Denklehre) als filmtechnische Perfektion.      

 

Im Gegensatz zu der geradlinigen und unmissverständlichen Vorgangsweise, die „Suspiria“ feilbietet, stellt sich „Inferno“ (unter anderem aufgrund seiner zahlreichen set-pieces) als ein eher verzwicktes und kompliziertes Konstrukt vor, das von der ersten bis zur letzten Sekunde die Aufmerksamkeit des Betrachters fordert, denn bei der Suche nach des Rätsels Lösung müssen die Sinne geschärft sein.

 

Ungeachtet der unterschiedlichen Narrativen, lassen sich sehr wohl Momente ausmachen, in denen „Inferno“ „Suspiria“ zitiert, wie zum Beispiel die Taxifahrt im strömenden Regen. Weitere Beobachtungen mag ich nicht ausführen, da diese einerseits oft genug von den Experten besprochen wurden, andererseits liegt es mir fern, die Neulinge im „Mütter-Kosmos“ ihrer Entdeckungsreise zu berauben. Aus meiner Sicht liegen übrigens beide Filme auf Augenhöhe, inszenatorische Schwächen kann ich keine ausmachen.

 

Doch diese makellose Allianz des Bösen ließ lange Zeit eine wichtige Frage unbeantwortet im Raum stehen. So erinnere ich mich an Gespräche bei denen wir diskutierten, welcher Film denn nun die „Mütter-Trilogie“ schließen könnte? In meinem jugendlichen Eifer pochte ich vehement auf „Tenebrae“. Keine Ahnung, warum ich mir einst diesen Unsinn eingeredet habe und nicht einfach in der Glaskugel nach dem Jahr 2007 gesucht habe? Wahrscheinlich fehlt mir einfach das Gespür für Logik, schließlich habe ich auch niemals hinterfragt, warum Argento (s)einen fortwährend mit extremer Helligkeit gefluteten Film auf den Namen „Tenebrae“ (Dunkelheit) taufte.

 

Das Rauschen im Blätterwald, Teil 1:

 

Das Lexikon des internationalen Films resümiert „Inferno“ folgendermaßen:

 

„[…] Ein Gruselstück, das in Spannungsaufbau und Kameraführung Könnerschaft verrät, aber mit seinen Blut- und Mordorgien abstößt.“

 

Sehr fein, dass der Verfasser im ersten Teil seiner Argumentation Argentos Fähigkeiten erkannt hat, sich allerdings mit der zweiten Satzhälfte (erwartungsgemäß) abqualifiziert und seine eingeschränkte Rezeptionsfähigkeit eindruckvoll unter Beweis stellt. Seine „fachmännische“ Aussage wirkt auf mich zugleich hochmütig wie naiv, da dem Autor scheinbar der künstlerische Aspekt innert der „Blut- und Mordorgien“ entgangen ist, denn Argento lässt jeden einzelnen Mord (visuell wie auditiv) zu einem Kunstwerk erblühen. Man lausche dem „Gefangenenchor von Nabucco“ und genieße dabei (eingeleitet von phänomenalen Kamerafahrten) Carlos aussichtslosen Überlebenskampf in dessen morbider Schönheit. Verdi und Todeskampf, das ist eine im höchsten Maße zündende Mischung. Und sollte das Genie aus Le Roncole nicht den Taktstock schwingen, dann gibt ein weiteres Genie, Keith Emerson, den Ton an, denn der Tastenvirtuose stimmte seine Sounds bestens auf die Bildkompositionen ab. Innert dieses sensationellen Scores möchte ich die Komposition „Mater Tenebrarum“ besonders hervorheben. Prog-Rock gemischt mit Opernchören, dass Teil geht so auf die Fresse, dass diese in den Sprachlos-Modus geschaltet wird. Ein Glanzstück, welches übrigens im Dunstkreis der Rockmusik (härterer Prägung) für Inspiration sorgte und (ich vermute es zumindest) sich als  wegweisend für den späteren Symphonic Metal zeigte. Wer Lust auf eine Kostprobe hat, dem empfehle ich, den Song „To Mega Therion“ von der schwedischen Band Therion mit Keith Emersons „Mater Tenebrarum“ zu vergleichen.

 

Das Rauschen im Blätterwald, Teil 2: 

 

Dario Argento berichtet in einem Interview für die Filmzeitschrift Cinema:

 

„Ich inszeniere meine Filme wie große Feste Für mich spielt im Film alles mit; Dekorationen, Lichtkombinationen, psychedelische Effekte, künstliche Klänge […] Dies alles ergibt ein Gesamtkunstwerk, in dem sich eine Reinheit entwickelt, die wie ein Zuschauer nach dem Mysterium sucht.“

 

Diese Eigeneinschätzung wird von den Autoren Rolf Giesen (der Cronenberg als Muttersöhnchen bezeichnete und einhergehend mit Heinrich Himmler verglich) und Ronald M. Hahn in ihrem Gemeinschaftswerk „Das neue Lexikon des Horrorfilms“ (im Zuge einer Kurzkritik zu „Inferno“) durch die folgende Anmerkung ergänzt:

 

„[…] Da fragt man sich, zu was er in der Lage wäre, würde ihm mal jemand ein ordentliches Drehbuch liefern."

 

Da frage ich mich, wann ihr zuletzt was auf die Finger bekommen habt?

 

Fazit: Begleitet von hervorragenden Kamerafahrten, atemberaubenden Unter-Wasser-Aufnahmen, einem ausgereiften Spiel der Farben sowie einherleuchtendem Antinaturalismus gelingt es dem aufmerksamen Zuschauer ganz tief in die verschachtelten Welten des Mütter-Kosmos einzutauchen, sodass dieser (der Zuschauer) die Einladung zum Feuertanz mit Freuden lanciert.

Veröffentlichungen

Die Blu-ray aus dem Hause Koch Media stellt sich als eine Referenz in Sachen Bild- und Tonbearbeitung dar. Die Qualität ist einfach grandios. Der unter den Extras angebotene Audiokommentar von Christian Kessler und Marcus Stiglegger demonstriert sich erwartungsgemäß informativ und anspruchsvoll. Unter dem Strich resultiert ein Gesamtpaket, das keine Wünsche offen lässt, sodass ich bereitwillig die Bestnote für die phänomenale Veröffentlichung eines ebenso phänomenalen Films vergeben mag.

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