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Neun Leichen hat die Woche

Italien, 1977

Originaltitel:

Tutti defunti... tranne i morti

Alternativtitel:

All the Souls... Except the Dead (GBR)

Deutsche Erstaufführung:

02. Dezember 1977

Regisseur:

Pupi Avati

Inhalt

Der Vertreter Dante (Carlo Delle Piane) soll ein Buch über die Familien der Emilia Romagna an die Nachkommen jener Familien verkaufen. Sein erster und letzter Besuch ist auf dem Anwesen der Familie Zanotti, deren Marquis gerade verstorben ist. Die Erben sind versammelt, doch es gibt nichts zu holen, es sei denn, die seltsame Prophezeiung aus Dantes Buch träfe zu: neun Tote solle es geben, nur einer aus der Familie überleben, und wenn die Dahingeschiedenen auf dem Friedhof ausgebreitet wären, würde sich der Schlüssel zu einem versteckten Schatz öffnen. Und einer scheint an die Existenz dieses Schatzes zu glauben, denn schon geht das Morden los.

Review

Regisseur Pupi Avati hatte gerade einen großen Achtungserfolg mit „Das Haus der lachenden Fenster“ (La casa dalle finestre che ridono, 1976) hinter sich, da stieß er auf einen Vergleich in einer Kritik, der ihn mächtig ärgerte. Der Polanski der Po-Ebene wurde er dort genannt. Und so beschloss er, derartigen Vergleichen entgegen zu wirken, indem er „Neun Leichen hat die Woche“ drehte.

 

Es ist ein preiswerter Film, der Komödie, Giallo und in gewisser Weise auch Gothic-Horror vermischt. Nicht, dass Polanski etwas Derartiges nie gemacht hätte. Zusammen mit seinem Bruder Antonio, Darsteller Gianni Cavina (spielt den nicht sehr hellen Privatdetektiv Martini) und Maurizio Costanzo ist Pupi Avati als Drehbuchautor gecredited, wobei die Grundidee und der Großteil des Ablaufes wohl von ihm selbst stammten. Später am Set habe man versucht, sich gegenseitig mit skurrilen Ideen zu übertreffen.

 

Anfangs ist Avatis Giallo-Komödie nach dem Ten Little Indians-Prinzip besonders schwer zu schlucken. Es gibt eine Unzahl von Charakteren: Buchhändler Dante, 10 Mitglieder der Familie Zanotti, die Krankenschwester Hilde des von Blindheit bedrohten Familien-Masturbators, zwei Hausangestellte und den Privatdetektiv. Allen diese Charakteren grosteske Eigenschaften oder Eigenheiten zu verpassen ist für den Zuschauer zunächst sehr anstrengend. Überhaupt gibt der Humor des Films genau das wieder, was Pupi Avati selbst beschreibt: man habe versucht, sich gegenseitig zu übertreffen. Und so schwankt der Humor inhaltlich zwischen einigen guten Gags, schwarzem Humor, grotesken Clownerien und banalem Slapstick. Das Endergebnis ist uneinheitlich und hinterlässt somit einen unausgegorenen Eindruck.

 

Das bedeutet nicht, dass „Neun Leichen hat die Woche“ nicht über Stärken verfügt. Aber die liegen genau in dem, was Avati zerstreuen wollte. Es gibt einige sehr gute Kameramomente, eine atmosphärische Location, phantasievolle Morde, unheimliche Schreckmomente und die Schatzsuche gestaltet sich mit Fortschreiten des Films als durchaus spannend. Am Ende des Films kam ich jedenfalls zu dem Fazit, dass „Neun Leichen hat die Woche“ mir viel mehr munden würde, wenn Avati nicht versucht hätte, eine Komödie aus diesem Stoff zu machen, der Potenzial für so viel mehr hatte.

 

In italienischen Kinos lief „Neun Leichen hat die Woche“ unter dem Originaltitel „Tutti defunti... tranne i morti“ (übersetzt in etwa „Alle Verstorben, außer den Toten“) mit einer Lauflänge von 104 Minuten, was der italienischen DVD von Raro-Video mit knapp 100 Minuten entspricht. Die deutsche Kinofassung mit einer Lauflänge von etwa 96 Minuten ist also höchstwahrscheinlich gekürzt gewesen. Fürs Heimkino gab es in Deutschland ausschließlich eine Veröffentlichung auf Super 8, in zwei Teilen mit einer Gesamtlauflänge von knapp 34 Minuten.

 

Für mich war „Neun Leichen hat die Woche“ eine Erstsichtung, somit habe ich den Text entsprechend kurz belassen. Ich bin nicht so richtig warm geworden mit dieser Giallo-Komödie, aber vielleicht werden wir ja doch noch bessere Freunde bei einer Neusichtung in einigen paar Jahren.

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