Suchen

Wir Frauen

Italien, 1953

Originaltitel:

Siamo donne

Alternativtitel:

Nous, les femmes (FRA)

Nosotras las mujeres (ESP)

We, the Women (GBR)

Of Life and Love (USA)

Inhalt

In „Wir Frauen“ werden fünf Episoden erzählt: Die Erste handelt von den Hoffnungen junger Frauen, die an einem Wettbewerb von Titanus-Film teilnehmen, um an der Seite von Alida Valli, Isa Miranda, Ingrid Bergman und Anna Magnani eine erste Filmrolle zu ergattern – in „Wir Frauen“. In den weiteren vier Episoden werden Erlebnisse aus dem Leben der genannten Filmstars gezeigt.

Review

„Siamo Done“ ist ein Paradebeispiel für den zavattinischen Neorealismus, benannt nach seinem Schöpfer Cesare Zavattini, der durch zahlreiche Drehbücher und Ideen zu Dramen und Episodenfilmen bekannt wurde, in denen zumeist Frauen im Mittelpunkt stehen.

 

Episode 1: "Concorso 4 Attrici 1 Speranza" von Alfredo Guarini

 

In Rom hat Titanus Film zu einem Casting-Wettbewerb aufgerufen, der unmittelbar mit dem vorliegenden Film verknüpft ist. Es gibt eine Rolle in „Siamo Donne“ zu gewinnen, hunderte von Frauen haben sich beworben. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Anna Amendola erzählt, die zu den Siegerinnen gehören wird. Entgegen dem Wunsch ihrer Mutter will sie Schauspielerin werden, doch der Auswahlprozess ist schnell und unpersönlich.

 

Frauen, die es in die zweite Runde geschafft haben, werden mit einem freundlichen „Ja“ bedacht, jene, die abgelehnt wurden, mit einem abfälligen „Nein“. Einer der Bewerberinnen wird knallhart verkündet, mit ihren 25 Jahren sei sie für eine Schauspielkarriere zu alt. Schnell schlägt die Stimmung der Abgelehnten in Häme gegenüber den hoffnungsvolleren Kandidatinnen um, und so zeigt sich schon jetzt, dass das Leben als Schauspielerin ein Abschied vom bisherigen, einfachen Leben sein wird. Man gehört nicht mehr dazu.

 

Interessant ist, dass dieser (vermutlich dennoch fiktive) Wettbewerb nicht nur der Beginn von (kurzlebigen) Karrieren für die beiden Siegerinnen sein würde. Darstellerinnen wie Anna Amendola, Emma Danieli, Cristina Fantoni oder Madeleine Fischer hatten hier ihr Kinodebut.

 

Episode 2: „Alida Valli“ von Gianni Franciolini

 

Von einem Dreh in den USA zurück, hat Alida Valli ihre beiden Söhne in New York gelassen. In Vorbereitung auf eine Filmparty wird sie von ihrer Assistentin Anna massiert, wobei diese ihr erzählt, dass sie am Abend Verlobung feiern wird. Valli zeigt sich erfreut und verspricht zu kommen, aber die Verpflichtung ruft. Sie geht doch zur Filmparty, aber die Menschen dort langweilen sie, die Reporter überfordern sie, die Gespräche interessieren sie nicht. Sie fühlt sich einsam.

 

Kurzentschlossen ruft sie ein Taxi und fährt zur Verlobungsfeier ihrer Angestellten. Dort angekommen bildet sich eine Menschentraube aus Gästen um sie, jeder will ihr die Hand schütteln, ihr erzählen, wie sehr sie ihre Filme lieben. Sie fühlt sich – trotz eines Umfeldes, dass sie an ihre eigene Vergangenheit in einer großen Familie erinnert – wie ein Fremdkörper. Um diese beklemmende Stimmung zu lösen, begibt sie sich in die Küche, um bei den Essensvorbereitungen zu helfen. Schnell findet sie sich aber wieder mitten unter den Gästen und im Gespräch mit Annas Verlobtem. Während dieser von seiner Arbeit für die Eisenbahn erzählt, erinnert sich Valli wehmütig an ihre eigenen früheren Hoffnungen, mal einen so einfachen Burschen zu heiraten und mit diesem eine Familie zu gründen – so beginnt sie mit Annas Verlobtem zu flirten.

 

Als Anna die seltsame Spannung zwischen Alida Valli und ihrem Verlobten bemerkt, flüchtet Valli nahezu aus der Wohnung, erfüllt von Scham. Sie wollte sich in eine Welt zurückstehlen, die nicht mehr wie die Ihre ist und hätte damit beinahe die Gefühle anderer Menschen verletzt.

 

Episode 3: „Ingrid Bergmann“ von Roberto Rossellini

 

Die dritte Episode ist inhaltlich auf den ersten Blick belanglos, erhält ihren Kontext eher durch gewisse Hintergründe. Die 1949 während der Dreharbeiten zu „Stromboli“ (It., 1949) entflammte Affäre zwischen Ingrid Bergman und Rossellini löste einen gewaltigen Skandal aus, der in Italien begann und bis in die USA Einzug hielt. Und so ist diese Bergman-Episode von Rossellini eine Art L.m.a.A.-Geschichte, in der weder Skandale noch Filmarbeit Erwähnung finden. Tatsächlich kündigt Bergman im Prolog der Episode bereits an, es sei eine blöde Geschichte.

 

Ingrid Bergman hat ein Haus am Meer gekauft, der ursprünglichen Besitzerin allerdings zugesagt, dass diese bis zum Ende des Sommers bleiben könne. Dies ist die Grundlage für einen Nachbarschaftsstreit. Während Bergman Rosen züchtet, zerpflückt das Huhn der Vormieterin ihre Beete. Da keine Einigung in Sicht scheint, schmiedet Bergman, als das Huhn sich versehentlich in ihr Wohnzimmer verirrt, einen Mordplan gegen das Federvieh.

 

Doch sie erwartet Besuch, und als dieser eintrifft, fliegt ihr Mordplan auf. Flüchtig versucht sie sich vor dem Kinopublikum zu rechtfertigen, doch es ist offensichtlich: sie wollte das Huhn tot sehen, als Rache für ihre zerstörten Rosenbeete. Eine charmante und witzige Geschichte, banal, wie Ingrid Bergman ihr Privatleben wohl gerne gehabt hätte, ohne Interferenzen von neugierigen Journalisten, die es auf ihr Liebesleben abgesehen haben.

 

Episode 4: „Isa Miranda“ von Luigi Zampa

 

Zu Beginn führt uns Isa Miranda durch ihre Wohnung. Sie sammelt Portraits, die italienische Maler von ihr angefertigt haben, nicht wenige davon humoristischer oder karikaturesker Natur. Zeitungsauschnitte, Autogrammkarten, und irgendwie hat sich auch René Clements Oscar für „Die Mauern von Malapaga“ (Le mura di Malapaga, It./Fr. 1949) in ihre Einrichtung verirrt, der ebenfalls aus der Feder von Cesare Zavattini stammte. Miranda beschreibt uns ein Leben in Disziplin, in Abhängigkeit von Telefon, Maskenbildnern und Filmarbeit – ohne eigene Familie. Und so geht es in dieser Episode um das Versäumte.

 

Mit dem Auto im Umland Roms unterwegs, hört sie eine Explosion. Ein kleiner Junge hat mit einem Sprengkörper gespielt und sich dabei den Arm verletzt. Sie fährt ihn ins Krankenhaus und bringt ihn anschließend heim. Die Mutter ist nicht da, doch sie findet drei weitere Kinder vor. Miranda beginnt, für einen Tag Familie zu spielen, sie macht den Kindern essen, und es ist wirklich schmerzhaft anzusehen, wie sie die Kleinste der Kinder förmlich anbettelt, sie zu küssen als wäre sie ihre Mutter.

 

Am Abend kehrt die Mutter der Familie zurück und Isa Miranda in ihre eigenen vier Wände, die plötzlich mit all den Erinnerungen, die nur ihre eigene Person betreffen, leer und einsam wirken.

 

Episode 5: „Anna Magnani“ von Luchino Visconti

 

Um Episode 5 genießen zu können, muss man Anna Magnani zu schätzen wissen und sich über ihren Ruf im Klaren sein: dickköpfig, streitlustig, loses Mundwerk. Mit dem Taxi unterwegs zu einem Auftritt in einer Theatervorstellung entbrennt ein Streit mit einem ebenso dickköpfigen Taxifahrer, der findet, dass Magnanis Dackel kein Schoßhund ist und deshalb 1 Lira (lol!) extra verlangt. Doch es geht nicht um eine Lira sondern ums Prinzip: die Polizei muss her, und der Taxifahrer kutschiert sie quer durch die Stadt, um die Sache zu klären. Wie definiert man einen Schoßhund? Gibt es da exakte Messungen? Dem Taxifahrer ist es egal, denn er lässt die ganze Zeit die Uhr weiterlaufen. Am Ende wird Magnani recht behalten, aber ihre Dickköpfigkeit wird sie 14,50 Lire mehr an Extrafahrten kosten anstelle der nur 1 Lira für den Hund.

 

Schließlich im Theater angekommen, singt Magnani zum Abschluss "Com'è bello fa' l'amore quanno è sera" auf der Bühne. Luchino Visconti ist mit dieser Episode weit von seinem gewohnten Repertoire entfernt, denn die Geschichte lässt ihm keinen Platz für eigene Ideen. Es ist ein reines Magnani-Vehikel.

 

„Wir Frauen“ ist ein sehr sehenswerter Film, der mit der Idee spielt, reale und mitunter sehr persönliche Episoden aus dem Leben seiner vier Stars zu zeigen. Wie real diese Episoden tatsächlich sind, sei allerdings Filmhistorikern überlassen. Tatsache ist, dass keine der weiblichen Darstellerinnen in den Credits als tatsächliche Urheberin „ihrer“ Geschichte genannt ist. Aber interessant ist es dennoch. Und wer mag, kann nach mindestens zwei Regisseuren in uncredited Cameos Ausschau halten: Alfredo Guarini und Luigi Zampa.

 

Jede der Episoden wurde vom jeweiligen Regisseur mit eigener Crew gedreht.

Links

OFDb
IMDb

Kommentare (2)

  • Stephan Ober

    Stephan Ober

    12 November 2020 um 03:28 |
    Klingt interessant. Gibt's dazu eigentlich eine dt. Synchro oder lief der nur OmU hierzulande?

    antworten

  • Gerald Kuklinski

    Gerald Kuklinski

    13 November 2020 um 08:26 |
    Das weiß ich nicht. In der Synchronkartei gibt es keinen Eintrag, es scheint auch keine deutschen Filmplakate zu geben. Tippe also auf eine frühere TV-Ausstrahlung, aber ob die synchronisiert war, keine Ahnung.

    antworten

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.