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Two Crosses at Danger Pass

Italien | Spanien, 1967

Originaltitel:

Due croci a Danger Pass

Alternativtitel:

Dos cruces en Danger Pass (ESP)

2 croix pour un implacable (FRA)

Inhalt

Powell steht unter Verdacht ein junges Mädchen ermordet zu haben. Ergo sitzt er im Gefängnis und wartet auf seine Verhandlung, um endlich seine Unschuld zu beweisen und seine Ehre wiederherzustellen. Für den Ranger Moran ist Powells Schuld allerdings eindeutig nachgewiesen, sodass er gemeinsam mit seinen Kettenhunden das Gesetz wie den Strick in die eigenen Hände nehmen will. Demzufolge bringt Sheriff Mitchell den Gefangenen zwecks sicherer Verwahrung auf seine (Mitchells) Farm. Doch der ebenso einflussreiche wie gerissene Moron kann sich auf die Dienste eines Überläufers verlassen, sodass der Lynchmob binnen kürzester Zeit auf dem Anwesen eintrifft. Während des zwangsläufig folgenden Pistolengefechts verliert Morans Sohn sein Leben, was den erschütterten Vater dazu bewegt Mitchell und dessen Frau bestialisch hinzurichten sowie deren Tochter zu entführen, um sie fortan zu erniedrigen. Doch die unbarmherzigen Geschehnisse auf der Mitchell-Farm blieben nicht unbemerkt! Und jetzt, viele Jahre später, will der zum Manne gereifte Sohn der Mitchells (Alex) die Verbrechen gegen seine Familie sühnen.

Review

TWO CROSSES AT DANGER PASS ist nach BLEI IST SEIN LOHN (1965) und SECHS KUGELN FÜR GRINGO (1966) die dritte Regiearbeit von Rafael Romero Marchent. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern wurde TWO CROSSES AT DANGER PASS niemals in den deutschen Lichtspielhäusern wie im deutschen TV aufgeführt oder geschweige denn auf VHS oder digitalem Datenträger veröffentlicht. Demgemäß freut es mich umso mehr, dass mir ein Rip zugespielt wurde, der mir die Gelegenheit bietet, diesen interessanten wie äußerst ruppigen Western mittels einiger angemessener Worte adäquat zu würdigen.

 

Die Firmierung TWO CROSSES AT DANGER PASS lässt gleich mehrere Lesarten zu. Die Satzkreation könnte die Ermordung des Ehepaars Mitchell, was den Waisenknaben Alex Mitchell zur Blutrache provoziert, symbolisieren. Sie könnte allerdings auch als eine Kreuzung, die einerseits in die Sinnlosigkeit der Vergeltung und andererseits in die Besonnenheit (das Vermeiden von weiterem Blutvergießen) führt, gedeutet werden. Ungeachtet für welche der beiden Optionen man sich entscheiden mag, über ihnen schwebt immerzu das Damoklesschwert, welches sich mit steigender Tendenz seiner rosshaarigen Halterung entledigen will, um seine Schneiden mit dem Blut eines aleatorischen, also vom Zufall bestimmten, Opfers zu tränken. In diesem Zusammenhang schlängeln sich die Verrohungen der beiden Hauptcharaktere, Alex Mitchell und Charlie Moran, mit spielender Leichtigkeit in den Vordergrund, da die beidseitige Erbarmungslosigkeit den unerbittlichen Kampf bis zum Tod annonciert. Eine Feststellung, die Alex Mitchell mit der simplen Formel: „Diejenigen, die Ungerechtigkeit tolerieren, sind genauso schuldig, wie diejenigen, die sie begehen“, unmissverständlich auf den Punkt bringt.

 

Da Alex nach dem Tod seiner Eltern von einer Quäkerfamilie aufgezogen wurde, entwickelt sich ein weiterer, für die Entwicklung des Rachekonstrukts bedeutender, Charakter: Der Quäkersohn Mark, der Alex als einen leiblichen Bruder betrachtet und jegliche Formen der Gewalt strikt ablehnt. Demgemäß fühlt sich Mark dazu verpflichtet, den blutigen Streit auf friedliche Weise zu einem Ende zu bringen, sodass sich eine Dissonanz herauskristallisiert, welche Alexs Pläne sowie das wechselseitige Hass- und Rachespiel das ein ums andere Mal durchkreuzt. Außerdem lässt sich Mark als ein Widerspiel zu Judy, Alex Schwester, die ihren Bruder fortwährend zur Blutrache anspornt, begreifen. Quasi als das Widerspiel von Eros und Thanatos.

 

Der Eintritt in Marchents Western wird mittels des von Raoul gesungenen und von Francesco De Masi komponierten Songs „Without a Name“, der mich an das Leitmotiv („Walk by my Side“, derselbe Interpret, derselbe Komponist) aus Giuliano Carnimeos DJANGO - EIN SARG VOLL BLUT erinnert, versüßt. Die beiden Tondichtungen wie auch Raouls Gesang bestätigen ebenso die kodifizierten Zuschauererwartungen, wie die spätere Gesangseinlage der Animierdame Edith. Eine Saloon-Sängerin, bei der es mich wirklich wundert, dass sie kraft ihrer gelangweilten Mimik und ihrer ebenso langweilenden Aufführung begehrende Blicke evozieren kann. Wie eine solche, die Blicke auf sich ziehende Performance tatsächlich funktioniert, wie man mit einem Mix aus Sexappeal, Laszivität und Unerreichbarkeit das Publikum faszinieren, ja, verzaubern kann, demonstriert Marilyn Monroes Saloonauftritt in FLUSS OHNE WIEDERKEHR (USA, 1954). Von Monroes betörender Performance ist Nuccia Cardinali, die Darstellerin der Edith, übrigens deutlich weiter entfernt, als der Südpol vom Nordpol.

 

Trotz dieser nicht wirklich erstaunlichen Erkenntnis, gelingt es Edith, die Hormone der Saloongäste in Wallung zu bringen, was freilich ruckizucki die traditionellen Saloonunruhen provoziert. Innert dieser Auseinandersetzungen lernen wir die Kaltblütigkeit des Charlie Moran, der zweite Sohn des Rangers Moron, sowie die einhergehende Macht der Morans, die eiskalten Mord in ein aus Übermut resultierendes Selbstverschulden verwandeln kann, kennen. Die Entwicklung dieses Machtmonopols wird, wenn auch nur beiläufig, bereits früh mittels des Seitenwechsels, Sheriff Doug schlägt sich auf die Seite der Morons, thematisiert. Hiermit verrate ich nicht zuviel, da dieser Sachverhalt nur eine expositorische, die Vorgeschichte (!) fundierende Information reflektiert und einhergehend auf die Legalisierung des Verbrechens, auf die Ausbeutung des wirtschaftlichen wie politischen Potentials des fortan zentralisierten Westernstädtchens (in der Nähe des Danger-Pass) vorbereitet. Die Grenzen sind demgemäß eindeutig abgesteckt und die Bestrebungen ihrer Posten ebenso eindeutig definiert. Was etwas aus der Reihe tanzt: Die Streitigkeiten werden ab einem bestimmten Zeitpunkt auf beiden (!) Seiten von den Nachfolgegenerationen ausgefochten, da die einst am Blutbad auf der Mitchell-Farm beteiligten Personen allesamt sehr früh das Zeitliche segnen. Die Differenzen feiern demgemäß ihre Wiederauferstehung in den Körpern der Erben. In diesem Kontext sei angemerkt, dass deren praktizierte, physische Brachialgewalt, die sich auch gegen wehrlose Frauen richtet, mit steigender Tendenz die eigentliche Hilflosigkeit ihrer Pro- beziehungsweise Antagonisten, die Erben von Hass und Gewalt, bestätigt.

 

Die dabei fokussierten Hauptcharaktere, Alex Mitchell und Charlie Moran, erfahren durch die Leistungen ihrer Darsteller, Peter Martell und Mario Novelli, eine glaubwürdige Verkörperung, die dem Zuschauer das Mitfiebern deutlich erleichtert. Martell gibt den gewohnt harten Westerner, der sich gegen eine Übermacht stellt, um in kompromiss- wie erbarmungsloser Manier die Vergangenheit mithilfe seiner unnachgiebigen Rachegelüste ins Lot zu rücken und erhält mit Mario Novelli, der mich etwas an den jungen George Eastman erinnert, einen ebenso hartherzigen Gegenspieler. Dyanik Zurakowska (Gloria Moran), die niedliche Helen Tunstill in SEIN STECKBRIEF IST KEIN HEILIGENBILD, hat mir kraft ihres melancholischem, Beschützerinstinkte weckendem wie die Sinnlosigkeit der Gewalt apostrophierendem Spiel ebenfalls gut gefallen.

 

 

Fazit: Rafael Romero Marchents niedrig budgetierte Inszenierung kann auch ohne Prunk und Protz die Freunde italienischer Bleiopern von der ersten bis zur letzten Minute für sich gewinnen. So tritt an die Stelle von dekorativen Schauwerten und wilden Schießereien die Psychologisierung der Hauptcharaktere, was in letzter Konsequenz gar mehr Brisanz erzeugt, als es die fortwährend rauchenden Colts vieler italienischer IW-Nebenbuhler vermochten wie vermögen.

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