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Sartana - Noch warm und schon Sand drauf

Italien | Spanien, 1970

Originaltitel

Buon funerale amigos!... paga Sartana

Alternativtitel

Bonnes funérailles, amis, Sartana paiera (FRA)

Buen funeral, amigos... paga Sartana (ESP)

Have a Good Funeral, My Friend... Sartana Will Pay (USA)

Have a Nice Funeral on Me: Amigo - Sartana

A Present for You, Amigo... A Coffin from Sartana

Gunslinger

Stranger's Gold

Deutsche Erstaufführung

04. Juni 1971

Inhalt

Nachdem der Goldsucher, Benson, auf seinem Grundstück ermordet wurde, sind ein Bankier, ein Glücksspielbetreiber sowie ein Fremder, Sartana, darauf erpicht jenes Grundstück (das in seinem Herzen Unmengen von Gold beherbergen soll) zu erwerben. Ihre Ansprechpartnerin ist die Nichte und Erbin des ermordeten Besitzers, die zwischen die Fronten eiskalter Killer gerät und umgehend in ernsthafter Gefahr schwebt.

Review

Mit Sergio Corbuccis Kreation der Django-Figur stattete der Regisseur seinen Antihelden mit den Ingredienzien einer Wild-West-Comicfigur aus, die vereinzelnd im Stile der „Reflektorfigur“ eines Ego-Shooters agiert. Ein unaufhaltsamer Vollstrecker, der den staubigen sowie matschigen Boden von Torremocha de Jarama zu einem Blutdurchtränkten Grund transformieren lässt. Ein Wesen ohne Ziel und Ideal, getrieben von Menschenhass, gezeichnet von Gleichgültigkeit. Ein an Zynismus kaum zu überbietender Fremder, der einen Sarg hinter sich her zieht, aus dem er ein Maschinengewehr zaubert, um eine ihm gegenüberstehende Übermacht wie hintereinander gereihte Dominosteine purzeln zu lassen.

 

Einer seiner Nachfolger, Sartana, legte als ein (wie Joe Hembus es suggeriert) „krakeelender blonder Wirrkopf, der Glauben machen will, er käme direkt aus der Hölle“, in Sachen Überzogenheit noch eine kräftige Schippe Heizbrikett drauf und lieferte als Bote des Satans zahlreiche mit Tod und Sarkasmus gefüllte Pakete bei seinen verblüfften Adressaten ab. Die Entheroisierung der Westernhelden war natürlich längst abgeschlossen, aber spätestens seit den Spencer/Hill Western wurde der Männlichkeitskult der Antihelden obendrein und überdeutlich parodiert. Obwohl mir diese humoreske Formel niemals sonderlich munden wollte, muss man eingestehen, dass sie dem Italo-Western nicht nur einen Erfolgsschub verabreichte, sondern dem Genre eine benötigte Frischzellentherapie verabreichte, welche dem Spaghetti-Western ersparte vorzeitig auf dem Knochenacker von Cinecittà zu enden.

 

Bis auf eine Ausnahme („C'è Sartana... vendi la pistola e comprati la bara“, vom deutschen Verleih zum Django-Vehikel umfunktioniert) ist die „Sartana-Reihe“ mit einem köstlich agierenden Gianni Garko besetzt, dessen Präsentation im 1966er Cardone „Mille dollari sul nero“ (trotz der Sartana-Firmierung durch den deutschen Verleih) nicht zum Sartana-Areal gezählt wird. Geachtet dieser Tatsache kam Sartana in seiner Funktion als Serienheld erstmals innert Gianfranco Parolinis „Sartana - Bete um Deinen Tod“ in die Puschen. Und bevor Giuliano Carnimeo der Sartana-Figur mit „Sartana kommt“ letztendlich einen gigantischen Ausstand verpasste, fabrizierte er kurze Zeit vorher einen eher durchschnittlichen Sartana-Streich, der allerdings dank der deutschen Synchronisation zu einem kleinen Zuckerstück avancieren konnte: „Sartana - Noch warm und schon Sand drauf“.

 

„Sie sind wirklich ein Satan.“

 

So lautet das Urteil des Bankiers, Ronald Hoffman, hinsichtlich eines geschwätzigen, ungeladenen sowie ungeliebten Stadtgasts namens Sartana. In der Tat schleppt dieser mit allen Wassern gewaschene Antiheld ein Utensil mit sich herum, das ihn tatsächlich als einen Abgesandten der Hölle dechiffrieren lässt. Man achte auf seinen Mantel, der wie Draculas satanisches Gewandt außen schwarz und innen rot ist. Beide Farben zeigen sich innert des Horrorfilms als untrennbar, verbreiten eine gemeinsame Dominanz und sind unauslöschliche Bestandteile dieses Genres. Rot als eine Farbe der Macht und einhergehender Unantastbarkeit. Schwarz als die Farbe des Todes, der von Sartana natürlich vorzüglich bedient wird. Somit müssen die drei Halunken, die ein Massaker auf der Benson-Ranch anrichteten, auch postwendend Saratanas Einladung ins Jenseits folge leisten, was gleichzeitig den Auftakt zu einer Nonstop-Tötungs-Maschinerie einläutet, welche die Story um ein kleines Stück Land, das angeblich enorme Goldvorräte in sich trägt, immerzu in den Hintergrund des Zuschauerinteresses drängt. Folglich hat man es nicht mit einem ausgeglichen gelagerten Hybrid aus Western und Kriminalfilm zu tun, da die Action und die auditive Akrobatik (deutsche Synchronisation) gemeinsam und fortwährend das Zepter der Macht schwingen.

 

Giuliano Carnimeo zentralisiert bei der Jagd nach dem umrissenen Grundstück vier Figuren. Die Erbin des angeblichen Goldackers, Abigail Benson, den Bankier, Ronald Hoffman, den chinesischen Spielhallenbetreiber, Lee Tse Tung, und Sartana, den Sprücheklopfer des Todes. Die Figurenkonstellation provoziert natürlich ein Motto, welches im US-Western der 1960er Jahre erstmals erfolgreich greifen konnte und gern mit Richard Wilson „Treffpunkt für zwei Pistolen“ assoziiert wird, was diesen Film gleichzeitig mit einem Urheberstatus adelt. Die Rede ist von der Taktik des Gegeneinanderausspielen. Das Täuschen von Kontrahenten, gepaart mit der fortwährenden Bereitschaft zu töten, sofern es den finanziellen Ambitionen zugute kommt.

 

Die Story avanciert, wie bereits angesprochen, zu einem Aufhänger für zahlreiche Tötungsarien. Fulminante Actionsequenzen halten sich dabei im Überschaubaren auf, denn im Prinzip wird der Wunsch nach Rasanz nur mit einer Verfolgungsjagd bedient. Bezüglich dieser Kutschenrallye kann man dem Cutter eine gute Leistung attestieren, da die Sequenzen ordentlich transportiert werden und auf äußerst geschickte Weise von ihrem eher spartanischen Inszenierungspotential ablenken.

 

Von Spannung wird das Publikum weitestgehend befreit, als Ausgleich darf sich der geneigte Zuschauer allerdings von vielerlei skurrilen Situationen sowie dem einzigartigen Humor der deutschen Synchronisation berieseln beziehungsweise bespaßen lassen. 

 

Fazit: Da der olle Konfuzius nicht immer präsent ist, um (s)eine aufhellenden Weisheiten wirken zu lassen, sind fast alle in der Parkanlage unterwegs, um Blümchen für Fischauges Beerdigung zu stibitzen, demzufolge können der sizilianische Bierpanscher und Fürchtegott Krause auch nicht verhindern, dass der Nikolaus ins Stiefelchen scheißt - aber ist es (trotzdem) nicht fabelhaft Kameraden?

 

NOCH WARM UND SCHON SAND DRAUF!

 

Rainer Brandt lässt die Kuh fliegen und stattet gemeinsam mit Danneberg, Blumhagen, Elsholtz, Rode und Co. dem Sartana-Universum einen Besuch ab, von dem vermutlich auch unsere Urenkel noch schwärmen werden. Obwohl ich kein Freund von komödiantischen Plapperorgien bin und ich sie gerade im Italo-Western als ungebetene Gäste suggeriere, haut mich diese sensationelle Synchronisation stets vom vergammelten Stubenhocker.

 

PS: Leider fällt der Auftritt von Franco Ressel als Samuel Piggott sehr kurz aus, denn Ressel präsentiert die bis dato aller Wahrscheinlichkeit unmöglichste Frisur, die jemals innert des italienischen Genrekinos zur Schau getragen wurde.

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