The Card Player - Tödliche Pokerspiele

Italien, 2004

Originaltitel:

Il cartaio

Alternativtitel:

Der Kartenspieler (Alt.)

The card dealer (US)

Card player (FR)

Deutsche Erstaufführung:

19. März 2004

Regisseur:

Dario Argento

Inhalt

Die Polizistin Anna Mari (Stefania Rocca) bekommt eine Email mit einer Einladung zu einem Online-Pokerspiel. Wenn sie verliert – stirbt eine entführte Touristin. Und diese Einladung bleibt kein Einzelfall. Zusammen mit dem britischen Austauschpolizisten Brennan (Liam Cunningham) versucht sie den Mörder zu finden.

Autor

Maulwurf

Review

THE CARD PLAYER ist ein Film der die Argento-Fangemeinde spaltet. Das heißt, eigentlich wird hier nichts gespalten – die meisten Argento-Fans mögen diesen Film nicht, Punkt. Billige Effekte, das Online-Gekreische nervt, die Handlung ist im Bereich des Schwachsinns angesiedelt, das Showdown ist eine einzige große Peinlichkeit … Hinzufügen möchte ich noch: Das Bild hat definitiv TV-Look, die Nebendarsteller sind nicht so die Wolke, die Musik nervt oft (und wenn der Mörder am Ende das Autoradio lauter stellt, dann stelle ich automatisch leiser ...), und es fehlen die "klassischen" Argento-Merkmale wie die Kamerafahrten, die klaustrophobisch-bedrohlichen Situationen oder die ausufernde Verwendung von Ketchup. Wenn Anna auf der Wiese steht und den Typen sucht der sie beobachtet, es ist dunkel und ruhig und der Wind rauscht in den Bäumen, das erinnert an TRAUMA (oder eher noch an Sergio Martinos KILLER VON WIEN) und ist sehr spannend, aber leider viel zu kurz. Wobei die Fortführung der Szene in der Wohnung äußerst gelungen ist, und dass Anna sich ernsthaft zur Wehr setzt und nicht einfach nur kreischt, das steigert die Spannung umso mehr. Auch der Einstieg in diese Szene, die Beobachtung Annas durch den Aschenbecher, das ist ganz große Kunst eines großen Meisters, wenn auch vielleicht ein wenig zu ausgewalzt.

 

Und somit sind es die kleinen Dinge die den CARD PLAYER dennoch erträglich machen. Der Kampf am beziehungsweise im Fluss ist sehr spannend und dynamisch, und auch die Fahrt Brennans auf den Hügel ist stark gemacht. Links und rechts nur Mauern, immer höher werdend, die Fahrtroute vorgegeben, Brennan immer ratloser - auch hier kommt wieder die bekannte Klaustrophobie zum Zuge, aber ich hätte mir vielleicht ein paar Schnitte weniger gewünscht, um die Enge und Zuspitzung der Situation stärker zu betonen. Trotzdem, Spannungskino zum Hinschauen und Entdecken. Aber auf dem langen Weg von den SCHWARZEN HANDSCHUHEN bis zum CARD PLAYER scheint Dario Argento irgendwo ein Stückchen Inspiration abhanden gekommen. Es wird, das ist mein persönliches Empfinden, einfach nicht immer das Optimum aus den Szenen herausgeholt. Gerade die besagte Autofahrt auf den Hügel ist ein gutes Beispiel: Wäre da nicht noch mehr gegangen? Engere Mauern, mehr Klaustrophobie, sichtliche Orientierungslosigkeit und Beklemmung bei Brennan, schlechteres Wetter, … Ich bin kein Regisseur und denke nicht dass ich es besser könnte, um Himmels willen. Aber ich sehe seit mehreren Jahrzehnten sehr viele Filme, und glaube mittlerweile erkennen zu können wenn aus einer Szene mehr hätte herausgeholt werden können in Bezug auf Spannungsaufbau und Atmosphäre. Und hier hätte man die Schraube meines Erachtens noch ein wenig andrehen können. Geldprobleme? Pfff, es gibt genügend Beispiele in der Filmgeschichte, wie mit wenig Geld hervorragende Filme gedreht wurden. (Und vice versa.) Eher Ideenlosigkeit. Oder gar … Desinteresse? In manchen Augenblicken sieht THE CARD PLAYER nach einer schnell-schnell-Produktion für das Fernsehen aus, nämlich immer dann, wenn Handlungselemente wortreich erklärt werden oder der Zuschauer mit dem Vorschlaghammer auf einen bestimmten Umstand hingewiesen werden soll. Was beides der Spannung normalerweise eher abträglich ist.

 

Zurück zum Thema: Die Hauptdarsteller sind solide und geben keinen Grund zum Meckern, auf jeden Fall aber Grund zum Meckern ist der niedrige Gore-Faktor, und ich bin beileibe kein entsprechender Bauer. Sämtliche Mordszenen erinnern in ihrer Blutarmut an TRAUMA, und wenn Brennan dann in Großaufnahme an den (hervorragend gemachten!) Leichen rumpopelt, dann wirkt das auf mich eher wie eine Entschuldigung für die im Off stattfindenden Morde. Sollte der Film zur Primetime im RAI gezeigt werden, oder musste FX-Mann Sergio Stivaletti ohne Gage arbeiten? Nicht dass ich auf solche Shots stehe, ganz im Gegenteil, aber das völlige Fehlen blutiger Szenen fand ich sehr auffällig. Und sehr un-Argentoesk. Allerdings sind am Drehbuch angelsächsische Namen beteiligt. Ohne dass ich mich mit der Materie auskenne fällt mir da zum x-ten Male TRAUMA ein, das mit Rücksicht auf die US-amerikanischen Produzenten eben ein gutes Stück blutärmer ausgefallen ist. Ob das bei CARD PLAYER auch der Fall ist entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich spekuliere mal dass … Vielleicht weiß ein Leser dieser Besprechung mehr und mag das als Kommentar hinzufügen, damit ein rundes Bild entstehen kann?

 

Schon wieder abgeschweift. Also nochmal zurück zum Thema: Auch etwas merkwürdig fand ich die Darstellung italienischer Polizeiarbeit. OK, Argento hat noch nie viel mit Polizei am Hut gehabt, seine Helden waren fast immer Zivilisten, aber diese extrem faule und brunzdumme Bande von Nichtstuern, die fand ich schon merkwürdig. Dann die etwas überbordende Ansammlung von Klischees: Der Ire ist Säufer, logisch, was sonst. Annas Vater war Kartenspieler (so ein Zufall) und hat sich vor einen Zug geschmissen. Warum wir das überhaupt erfahren müssen dient nur und ausschließlich dem Showdown, aber so richtig überzeugend ist das Drehbuch an dieser Stelle nicht. Und auch die Details mit den Samenkörnern haben mich nicht wirklich überzeugt (aber vielleicht hab ich auch nur zuviel CSI gesehen. Oder Argento zu wenig …).

Und so sind es einfach eine Anzahl kleiner Ärgerlichkeiten, die zum eher schwachen Eindruck beitragen. Dass Brennan die Hütte versucht zu stürmen unter absoluter Missachtung sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen, die Frage mit wem das 2. Kartenspiel stattfindet, der etwas dahingerotzt wirkende Showdown …

 

Und da kommt bei mir dann doch “nur“ eine 5/10-Bewertung zustande, weil sich Licht und Schatten einfach die Waage halten. Ganz so mies wie er manchmal gemacht wird, so mies ist er dann doch nicht. Man muss nur genauer hinschauen, dann bietet THE CARD PLAYER einiges an schönen Details. Und vielleicht wächst der Film beim wiederholten Anschauen ja sogar …

Autor

Maulwurf

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