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Halleluja pfeift das Lied vom Sterben

Italien, 1971

Originaltitel:

Giù le mani... carogna! (Django Story)

Alternativtitel:

Halleluja - der tödliche Schatten (BRD-Alternativtitel)

Blutspur des schwarzen Rächers (CHE-Alternativtitel)

The Ballad of Django (NLD)

Down with Your Hands... You Scum! (USA)

Reach You Bastard (USA)

The Django Story (USA)

Deutsche Erstaufführung:

23. Juni 1972

Regisseur:

Demofilo Fidani

Drehbuch:

Demofilo Fidani

Inhalt

Der routinierte Kopfgeldjäger und Schrecken aller Desperados, Hallelujah, macht in einem kleinen Saloon Zwischenstation und trifft dabei auf den etliche Jahre jüngeren Pistolenhelden Bill Hickock. Nach den ersten Blick- und Wortwechseln sowie einer wüsten Prügelei tritt eine wechselseitige Sympathie zutage, die Hallelujah dazu bewegt, von seinem gefährlichen Leben als bounty hunter zu berichten. Es sind die Geschichten von brutalen Gesetzlosen, denen Hallelujah mit eiserner Courage entgegentrat, um ihnen das Lebenslicht auszupusten und anschließend harte Golddollar zu kassieren. Doch seine Missionen sind nicht nur von Geld, sondern auch von Blutrache geprägt.

Review

„Halleluja pfeift das Lied vom Sterben - ein Film, hart wie ein Faustschlag."

„Halleluja pfeift das Lied vom Sterben - ein Film, ein Volltreffer."

„Halleluja pfeift das Lied vom Sterben - ein Film mit trockenem Witz."

„Halleluja pfeift das Lied vom Sterben - ein Film, der auch sie vom Sessel reißt."

„Halleluja pfeift das Lied vom Sterben - ein Film, der in die Augen geht."

 

Wow! Das klingt beinahe wie die lobpreisende Ansprache jenes (bevorzugt in ein kariertes Second Hand Sakko gehüllten) Animateurs, der im Anschluss an eine Butterfahrt über den Rhein-Herne-Kanal den Tagesurlaubern ein X für ein U vormacht, um den legendären Plastikring aus dem nicht minder legendärem Kaugummiautomaten als einen Einkaräter zu definieren und einhergehend jenen Ramsch für schlappe 399,99 Euro an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen. Dieser Vergleich ist nicht (!) überkandidelt und ums Verrecken vertretbar, denn die karachoesken Worte reflektieren, dass der mit Trompeten, Fanfaren und Posaunen für den Nobis-Verleih musizierende Herold respektive der Off-Kommentator sowie der Schöpfer dieser poetischen Zeilen anscheinend einen anderen Film geschaut haben, als jenes Vehikel, das eben über das Panel meines LED-Fernsehers karjuckelte.

 

HALLELUJA PFEIFT DAS LIED VOM STERBEN wirkt auf mich, der ich seit Jahrzehnten Italo-Western konsumiere und Höhen wie Tiefen des Genres durchwanderte, erwartungsgemäß ausgesprochen obskur. Wo Fidani draufsteht, ist halt Fidani drin und eben darauf stehen die Allerwenigsten.

 

Fidanis „Halleluja“, der nicht einmal ein „echter Haleluja“ ist, aber dazu später mehr, residiert demgemäß auf einer der vorderen Positionen in der Kategorie Suspectus-Italo-Western, welche eine ebenso filmwissenschaftlich unbekannte Rubrik widerspiegelt, wie die von mir gern erwähnte Spezies: Der Asozialenfilm. In der Kategorie Suspectus-IW sind notabene schier alle Fidani-Western zuhause, deren Anteile der viel geschmähte Regisseur emsig in die Gestaltung von HALLELUJA PFEIFT DAS LIED VOM STERBEN einbringt. Die Rede ist jedoch nicht, und jetzt wird’s ex aequo spannend wie auch kurios (Kurios könnte Fidanis zweiter Vorname sein), vom Zitieren seines Œuvres, sondern von einem Szenenrecycling. Eine Methode, die mir die Gelegenheit offeriert, von den so genannten short ends zu berichten. Warum ich ausgerechnet den Weg zu den short ends und nicht zu den stock shots (zu denen ich bestimmt in einer meiner folgenden IW-Besprechungen was schreiben werde) wähle, wird Ihnen zum Ende des nachfolgenden Absatzes klar werden.

 

Kleine Filmproduktionsfirmen haben mit Blick auf eine ökonomische Arbeits- wie Verfahrensweise gern die unbelichteten Reste jenes Filmmaterials, das der Kameramann einer A-Produktion mitsamt der Kassette aus seiner Kamera entnahm, sofern er wusste, dass das Restmaterial nicht für die nächste Einstellung ausreichen würde, für wenig Geld erworben, um diese in eine ihrer kostengünstigen Produktionen montieren zu lassen. Die so genannten short ends waren zwar - im Vergleich zu aufwendigen Dreharbeiten - spottbillig, bewirkten allerdings zumeist unerwünschte wie unangenehme Bildformatwechsel, von denen auch HALLELUJA PFEIFT DAS LIED VOM STERBEN betroffen ist, was allerdings - wie ich es bereits zart anklingen ließ - keinen „Fremdmaterialien“ geschuldet ist. Fidani speist ausschließlich an seinem eigenen Fundus. Folglich werden den geschulten IW-Augen während ihrer Filminspektionen diverse Szenen auffallen, die sie bereits in anderen Fidani-Western kennen und gemeinhin weniger schätzen lernten.

 

„Halts Maul! Du kotzt mich an, du Idiot. Hast du noch nicht kapiert, dass hier ein Friedhof ist, und der Totengräber wartet schon. Dieser dreimal verfluchte Halleluja!" (Paco Sanchez)

 

HALLELUJA PFEIFT DAS LIED VOM STERBEN ist, was nach meinen vorangegangenen Worten eigentlich eh jedem klar sein wird, eine besonders kostengünstige Inszenierung. So bestehen beispielsweise die Kulissen aus fix zusammengezimmerten Holzbaracken, die auf einem außerordentlich schlammigen Untergrund mit Müh und Not versuchen, nicht vom nächsten Windzug erfasst zu werden und dem Kausalprinzip folgend, wie ein Kartenhaus zusammenzustürzen. In einem dieser Bretterverschläge treffen Halleluja, der natürlich nichts mit dem clever wie smarten George Hilton-Halleluja zu schaffen hat und im Original gar Django gerufen wird, und Bill Hickock (!) aufeinander. Sie stellen flink fest, dass sie auf einer Wellenlänge sind, sodass Halleluja, der einer optischen (!) Mixtur aus Hilton-Halleluja, Sartana und Black Jack Murphy gleichkommt, nach dem Konsum von etwas Quasselwasser in die richtige Stimmung kommt, um von seiner Vergangenheit, dem harten Alltag eines Kopfgeldjägers, zu berichten. Angefangen mit der Jagd nach den Gesetzlosen Paco und Manuel Sanchez sowie Dean O'Neil. Beim Letztgenannten wird die Jagd durch persönliche Rachgelüste, da O'Neil für den Tod von Hallelujas Brüder verantwortlich zeichnet, additional befruchtet. Beide Missionen verschlingen mehr als zwei Drittel der Gesamtspielzeit, die von zahlreichen set pieces durchzogen ist, welche eine pornohafte Narrative widerspiegeln. Obwohl die Szenen lieblos zusammengeschustert wurden, werden die jeweiligen Kurzgeschichten, die sich in der Motivation (einerseits materielle, andererseits persönliche Gründe) des Kopfgeldjägers unterscheiden, nicht ihres - eh spärlich vorhandenen - Sinngehalts beraubt.

 

„O’Neill war ein brutaler Killer, ein niederträchtiger dreckiger Mörder. Er hatte eine Menge Unschuldiger auf dem Gewissen, darunter auch Sheriff Jackson. Überall wo er hinkam sorgte O’Neill für frische Gräber." (Halleluja)

 

Die beiden kurz angerissenen und auch nicht wesentlich inhaltsreicheren Geschichten verschlingen mehr als zwei Drittel der Filmlaufzeit, bis es in der Gegenwart weitergeht und Halleluja seinen letzten Kampf, den gegen Buck Bradley, ausfechtet. Die beteiligten Filmfiguren, deren Passfotos die üblichen Hackfressen einer abjekten Westernwelt reflektieren, sind wahrlich keine zimperlichen Zeitgenossen, sodass es erwartungsgemäß rüde wie brutal (die Szenen wurden so zusammenmontiert, dass möglichst viele Brutalitäten, Grausamkeiten wie Prügel- und Schießereien aufeinander folgen) zur Sache geht. Die deutsche Synchronisation hat den derweil agierenden, geschmacklos frisierten Antagonisten, von denen einige, zumindest mit Blick auf deren Optik, in Woodstock in vorderster Front ihren hippiesken Drogenrausch hätten ausleben können, dementsprechende Satzfragmente wie beispielsweise „verpiss dich“ und „dumme Sau“ in die Münder gelegt, was dem asozialen Ambiente eine ebenso asoziale Rhetorik liefert.

 

 

Fazit: HALLELUJA PFEIFT DAS LIED VOM STERBEN spiegelt einen äußerst suspekten Western wieder, der Fidani dazu anspornte, in seinem Œuvre zu stöbern und das auserkorene Bildmaterial mit neu gedrehten Szenen zu paaren, um in der letzter Konsequenz ein brutales wie selbstzweckhaftes Gesamtwerk zu montieren, dass dem minderen Anspruch seiner (Fidanis) Schießopern mühelos gerecht wird. Wer das Genre komplett abklopft und um eine Sichtung eh nicht umher kommt, wird die Skurrilität dieses Werk, dessen Titel(anti)held im Original als Django vermarktet wurde, spielend leicht bestätigen. Alle anderen sollten beachten: Nur die Harten kommen in den (Fidanis) Garten!

Links

OFDb

IMDb

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