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Ich lass' mich nicht verführen

Frankreich | Italien, 1957

Originaltitel:

Poveri ma belli

Alternativtitel:

Hermosas pero pobres (ARG)

Pobres mas... Belas (BRA)

Pobres, pero guapas (ESP)

Pauvres mais beaux (FRA)

Girl in a Bikini (GBR)

Os Galãs do Bairro (PRT)

Fattiga men vackra (SWE)

Poor But Beautiful (USA)

Poor, But Handsome (USA)

Deutsche Erstaufführung:

25. Januar 1958

Regisseur:

Dino Risi

Inhalt

Romolo (Maurizio Arena) und Salvatore (Renato Salvatori) sind Nachbarn und Freunde. Sie kennen sich schon von frühester Kindheit an und teilen sich alles, auch ihre flüchtigen Beziehungen zu Mädchen, die leicht zu haben sind. Romolos Schwester Marisa (Lorella De Luca) ist in Salvatore verliebt, Salvatores Schwester Anna Maria (Alessandra Panaro) in Romolo. Nicht, dass die beiden jungen Männer das bemerken würden.

 

Eines Tages gibt es ein neues Gesicht an der Piazza Navona. Schneiderin Giovanna (Marisa Allasio) ist nicht nur ein Hingucker, sondern hat obendrein ihren eigenen Kopf. Schon bald sind Romolo und Salvatore beide in sie verliebt, doch es gibt ein Problem. Denn Giovanna ist ähnlich leichtlebig wie die beiden Jungs, die dieses Mal eben nicht teilen wollen, sondern heiraten.

 

Während sowohl Romolo als auch Salvatore versuchen, Giovanna in ihrem Sinne zu beeinflussen, erkennt sie, dass sie noch in ihren früheren Freund Ugo (Ettore Manni) verliebt ist. Aber die beiden Freunde gehen dennoch nicht leer aus – sie sind erwachsen geworden. Vorläufig.

Review

ICH LASS MICH NICHT VERFÜHREN ist der erste Film der Arm aber Schön-Trilogie von Dino Risi. Er gehört zu den „100 film italiani da salvare“, und im ersten Moment mag man stutzig werden, wie diese eher leichtherzige Komödie es in eine Reihe mit Werken von Rossellini, Visconti, Antonioni oder De Sica geschafft hat. Andererseits könnte POVERI MA BELLI – so der Originaltitel – italienischer gar nicht sein.

 

Der Film bedient zunächst eine Reihe von Männer-sind-eben-Männer-Klischees, setzt dem dann aber in Person von Giovanna ein weibliches Gegenstück. Als Lokalkolorit dient das Leben an der Piazza Navona in Rom, wo junge Kerle nichts Besseres zu tun haben als jedem Rock hinterherzuschauen. Romolo arbeitet im Plattenladen seines Onkels Mario (Mario Carotenuto), der die Leidenschaft einsamer Frauen für Musik ebenfalls für seine Zwecke auszunutzen weiß. Salvatore ist als Bademeister auf der Barkasse „Il Ciriola“ unter der Sant’Angelo Brücke tätig, welche erfahrene Filmzuschauer auch als Tanzlokal aus William Wylers EIN HERZ UND EINE KRONE (Roman Holiday, 1953) kennen und das leider in den 90er Jahren nach langer Zeit des Verfalls im Tiber versank.

 

Romolo und Salvatore haben Erfolg bei Frauen, nicht zuletzt, weil sie sich selbst für unwiderstehlich halten. Als sie Giovanna begegnen, die bei ihrem Vater in einer neu eröffneten Schneiderei an der Piazza Navona arbeitet, werden den beiden Freunden jedoch sehr schnell Grenzen gesetzt. Giovanna hat gerade eine unglücklich verlaufene Liebesgeschichte hinter sich und ist erfahren genug, um nicht auf die einstudierten Sprüche der Freunde hereinzufallen. Sie verabredet sich mit Beiden, führt sie an der Nase herum, testet die Küsse beider, und bald sind die Freunde zerstritten.

 

Irgendwann scheint Giovanna sich entschieden zu haben. Während Salvatore und seine Sprüche wegen einer Mumps-Erkrankung ausgeschaltet sind, verlobt sie sich mit Romolo. Doch der entpuppt sich nun als eifersüchtig, und davon hat Giovanna schon seit ihrer letzten Beziehung genug. Umso schwerer verdaulich wird es am Ende, denn nun wird uns Giovannas Ex-Freund Ugo vorgestellt. Der ohrfeigt Frauen, wenn ihm was nicht passt, ist eifersüchtig und arrogant. Doch Giovanna entscheidet sich für ihn, was zu der selbstbewussten jungen Frau gar nicht passen will. Wo die Liebe hinfällt…

 

Doch die Geschichte geht ja noch weiter. ICH LASS MICH NICHT VERFRÜHREN wurde fortgesetzt mit GIOVANNA (DDR-Titel)/PUPPE MIT PFIFF (Belle ma povere, 1957) und ARME MILLIONÄRE (Poveri milionari, 1959), beide ebenfalls unter der Regie von Dino Risi.

 

ICH LASS MICH NICHT VERFÜHREN wurde im Sommer 1956 in Rom gedreht und spielte von Januar 1957 bis Juni 1960 996.025.603 Lire ein. Ursprünglich hatte Carlo Ponti Interesse an dem Projekt gezeigt und wollte dieses mit Ugo Tognazzi, Walter Chiari und Sophia Loren besetzen, was meiner Ansicht nach eine Katastrophe gewesen wäre. Der Charme des Films besteht aus der Einfachheit seiner eher jugendlichen Charaktere, und der am Ende von Silvio Clementelli im Auftrag von Titanus produzierte Film ist so gut besetzt wie nur möglich.

 

Die Freunde Romolo und Salvatore werden von Maurizio Arena und Renato Salvatori gespielt, insbesondere Letzterer weiß seinen flatterhaften Charakter perfekt umzusetzen. Als selbstbewusste Giovanna ist Marisa Allasio zusehen, und auch wenn sie optisch dem Klischee eines sogenannten „Busenwunders“ entspricht, hat sie in Filmen wie diesem, Roy Rowlands ARRIVIDERCI ROMA (1957) oder Dino Risis DER WINDHUND VON VENEDIG (Venezia, la luna e tu, 1958) deutlich Ausstrahlung bewiesen. Sie kommt sehr sympathisch rüber in ihren Filmen. Im dritten Teil der Trilogie ist sie leider nicht mehr dabei, denn 1958 hängte sie ihre Filmkarriere an den Nagel als sie eine lebenslange Ehe mit Pier Francesco Vittorio Maria Agostino Luca Frediano Calvi di Bergolo begann, dem Conte Calvi und 7. Conte di Bèrgolo.

 

Obwohl ihnen im späteren Verlauf des Films eine größere Bedeutung zukommt, habe ich in der Review die jüngeren Schwestern der beiden Hauptprotagonisten vernachlässigt. Diese werden gespielt von Lorella de Luca (bekannt aus Duccio Tessaris EINE PISTOLE FÜR RINGO/UNA PISTOLA PER RINGO, 1965) und Alessandra Panaro, die mir schon an der Seite von Terence Hill in Carlo Ludovico Bragaglias LAZZARELLA (1957) und natürlich in Viscontis ROCCO UND SEINE BRÜDER (Rocco e i suoi fratelli, 1960) positiv aufgefallen ist.

 

In weiteren Nebenrollen sieht man Memmo und Mario Carotenuto, Ettore Manni, Dina de Santis und Marcello Avallone. Die Kameraarbeit stammt von Tonino und Franco Delli Colli, die Musik komponierte Giorgio Fabor.

Veröffentlichungen

Alle drei Filme der Arm aber Schön-Trilogie gibt es derzeit bei Netflix mit deutschen Untertiteln. Im Gegensatz zu den deutschsprachigen Kinofassungen sind diese bei Netflix uncut.

Filmplakate

Filmreihe

Puppe mit Pfiff

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