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The Shortest Day

Italien, 1963

Originaltitel:

Il giorno più corto

Alternativtitel:

El día más corto (ESP)

Le jour le plus court (FRA)

The Shortest Day (USA)

Regisseur:

Sergio Corbucci

Kamera:

Enzo Barboni

Inhalt

Der Straßenhändler Francesco (Ciccio Ingrassia) sucht das Sterbebett seines siechen Mafia-Onkels auf, in der Hoffnung auf ein lukratives Erbe. Doch alles was er bekommt, ist das überalterte Waisenkind Franco (Franco Franchi). Francesco versucht die Nervensäge loszuwerden, doch es gelingt ihm nicht.

 

Bei dem Versuch, sich Kehrpakete zu ergaunern, die von den Nonnen an Freiwillige der Königlichen Armee verteilt werden, geraten die Zwei in die Wirren des 1. Weltkriegs. Unfreiwillig werden Franco & Ciccio zu Helden, landen aber dennoch vor dem Kriegsgericht, wo sie von einem entlaufenen Irren (Walter Chiari) verteidigt werden.

Review

Wie der Titel „Der kürzeste Tag“ bereits nahelegt, ist dieser Film mit Franco & Ciccio in der Hauptrolle eine Persiflage auf den ein Jahr zuvor gedrehten D-Day Filmerfolg DER LÄNGSTE TAG. Dennoch spielt IL GIORNO PIÙ CORTO im 1. Weltkrieg und schildert das Durcheinander zwischen Italienern und Österreichern. Worin besteht also die Persiflage? Ganz einfach. Wie in DER LÄNGSTE TAG werden eine Unzahl (tatsächlich viel mehr als beim Original) von bekannten Darstellern in kleinen Rollen und Cameos verheizt, und das ist verdammt amüsant, so exzentrisch dieser Film auch sein mag.

 

Wie oder warum kam das zustande? Die Verleihfirma Titanus war in großen Geldnöten. Grund dafür war Goffredo Lombardos Versuch, an internationalen Großproduktionen mitzuwirken, die nicht immer den gewünschten finanziellen Erfolg brachten. Robert Aldrichs SODOM UND GOMORRHA (1962) und Luchino Viscontis DER LEOPARD (Il gattopardo, 1963 veröffentlicht) hatten Titanus an den Rand des Ruins gebracht. Doch die Firma überlebte, unter anderem wegen der Bereitschaft von 88 Darstellern (44 größere bis kleinere Rollen und 44 Cameos) umsonst zu arbeiten, nämlich für diesen Film, Sergio Corbuccis IL GIORNO PIÙ CORTO. Und von diesem Moment an kann man von zahlreichen Stars mit Fug und Recht behaupten, dass sie in einem Franco & Ciccio -Film dabei waren: neben zahlreichen italienischen Größen unter anderem Annie Girardot, David Niven, Simone Signoret, Pierre Brice, Gordon Scott, Mark Damon, Stewart Granger, Jean-Paul Belmondo (der ein bisschen bedröppelt guckt, als wenn er nicht weiß, wo er sich warum befindet) und Walter Pidgeon als tippender Ernest Hemingway im Schützengraben der italienischen Truppen.

 

Über den Film selbst muss man sagen, dass der Spaß nicht zuletzt im Chaos liegt. Also nichts für Anfänger, was italienische Komödien betrifft. Neben Franco & Ciccio fallen vor Allem drei größere Rollen ins Auge. Walter Chiari spielt den Verteidiger Francos & Ciccios vor dem Militärtribunal, und von Anfang an hat man das Gefühl, dass er nicht ganz richtig ist. Virna Lisi ist als komödiantische Truppenbetreuerin Naja zu sehen, die unbedingt eine italienische Mata Hari werden will und sich damit in allergrößte Schwierigkeiten bringt. Die lustigste Rolle hat jedoch Raimondo Vianello als österreichischer Feldmarschall von Gassmann, der so viel Wert auf Korrektheit legt, dass er jeden Patzer seiner Untergebenen mit deren Selbstmord ahnden lässt.

 

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, denn es gibt nur wenige Szenen, in denen nicht ein oder mehrere bekannte Gesichter die Szenerie flankieren. Im Finale wird es dann völlig verrückt, wenn etwa der Richter, zuvor noch von einem anderen Darsteller gespielt, sich beim Umdrehen plötzlich in Stewart Granger verwandelt, und dann winkt auch schon Komiker Totò zum Abschied aus dem Fenster des Sets von THE MONK OF MONZA (Il monaco di Monza, 1963), bekleidet mit seinem Mönchskostüm hierfür. Auch bei diesem führte Sergio Corbucci Regie.

 

IL GIORNO PIÙ CORTO ist derzeit (Mai 2021) im Programm von Netflix mit deutschen Untertiteln zu sehen, die ich persönlich etwas problematisch finde. Warum? Sie sind akkurat übersetzt, 1:1 aus dem Italienischen. Da fehlt ein wenig der Fluss. Beim Übersetzen von Komödien, insbesondere wenn diese nun mal dialoglastig sind (wie die meisten italienischen Komödien) ist ein bisschen Fingerspitzengefühl gefragt, um den Fluss der Komik zu erhalten.

 

Links

OFDb

IMDb

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